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Russischer Militärtransporter fliegt brennend auf Stadt zu

WELT-Logo WELT 24.06.2022 Gerhard Hegmann
Militärtransporter vom Typ Iljushin 76 (Archivfoto) Quelle: pa/Russian Look/Photoagency Interpress © pa/Russian Look/Photoagency Interpress Militärtransporter vom Typ Iljushin 76 (Archivfoto) Quelle: pa/Russian Look/Photoagency Interpress

Die russische Großstadt Rjasan ist knapp einer Katastrophe entgangen. Auf dem Weg in Richtung Ukraine fing ein russischer Militärtransporter kurz nach dem Start Feuer. Das große Modell vom Typ Iljushin IL-76MD stürzte brennend dicht bei einem Wohngebiet der Großstadt, 200 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen, ab. Dabei kamen vier Soldaten ums Leben und fünf weitere wurden mit teilweise sehr schweren Verletzungen in ein Krankenhaus geliefert.

Das Militärtransportflugzeug wurde durch den Absturz völlig zerstört. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums handelte es sich um einen Trainingsflug ohne Fracht, während es auch Spekulationen über angebliche Nachschublieferungen für die russischen Truppen bei ihrem Angriffskrieg in der Ukraine gibt. Der Militärtransporter sollte angeblich nach Belgorod fliegen, an der Grenze zur Ukraine, 70 Kilometer nördlich der ukrainischen Millionenstadt Charkiw.

Wie es in übereinstimmenden Berichten lokaler Medien heißt, war das Iljushin-Modell der russischen Luftwaffe zum Auftanken in Rjazan zwischengelandet. Die Stadt hat einen großen Militärflughafen. Weniger als eine Minute nach dem Start am frühen Freitagmorgen Ortszeit habe der Flugplatztower einen Lichtblitz am vierten Triebwerk bemerkt und vergeblich versucht, die Besatzung zu kontaktieren.

Der Pilot habe noch eine Notlandung eingeleitet, heißt es beim russischen Verteidigungsministerium. Auf Videos in sozialen Medien ist zu sehen, wie das Flugzeug brennend auf die Stadt zufliegt. Örtliche Medien berichten, dass angeblich ein abgerissenes Triebwerk einen Kilometer vor der eigentlichen Absturzstelle gefunden wurde.


Video: Militärflugzeug in Russland abgestürzt (glomex)

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Zwar kann ein vierstrahliges Flugzeug selbst beim Ausfall eines Triebwerks einen Start bewältigen. Eine Erklärung für den fatalen Absturz und den Brand in der Luft könnte eine Art Triebwerksexplosion sein, bei der Trümmerteile die Triebwerksummantelung, Hydraulikleitungen und Kabel durchschlagen und Treibstofftanks in den Tragflächen treffen. Das austretende Kerosin könnte das Flugzeug in Brand setzen.

In sozialen Medien wird der Absturz im Zusammenhang mit westlichen Sanktionen gegen Russland diskutiert

Um diese Gefahr auszuschalten, werden Triebwerke regelmäßig und eingehend gewartet und auf Haarrisse an Turbinenschaufeln untersucht. In sozialen Medien wird der Absturz auch im Zusammenhang mit westlichen Sanktionen gegen Russland diskutiert, weil nunmehr möglicherweise Komponenten fehlen.

Grundsätzlich gilt aber bei allen Flugzeugabstürzen, dass keine voreiligen Schlüsse gezogen, sondern die offiziellen Untersuchungen abgewartet werden sollten. Bei Unfällen von Militärflugzeugen werden sie aber meist nicht veröffentlicht.

Laut Unfalldatenbank Aviation Safety Network war das am Freitagmorgen Ortszeit abgestürzte Modell 34 Jahre alt. Zu der Wartung der Triebwerke ist nichts bekannt. Das erste Modell des großen russischen Militärtransporters Iljushin IL-76 hob 1971 zum Erstflug ab. Mittlerweile wurden bereits über 930 Exemplare in diversen Versionen gebaut.

Das Flugzeug mit einem maximalen Abfluggewicht von 190 Tonnen kann auch schwere Waffen transportieren und ist im Bereich Logistik das Rückgrat der russischen Luftwaffe. Der letzte folgenreiche Absturz einer Iljushin 76 war 2018 kurz nach dem Start auf einem algerischen Luftwaffenstützpunkt. Dabei starben alle 247 Menschen an Bord. Iljushin hat inzwischen eine modernisierte Version des Transporters entwickelt, von der ein erstes Modell 2015 ausgeliefert wurde.

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