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Vorwürfe gegen Klinik in Erftstadt: Schwangere Assistenzärztin mit Corona infiziert

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 30.01.2021 Patrik Reinartz, Udo Beißel
Eine Luftaufnahme des Marien-Hospitals in Erftstadt. © Udo Beissel Eine Luftaufnahme des Marien-Hospitals in Erftstadt.

Eine Assistenzärztin aus dem Marien-Hospital in Erftstadt erhebt massive Vorwürfe gegen die Klinikleitung. Die 29 Jahre alte Ärztin, die seit elf Monaten dort arbeitet, wirft den Verantwortlichen vor, sie auf der Covid-Station eingeplant zu haben, obwohl sie schwanger ist. Ihr Anwalt, Professor Dr. Rolf Bietmann: „Der Einsatz der schwangeren Mitarbeiterin auf der Covid-Station des Klinikums erweist sich als schwerwiegende Verletzung des Mutterschutzgesetzes.“

Kurz vor Weihnachten hatte die Ärztin die Klinikleitung über ihre Schwangerschaft informiert und darum gebeten, dort eingesetzt zu werden, wo keine Corona-Patienten behandelt werden. Laut Bietmann wurde sie dennoch der Notaufnahme zugeteilt. „Dort besteht jederzeit die Möglichkeit, mit Covid-19-Patienten in Kontakt zu kommen. Es kam wie es kommen musste, am 23. Dezember wurde meine Mandantin bei einem Schnelltestverfahren positiv getestet“, so der Anwalt.

Vier Wochen auf der Covid-Station

Nach der Quarantäne soll die Ärztin dann für vier Wochen auf der Covid-Station eingeteilt worden sein, so der Vorwurf. Eine Fachärztin für Arbeitsmedizin soll der jungen Assistenzärztin bescheinigt haben,  dass die Arbeit am Patienten auch unter strenger Einhaltung der Hygienemaßnahmen nicht vertretbar sei.

Das Arbeitsverhältnis schien für die Verantwortlichen nicht mehr tragbar zu sein. Die  Klinikleitung bot der  29-Jährigen zum 31. Januar einen Auflösungsvertrag an.   „Dies alles geschah in Kenntnis der Schwangerschaft unserer Mandantin und in Kenntnis des sich aus dem Mutterschutzgesetz ergebenden Kündigungsverbots für Schwangere“, so Bietmann weiter. Der Jurist fordert den Chefarzt in einem Schreiben auf, der Frau eine Weiterbeschäftigung anzubieten und sie nicht mehr auf der Covid-Station einzusetzen.

„Hochgradiger Verdacht“ auf Infektion im privaten Umfeld

Das Krankenhaus dementiert die Vorwürfe. Der Einsatz in der Notaufnahme sei mitnichten ein Einsatz mit Covid-Infizierten, da alle Patienten  vor der Aufnahme getestet würden. Auch sei nie vorgesehen gewesen, die Assistenzärztin ausschließlich für Covid-Patienten  einzusetzen, stellt die Klinik klar.  Auf besagter Station arbeiten mehrere Ärzte, von denen nur einer den Covid-Bereich betreut.  Die junge Ärztin hätte sich dort um andere Patienten kümmern sollen.

Wegen der Latenzzeit besteht aus Sicht des Krankenhauses der „hochgradige Verdacht“, dass die Frau sich schon vor dem Einsatz in der Notaufnahme im privaten Umfeld mit Covid infiziert hat.

„Erhebliche Überlastung der Mitarbeiterin“

Den Vorwurf, gegen das Kündigungsverbot für Schwangere verstoßen zu haben, weißt die Krankenhausleitung massiv zurück, da man ihr keine Kündigung erteilt, sondern den Vorschlag unterbreitet habe, den Arbeitsvertrag aufzulösen.

Die 29-Jährige hat nach Angaben des Krankenhauses nach Ende ihrer Probezeit im August 56 Krankheitstage angesammelt. Die Klinikleitung führt das auf „eine erhebliche Überlastung der Mitarbeiterin“ zurück. Schon aus Fürsorge habe man der jungen Frau anraten müssen, sich eine weniger belastende Arbeitsstelle zu suchen.  Von einer vorsätzlichen Verletzung des Mutterschutzes könne keine Rede sein, so das Krankenhaus weiter. Jetzt werden sich die Juristen um den Fall weiter kümmern.

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