Düsseldorf. Die Wissenschaft steht inzwischen oft im Mittelpunkt. Die US-Firma Mattel hat mit dem Barbie-Preis für Wissenschaftlerinnen nun jedoch eine Kontroverse ausgelöst.

 Fragwürdige Ehre, findet unsere Kolumnistin: Eine Barbie-Puppe wurde der Impfstoff-Entwicklerin Sarah Gilbert nachempfunden. © Mattel Fragwürdige Ehre, findet unsere Kolumnistin: Eine Barbie-Puppe wurde der Impfstoff-Entwicklerin Sarah Gilbert nachempfunden.

Die Not der Covid-19-Pandemie führte zu Riesenschritten in der Impfstoffentwicklung. Zwei neue Typen von Vakzinen wurden innerhalb eines Jahres international marktfähig gemacht: die mRNA-Impfstoffe und die Vektor­impfstoffe. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklerinnen und Entwickler dieser Impfstoffe in den kommenden Jahren mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet werden. Während die mRNA-­Impfstoffentwicklung von dem Biontech-Gründungspaar Özlem Türeci und Ugur Sahin vorangetrieben wurde, ist einer der großen Köpfe hinter dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca die Britin Sarah Gilbert.

Gilbert ist Professorin an der Universität Oxford und entwickelt am Jenner-Institut seit 15 Jahren adenovirusbasierte Impfstoffe. Sie entwarf zuerst Vakzine zur Bekämpfung der Tropenkrankheit Malaria und weitete das Erregerspektrum später auf Viren wie Mers-Cov und Sars-Cov-2 aus. Während es abzuwarten ist, ob Gilbert als eine von bisher nur wenigen Frauen mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin geehrt werden wird (bisher waren zwölf von 222 Preisträgern Frauen), hat sie nun eine andere, fragwürdige Auszeichnung erhalten – der Hersteller Mattel hat ihr eine Barbie-Puppe gewidmet.


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Die schwarze Brille der Barbie-Puppe deutet an, dass es sich hierbei um eine gebildete Frau handeln soll. Die Puppe sieht Gilbert ansonsten nicht ähnlich. Dank der Barbie kann sich die Wissenschaftlerin jedoch vorstellen, wie sie aussehen könnte, wenn sie sich statt der Forschung einer Karriere als Fotomodell gewidmet und auf Kleidergröße 34 heruntergehungert hätte. Dementsprechend gequält lächelt Gilbert auf den Pressefotos. Insgesamt sechs Frauen im Bereich des Gesundheitswesens wurden durch ihre eigene Barbie-Puppe von Mattel „geehrt“.

Es lässt sich darüber streiten, ob die Darstellung dieser Frauen als Puppen mit faltenloser Haut, langen schlanken Beinen und wallenden Haaren tatsächlich eine Ehre oder eher eine Entwürdigung ist.

Unsere Autorin ist Professorin für Infektions­biologie an der RWTH Aachen. Sie ­wechselt sich hier mit der Philosophin Maria-Sibylla Lotter ab.

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