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Uganda: Imam heiratet versehentlich einen Mann – und steht deswegen nun vor Gericht

stern-Logo stern 19.01.2020 rw
Anti-LGBTQI-Proteste in Ugandas Hauptstadt Kampala im August 2014 © AFP/Isaac Kasamani Anti-LGBTQI-Proteste in Ugandas Hauptstadt Kampala im August 2014

Im ostafrikanischen Uganda hat ein Imam eine junge Frau geheiratet – dachte er. Seine Braut entpuppte sich später als Mann. Beide wurden vor Gericht angeklagt. Der Imam wurde in sozialen Medien mit Häme und auch Hass überschüttet.

Ein islamischer Imam aus dem ostafrikanischen Uganda dachte, er würde eine Frau heiraten. Stattdessen war es ein Mann. Diese Tatsache kam erst zwei Wochen später heraus und hat nun Konsequenzen – für beide, wie unter anderem örtliche Medien und die Nachrichtenagentur AP berichten.

Vor wenigen Wochen heirateten die beiden nach islamischen Bräuchen. Soweit so gut. Doch die falsche Braut hätte sich im gemeinsamen Schlafzimmer nicht ausziehen wollen und den Geschlechtsverkehr verweigert, was sie mit ihrer Periode begründet habe, berichtet die ugandische Zeitung "Daily Exclusives". Der Mann – der zuvor nicht mit seiner "Braut" geschlafen hatte – harrte der Dinge.

Ehemann schockiert über falsche "Frau"

Doch dann flog alles auf. Die Nachbarin des Paares behauptete, dass die angebliche Frau des Imams ihren Fernseher und Kleidung von ihnen gestohlen habe. Die Polizei wurde verständigt und als diese die vermeintliche Braut untersucht habe, habe man festgestellt, dass die Frau des Imams eigentlich ein Mann war, so "Daily Exclusives" weiter. Diese Erkenntnis sei dann dem Ehemann mitgeteilt worden, der darüber schockiert gewesen sei.

Ein Ermittler gab laut der Zeitung an, dass der Mann sich als Frau ausgegeben habe, um an das Geld des Imams heranzukommen.  

Der geprellte Imam sagte laut "Daily Exclusives": "Ich suchte nach einer Frau zum Heiraten und als ich auf ein schönes Mädchen mit einem Hijab (langes Gewand, welches die Haare bedeckt) traf, bat ich sie um Liebe und sie akzeptierte. Wir haben uns verliebt, aber sie hat mir gesagt, wir könnten keinen Sex haben, bis ich Mitgift an ihre Eltern bezahlt habe und auch das Ehegelübde austausche.“

Imam und falscher Braut drohen rechtliche Konsequenzen

Die falsche Braut wurde wenige Tage später vor ein Gericht gestellt und wegen Diebstahls und einer "unnatürlichen Straftat" angeklagt, berichtet die Zeitung "Daily Monitor" aus Uganda. Bis zu einer weiteren Anhörung wurde er in ein Gefängnis gebracht, so die Zeitung. Vor Gericht soll er gesagt haben: "Es ist wahr, dass ich etwas falsch gemacht habe und ich bereue es, aber mein aktueller Zustand hat mich dazu gezwungen." Er sei unter sehr harten Bedingungen aufgewachsen, so der Angeklagte. Laut "Daily Monitor" soll er noch weitere Männer betrogen haben.  

Auch die Tante des Beschuldigten wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls verhaftet, so die Zeitung. Sie habe will demnach nicht gewusst haben, dass ihre Nichte eigentlich ein Neffe war.

Doch nicht nur für die vermeintliche Braut und die Tante, auch für den Imam hat der Fall Konsequenzen. Er wurde nicht nur von seiner Arbeit als Geistlicher befreit, sondern auch vor Gericht gestellt, so "Daily Monitor" – wegen Geschlechtsverkehrs mit einem Menschen "gegen die Ordnung der Natur", was homosexuellem Geschlechtsverkehr entspricht – eine Straftat in Uganda. In sozialen Medien wurde der Imam verspottet, angefeindet und als Homosexueller verdächtigt, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

Uganda hat harte Gesetze gegen LGBTQI

In Uganda wird von staatlicher Seite gegen LGBTQI-Aktivisten (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuelle, queer, intersexuell) vorgegangen, so Human Rights Watch. Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind illegal. In den letzten Jahren wurde immer wieder versucht, Homosexualität im Land härter zu bestrafen, sogar mit dem Tod. Laut Human Rights Watch gibt es 32 afrikanische Länder, in denen Homosexualität unter Strafe steht. Viele der Gesetze seien Überbleibsel aus der Kolonialzeit.

Ein Aktivist für die Rechte Homosexueller in Uganda sagte AP, dass der aktuelle Fall die Intoleranz in dem 43-Millionen-Einwohner-Land unterstreiche und bewiesen habe, "wie homophob das Land ist" und fügte hinzu: "Der Imam könnte Recht haben, wenn er sagt, er habe es nicht gewusst (…) Ugander sollten die Privatsphäre der Menschen respektieren. Sie sind nicht unbedingt Homosexuelle."

Quellen: Nachrichtenagentur AP, "Daily Exclusives", "Daily Monitor"

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