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Sonderbarer Trend: Immer mehr Kuscheltiere gehen auf Weltreise – ohne ihre Besitzer

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 29.01.2019 Steffen Könau
Hallo Welt: Das Reisemaskottchen „Ach Goood“ des Krimi-Schriftstellers Ole Pankow in New York. © Pankow Hallo Welt: Das Reisemaskottchen „Ach Goood“ des Krimi-Schriftstellers Ole Pankow in New York.

Hamburg geht immer, hat Fridolin geschrieben, als er sich der Welt vorstellte. Die kleine Ente saß auf einem Sims hoch über den Landungsbrücken, der Schnabel rot, auf dem Bauch eine Weltkarte – die seitdem nach und nach erobert wurde.

Fridolin war in München und an der Nordsee, in Amsterdam und New York. Ein Weltreisender, der mächtig herumkommt, ohne jemals selbst auch nur einen Schritt zu gehen.

Denn Fridolin ist eine Plastikente und damit ein klassischer Vertreter einer neuen Art von Reisemaskottchen. Statt als Glücksbringer zu fungieren, dient die Ente wie unzählige andere Plüschbären, Stoffhühner, Gummiaffen und Häkelfrösche in sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Twitter als Stellvertreter für ihre Besitzer.

Ein sonderbares Phänomen, das Hunderttausende begeistert

Mit teilweise erstaunlichem Erfolg: Gelothebear, ein bebrillter Teddy, den der philippinische Reiseblogger Angelo Santos mit sich führt, bringt es auf 2.000 Gefolgsleute. Seinem Kollegen Noordinarytravelbuddy – zu deutsch „Kein normaler Reisepartner – folgen fast 4.000 Menschen nach Japan, Taiwan, Vietnam und Mexiko. Und Travelswithmycat hat sogar mehr als 5.000 Fans, die ihre Abenteuer in Chile, auf der Osterinsel, in Brasilien und Jordanien verfolgen.

Bert in Berlin © Teddy Tour Berlin Bert in Berlin

Ein sonderbares Phänomen, das bei Facebook und den Fotoportalen Flickr und Instagram Hunderttausende begeistert. Die beiden Travellingmonkeys Bimbino und Bambina, die Inga und Florian Fischer aus Köln vor vier Jahren zum ersten Mal auf eine Reise mitnahmen, haben ihre flauschigen Gesicher schon 3.000 Mal in die Kamera gehalten.

Egal, ob PigTheTraveler, ein reisendes Schwein, Lomoaroundtheworld, eine Art Sockenpuppe, oder Birdie, ein finnischer Redbird: So sehr die Eigentümer der eigentümlichen Touristen Spaß daran haben, sie vor exotischen Kulissen herzuzeigen, so begeistert scheint das Publikum, den „Travellingtoys“ beim Reisen über die Schultern schauen zu dürfen.

Krimi-Schriftsteller Ole Pankow aus Halle reist mit Plüschtier um die Welt

Shanna Robinson, die an der Universität in Sydney studiert, hat den Trend früh erkannt und versucht, ihn zu analysieren. Nach Befragungen von Mitgliedern einer Flickr-Fanseite für reiselustige Spielzeugfiguren ist sie sicher: „Bilder von Plüschtieren vor berühmten Wahrzeichen der Welt fügen das Vertraute und das Fremde zusammen, als ob es das Natürlichste der Welt wäre.“

Auch der aus Halle stammende Krimi-Schriftsteller Ole Pankow reist seit Jahren mit einem Plüschtier im Gepäck um die Welt. „Die Idee entstand, weil wir Urlaubsfotos ohne uns im Netz zeigen wollten, sie aber dennoch einzigartig sein sollten“, erklärt der Autor des Thrillers „Genquotient 8713“. Weil es von vielen Orten auf der Welt schon so viele Fotos gebe, dass sie sich kaum noch auf eine neue Weise abbilden ließen, so Pankow, „haben wir uns das Reise-Maskottchen ,Ach Goood’ zugelegt - mit drei O geschrieben.“

Der knollennasige Teddybär war in den USA und Abu Dhabi, in Schweden, Polen, Dänemark, Spanien, Portugal und auf Kreta, wie seine Facebook-Seite zeigt. Seine Reiseführer werden häufig angesprochen, wenn sie ihren Selfie-Star vor Sehenswürdigkeiten drapieren. „Witzig ist, dass alle Amerikaner in ihm sofort einen Teddybären erkennen“, sagt Ole Pankow. „Deutsche dagegen fragen alle: Was ist das?“

Man kann Stofftiere allein auf Reisen schicken

Eine Frage, die auch die Japanerin Sonoe Azuma kennt, seit sie ihre Reiseagentur Unagi Travel eröffnet hat - weltweit das erste Reisebüro für Kuscheltiere. Die Idee dahinter: Wer nicht selbst reisen und sein „Stuffed Animal“ mitnehmen kann, für den übernimmt Unagi Travel den Job. „Sie senden ihr Kuscheltier an uns, wir machen an einem schönen Tag eine Tour und zeigen Bilder und Videos auf Twitter und Facebook.“ Nach zwei bis drei Wochen kommt der knuffige Liebling einfach per Post wieder nach Hause. Eine Stadttour durch Tokio kostet zwischen 48 und 57 Dollar.

Gebraucht wird er nicht, aber ein Plüschtier mit eigenem Reisepass ist auch nicht schlechter dran. Auf ihrer Internetseite omanimali.net bietet Stefanie Tuschen deshalb seit vier Jahren Reisepässe für Plüschtiere an, die in ihrer Anmutung wirken wie echte staatliche Dokumente.

„Zusammen mit ihrem Lieblingskuscheltier können Kinder damit im Urlaub originelle Stempel sammeln – vom klassischen Einreisestempel an der Grenze bis zum Eisbärenstempel im Tierpark“, beschreibt die Münchnerin ihre Idee, die sich leicht mit der von Sonoe Azuma kombinieren ließe: Weltreisen für alle. Ganz ohne Menschen. Aber mit Beglaubigungsstempel.

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