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Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers "Heimatstadt"

WELT-Logo WELT 10.09.2018
Ezra Levant. Outspoken political commentator Ezra Levant arrives at the Law Society of Alberta in Calgary, Alta., Wednesday, March 2, 2016.THE CANADIAN PRESS/Jeff McIntosh URN:25734000 |: Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers "Heimatstadt" © picture alliance / empics Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers "Heimatstadt"

Internationale Rechtsextreme bieten eine Schifffahrt von Regensburg nach Budapest mit Galionsfiguren der Szene an, inklusive Stopp im österreichischen Linz. Dort ist der Widerstand groß, man wolle nicht zur Pilgerstätte der Rechten werden.

Captain's Dinner, Showevents am Abend und Luxuskabinen – eine Kreuzfahrt auf der Donau kann sehr schön sein. Das dachten auch führende internationale Rechtsextreme. Sie chartern für den Juni kommenden Jahres ein Kreuzfahrtschiff ("Monarch Empress"), das unter deutscher Flagge fährt. Gleichgesinnte aus der ganzen Welt sollen sich dort zu einer "Rebel Cruise" treffen. Das Schiff schippert auf der Donau von Regensburg nach Budapest. Das berichten die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Lustreise oder Propagandatour? Vor allem wohl Letzteres. Der Veranstalter, die kanadische Rechtsaußenplattform The Rebel Media, die laut dem Online-Portal "Politico" schon früher ähnliche Fahrten organisiert hatte, plant Landgänge in Wien, Linz, Salzburg und Passau. Kosten: etwa zwischen 3000 und 4000 Euro pro Fahrgast. Hinzu kommen Spenden, die vom Veranstalter erwartet werden.

Geplant sind Treffen "mit Aktivisten und Experten, die heute Europa gestalten". Sie sollen laut Werbeprospekt beispielsweise der Partei Fidesz von Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán und der AfD angehören oder nahestehen. Die deutsche Partei wird in der Ankündigung der Kreuzfahrt als aufständisch ("insurgent") bezeichnet.

English Defence League leader Tommy Robinson arrives at Westminster Magistrates' Court in London September 11, 2013. Robinson is charged under his real name Stephen Yaxley-Lennon, with obstructing police during an attempt to walk to Woolwich Barracks following the killing of Drummer Lee Rigby. REUTERS/Andrew Winning (BRITAIN) - LM1E99B0P0Z01: Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers "Heimatstadt" © REUTERS Rechtsextreme planen Kreuzfahrt mit Stopp in Hitlers "Heimatstadt"

Nach Angaben der "Oberösterreichischen Nachrichten" verspricht der Veranstalter "ein einwöchiges politisches Seminar, geleitet von vier Rebel-Persönlichkeiten". Dazu gehören neben dem kanadischen The-Rebel-Media-Gründer Ezra Levant der islamfeindliche US-Historiker und ehemalige Berater des heutigen Trump-Vertrauten Rudolph Guiliani, Daniel Pipes, und die ehemalige Kolumnistin der britischen Zeitungen "The Sun" und "Daily Mail", Katie Hopkins. Sie wurde wegen rassistischer Hetze von "The Sun" gekündigt und schreibt nun für Rebel Media.

Auch dabei ist der frühere Sonnenstudiobesitzer und wegen Gewaltexzessen gegen einen Polizisten verurteilte Stephen Yaxley-Lennon alias Tommy Robinson. Der 35-Jährige war Gründer und Vorsitzender der English Defence League, die 2009 aus der britischen Hooligan-Szene entstanden ist, und ist heute eine Galionsfigur der britischen Rechten. Ob auch Vertreter der Szene aus Deutschland mitfahren oder zeitweise zusteigen, ist bisher nicht bekannt.

In der Oberösterreich-Metropole Linz, das Adolf Hitler als seine "Heimatstadt" bezeichnet hatte, ist die Aufregung groß. "Österreich würde damit wieder einmal zum Tummelplatz der extremen Rechten", erklärte Sabine Schatz, SPÖ-Sprecherin für Gedenkkultur.

Die Politikerin forderte Bundeskanzler Sebastian Kurz auf "im Interesse der Bevölkerung alle Mittel und Wege zu prüfen, um diesen Extremisten-Trip quer durch Österreich zu unterbinden".

Die Linzer Gemeinderätin Sophia Hochedlinger (Grüne) sagte: "Linz hat als einstige Lieblingsstadt Adolf Hitlers eine ganz besondere Verantwortung. Die Stadt muss daher unzweifelhaft feststellen, dass sie nicht zur Pilgerstätte für Rechtsextreme werden will."

Mit der Kreuzfahrt werde eine rote Linie überschritten. Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte, man freue sich über viele Urlaubsgäste, "aber nicht über solche". Die Stadt Linz will offenbar auch den Verfassungsschutz einschalten.

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