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Trip in den USA wegen Corona abgebrochen: Ausstieg nach 800 Kilometern

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 15.04.2020 Claus Boelen-Theile
In Quarantäne im häuslichen Garten, statt unterwegs in Amerika: Niels Rabe. © Arlinghaus In Quarantäne im häuslichen Garten, statt unterwegs in Amerika: Niels Rabe.

Niels Rabe ist zurück. Wegen der Corona-Pandemie hat der 36-Jährige seinen Nonstop-Marsch auf dem 11 000 Kilometer langen „Great Western Loop“ in den USA nach 25 Tagen und etwa 800 Kilometern unterbrechen müssen. Mit dem bergischen Ultra-Marschierer („Hiker“) sprach Claus Boelen-Theile.

Was hat den Ausschlag gegeben, nach Deutschland zurückzukehren?

Rabe: Die Gesamtsituation. Im Bundesstaat Arizona, wo ich zuletzt unterwegs war, gibt es überall Ausgangssperren. Viele Läden sind geschlossen. Für mich war die Versorgung nicht mehr gewährleistet, ich hätte auch keine Ersatzausrüstung kaufen können. Zum Teil sind auch die Nationalparks bereits geschlossen, Es ist Hikern verboten, weiterzugehen. Der Abbruch war alternativlos.

Wo sind Sie ausgestiegen?

In Safford, einem 3000-Einwohner-Ort. Danach kommen immer weniger Orte, das hätte die Rückkehr erschwert. Safford war die letzte Option.

Wie sind Sie nach Deutschland gelangt?

Mit dem Greyhound-Bus bis Phoenix. Dann mit dem Flugzeug über Atlanta und Frankfurt. Das war problemlos, das Flugzeug war voll, der Flughafen leer. Und jetzt bin ich den nächste Tagen in häuslicher Quarantäne.

Wie haben Sie die Situation in den USA erlebt?

Überall wird geschaut, dass Abstand gehalten wird, die Geschäfte arbeiten mit Markierungen. In den Restaurants gibt es nur noch Essen zum Mitnehmen, wenn überhaupt. Viele Supermärkte sind leergekauft.

Sind die geschlossenen Geschäfte ein Problem?

Ja, etwa alle 800 Kilometer brauche ich neue Schuhe. In der Wildnis verschleißen auch Rucksack und Zelt. Oft geht die Strecke durch Dornen, das merkt man. Ich schlafe meist in der Wildnis.

Haben Sie keine Angst?

Klapperschlangen hört man ja vorher. Als ich gerade dabei war, mit meiner Mutter zu telefonieren, habe ich eine gesehen. Pumas und Bären gibt es auch, die sind kein Problem.

Wie ist die Stimmung gegenüber den Hikern?

Sonst ist sie immer sehr freundlich, die Trails gehören zur Kultur. Diesmal war es schwierig, Corona bewegt alle. Alle großen Vereinigungen haben aufgerufen, die Trails zu verlassen. Oft gibt es auf den Strecken Getränkestellen, wo die Einheimischen Wasserflaschen für die Wanderer deponieren. Das wird dann im Internet kommuniziert. Wenn ich jetzt da hingekommen bin, war alles von Rangern ausgekippt. Es gibt die Sorge, dass sich Viren an der Wasseroberfläche halten. Wenn ich mit Wasser rechne und es ist nichts da, ist das problematisch. Ansonsten versuche ich, Wasser aus den Bächen zu trinken.

Was können Sie zu den Parkrangern sagen?

Auch die Ranger müssen sich um die Corona-Krise kümmern. Es gibt keine Kapazitäten, um einen Hiker aus unwegsamen Gelände zu bergen. Dafür habe ich natürlich Verständnis.

Hiker lassen sich Ausrüstung auch zu Poststationen vorausschicken?

Ja, das habe ich auch geplant gehabt. Ich weiß aber nicht, ob die Poststationen wegen der Corona-Krise noch offen sind. Es gibt auch Hike-Engel, Leute, zu denen man Pakete mit Ausrüstung vorausschicken kann. Aber wegen Corona ist die Bereitschaft zur Hilfe dafür aktuell nicht sehr groß.

Wie geht es jetzt bei Ihnen weiter?

Ich warte die nächsten drei bis vier Wochen, vielleicht wird es ja besser. Lässt es die Situation zu, fliege ich zurück und mache am Ausstiegsort weiter. Obwohl es aktuell nicht danach aussieht. Was im nächsten Jahr sein wird, weiß ich nicht. Diese Strecke zu schaffen, ist mein Lebenstraum. Dafür habe ich meinen Job als Unternehmensberater gekündigt.

Wie ist Ihr Zeitplan?

Der Loop führt im Osten durch die Rocky Mountains und im Westen durch die Sierra Nevada. Dazwischen liegen 6000 Kilometer. Um den Loop nonstop zu schaffen, muss diese Strecke zwischen Mai und September gehiked werden. Das ist brutal hart. Wenn ich zu spät die Rockys erreiche, komme ich in den Schnee. Dann geht es nicht weiter. Falls ich nicht in einigen Wochen weitermache, wird es in diesem Jahr nichts mehr mit dem Hike. Jeder Tag zählt für mich.

Sie wollten die Strecke tatsächlich an einem Stück schaffen?

Ja, das haben vor mir erst zwei Menschen überhaupt geschafft. Vielleicht hänge ich das Anfangsstück am Ende wieder dran. Im November hatte ich ursprünglich das Ziel am Grand Canyon erreichen wollen.

Was ist Ihr Antrieb für diese Aktion?

Das sind die Grenzerfahrungen, die Kontrolle über sich in Ausnahmesituationen behalten. Unterwegs zu sein, ist das pure Leben und die absolute Freiheit. Das kann mit Worten nicht beschreiben, das muss man erlebt haben. Den Traum, diese Strecke zu schaffen, kann ich nicht aufgeben. Dafür ist das alles zu genial.

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