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Terrorgruppe: Egal, ob euch das passt

Swyrl.tv-Logo Swyrl.tv 22.06.2020 Christopher Schmitt
So schlicht wie das Cover sind die Texte der Berliner Punk-Kombo nur in manchen Fällen, provokativ sind sie hingegen fast ausnahmslos. © Aggropop / Terrorgruppe So schlicht wie das Cover sind die Texte der Berliner Punk-Kombo nur in manchen Fällen, provokativ sind sie hingegen fast ausnahmslos.

Ein vermeintlich letztes Mal werfen sich die Punk-Veteranen der Terrorgruppe in den Kampf gegen alles und jeden. Und sie beweisen, dass sich Hoffnungslosigkeit und Aufmüpfigkeit nicht widersprechen müssen.

Die Ankündigung zum angeblich letzten, durch und durch kontroversen Album "Jenseits von Gut und Böse" der fünfköpfigen Deutschpunk-Kombo Terrorgruppe zeigt auf, in welchem Dilemma betagte Punkrocker heute stecken: Es sei kaum noch möglich, über "alte dumme hässliche weiße Männer zu singen, ohne dabei ständig an uns selber denken zu müssen". Aber einmal geht noch, und das bereits in den 90-ern selbst zugewiesene Genre "Aggropop" trifft auch 2020 noch den Kern der Sache. So polarisierend die Texte, so eingängig sind viele Gitarrenmelodien, und live - sobald wieder möglich - werden auch diese Lieder wieder zum Pogo-Tanzen und Bier-Verschütten animieren.

Die Terrorgruppe wurde - in anderer Besetzung - bereits 1993 gegründet, zelebriert aber auch heute noch die Punk-Attitüde. Die Gründungsmitglieder Archi Alert und Johnny Bottrop sowie Kid Katze, Eros Razorblade und Zip Schlitzer (von links) sorgen auch mit ihrem achten und vermeintlich letzten Album "Jenseits von Gut und Böse" für Kontroversen. © Philipp Virus Die Terrorgruppe wurde - in anderer Besetzung - bereits 1993 gegründet, zelebriert aber auch heute noch die Punk-Attitüde. Die Gründungsmitglieder Archi Alert und Johnny Bottrop sowie Kid Katze, Eros Razorblade und Zip Schlitzer (von links) sorgen auch mit ihrem achten und vermeintlich letzten Album "Jenseits von Gut und Böse" für Kontroversen.

Dass den Berlinern im wahrsten Sinne des Wortes nichts heilig ist, beweist schon der Song mit dem vielsagenden Titel "Sinnlose Beleidigungsstrategie gegen Fabelwesen": "Zuallererst muss Jesus Christus abgetrieben werden", wird direkt klargestellt. Buddha sehe aus wie Jabba the Hutt, und auch sonst kriegen zahlreiche Gottheiten ihr Fett weg. Eine Minute und 42 Sekunden Blasphemie in Reinform. Die wiederholte Zeile "Egal, ob euch das passt" ist nicht nur für diesen Song sinnstiftend, sondern für das gesamte Album.

Denn wie gewohnt sagt die Terrorgruppe der Gesellschaft und all ihren Werten den Kampf an. Der eigene unangepasste Lifestyle wird gleich in mehreren Songs thematisiert, unter anderem in "Fettes betrunkenes dummes Schwein". Grundtenor: Wir werden uns nicht ändern, und dagegen kann niemand etwas unternehmen. Die Political Correctness wird dabei natürlich konsequent links liegen gelassen. Und so teilen die Punk-Legenden fröhlich weiter aus, mal mit ordentlich Nachdruck, meistens humorvoll verpackt. So wird beispielsweise auch die verrückte Ex-Freundin "Alexandra" im gleichnamigen, durchaus grenzwertigen Track abgefrühstückt.

Abgang mit Krawall

Meistens richtet sich die Wut jedoch auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Die arbeitswütige Ellenbogengesellschaft wird im metaphorischen Song "Lastwagenfahrer" aufs Korn genommen - man selbst bleibt lieber Geisterfahrer. Bevorzugt legt die Terrorgruppe den Finger dort in die Wunde, wo sich andere längst mit Ungerechtigkeit arrangiert haben. "Im Wasser der Inder und im Frühstück vom Günther" sei nun einmal Nestlé drin, und während man über Krisenländer fliegt, ist das plärrende Baby das größte Problem im "Easy Jet".

Manchmal ist das alles etwas zu einfach, manchmal aber durchaus auch hintergründig, und stets herrscht große Ohrwurm-Gefahr. Das schlägt sich zum Beispiel im Track "Männers" nieder, in dem alle Klischees vermeintlicher Männlichkeit genüsslich in ihre Einzelteile zerlegt werden. Zudem hinterfragt die Terrorgruppe, warum alte Menschen noch in Parlamenten sitzen, wenn sie sowieso bald abtreten. Selbst möchte man den Absprung ja auch nicht verpassen, wenngleich das offizielle Ende der Band bislang nur angedeutet wurde. Aber davor spuckt man der Welt noch einmal ordentlich vor die Füße.

Terrorgruppe - Lastwagenfahrer

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