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Sexueller Kindesmissbrauch: Neues Internetportal - 100 Opfer berichten

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 19.01.2022 Jens Witte

Sexueller Missbrauch von Kindern war lange ein Tabuthema – nun lassen sich Berichte von Opfern auf einem Onlineportal nachlesen. Eine Kommission will Betroffenen so eine Stimme geben und ihre Erfahrungen sichtbar machen.

© Gregor Fischer/ dpa

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs hat unter dem Titel »Geschichten, die zählen« ein neues Internetportal gestartet. 100 inzwischen erwachsene Menschen berichten, was ihnen als Kind angetan wurde. Die Schilderungen handeln von Gewalt, sexuellem Missbrauch in verschiedenen Formen, Vertrauensbrüchen und Hilflosigkeit.

Die Namen der Opfer aus der Bundesrepublik und teils auch der früheren DDR wurden geändert, nicht aber die Tatbestände: Übergriffe, Schläge und Vergewaltigungen vor allem durch Männer in Familien, Heimen, Sportvereinen, Schulen, Jugendorganisationen und Kirchengemeinden.

Die Täter waren überwiegend leibliche Väter, Stiefväter, Nachbarn, Erzieher, Betreuer, Sporttrainer und Pfarrer – die Opfer meist Mädchen und weibliche Jugendliche, aber auch Jungen, die Pädophilen ausgeliefert waren. Fast alle Opfer machten die Erfahrung, dass sie in der Familie und von den Institutionen allein gelassen wurden. Hilfe kam manchmal erst über spätere Beziehungen und Therapien.


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»Betroffenen eine Stimme geben«

Das Geschichten-Portal leiste als Gedächtnisort einen bedeutenden Beitrag für die gesellschaftliche Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, heißt es in einer Mitteilung der Kommission: »Darüber hinaus tragen die Geschichten dazu bei, für die Folgen sexueller Gewalt zu sensibilisieren, die Tabuisierung des Themas und die Stigmatisierung betroffener Menschen zu beenden.«

»Ich habe mich dafür entschieden, meinen Bericht zur Verfügung zu stellen, in der Hoffnung, dass ich durch meine Erfahrungen dazu beitragen kann, Kinder besser zu schützen«, schildert eine Betroffene der Mitteilung zufolge. »Und damit meine Vergangenheit einen Sinn bekommt, etwas Positives für andere bewirkt.«

»Wir wollen Betroffenen eine Stimme geben und ihre Geschichten sichtbar machen«, sagt Matthias Katsch, Mitglied der Kommission. Doch nicht jeder betroffene Mensch könne oder wolle über die sexuelle Gewalt in der Kindheit oder Jugend sprechen. Die biografischen Berichte und Erfahrungen auf dem Portal stünden daher stellvertretend für die vielen nicht erzählten Geschichten.

Die Berichte lassen sich filtern nach dem Umfeld der Taten, den Jahrzehnten von 1950 bis zur Gegenwart, Bundesrepublik und DDR sowie dem Geschlecht der Opfer. Die Kommission war 2016 von der Bundesregierung einberufen worden und veröffentlichte bereits mehrere Berichte. Bis heute meldeten sich fast 3000 Betroffene und Zeitzeugen.

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