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Lebenslange Haft im Fall von 71 in Lkw erstickten Migranten

Reuters-Logo Reuters 21.06.2019
Polizei © dpa Polizei

Szeged, 20. Jun (Reuters) - Ein ungarisches Gericht hat im Fall der vor vier Jahren in einem Kühllaster erstickten 71 Migranten die Schleuser zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Richter am Gericht in Szeged befand am Donnerstag in letzter Instanz den Kopf der Schleuserbande, einen Afghanen, und seine drei bulgarischen Komplizen des Totschlags für schuldig. Für drei Verurteilte schloss das Gericht eine Haftentlassung aus, der vierte muss mindestens 30 Jahre absitzen.

Das aus Ungarn kommende Fahrzeug war im August 2015 auf einem Autobahn-Parkplatz in Österreich entdeckt worden. Die Migranten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, unter ihnen auch vier Kinder, waren in dem Lkw erstickt. Der Fahrer hatte nach Erkenntnissen der Justiz zwar die Hilfeschreie und das Klopfen der Flüchtlinge bemerkt. Er hatte aber auf Anweisung seines Chefs nicht angehalten, um die Tür des Lkw zu öffnen und Luft in den Laderaum zu lassen. Später stellte er den Lkw auf dem Parkplatz ab und floh. In dem Fahrzeug wurden die verwesten Leichen der 59 Männer, acht Frauen und vier Kinder entdeckt.

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Im Juni 2018 hatte ein Gericht im ungarischen Kecskemet die vier Schleuser wegen Totschlags und Menschenschmuggels zu jeweils 25 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil blieb damals unter dem Antrag der Anklage, die lebenslange Haft für alle vier Angeklagten gefordert hatte. Das Gericht in Kecskemet war zuständig, weil dort der Kühllaster gemietet worden war, der die Migranten von der serbisch-ungarischen Grenze über Österreich nach Deutschland bringen sollte. Die Staatsanwaltschaft war gegen das Urteil in Berufung gegangen. Auch die Verteidigung hatte Rechtsmittel eingelegt und eine mildere Strafe verlangt.

Es war der schwerste Vorfall dieser Art auf der sogenannten Balkan-Route, auf der hunderttausende Migranten aus dem Nahen Osten, aus Afrika und Asien vor Krieg und Armut nach Nord- und Westeuropa geflohen sind.

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