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Was treibt die Leute zum BER?: Trekking in Schönefeld und die Sehnsucht im Lockdown

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 28.01.2021 Joana Nietfeld

Trotz der Pandemie gibt es weiterhin Menschen, die mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen. Wie ist aktuell die Lage am BER? Ein Besuch.

Die Terminhalle vom BER wirkt ausgestorben. Mehr Flughafenmitarbeiter als Passagiere sind vor Ort. © Foto: Michael Kappeler/dpa Die Terminhalle vom BER wirkt ausgestorben. Mehr Flughafenmitarbeiter als Passagiere sind vor Ort.

Abflughallen sind eigentlich hektische Orte: Elektronische Frauenstimmen geben Auskünfte zu verspäteten Fliegern, Kinder klettern durch die Absperrbänder und Geschäftsreisende suchen laut telefonierend die Sicherheitskontrolle. Doch der Flughafen Berlin-Brandenburg Willy Brandt (BER) wirkt am Mittwochmittag wie ausgestorben: keine Schlangen, keine Lautsprecheransagen, keine Aufbruchsstimmung, keine Urlaubsvorfreude.

Zwei Frauen in Wanderschuhen und kleinen Trekkingrucksäcken durchqueren die Halle. Verreisen wollen sie nicht. „Doch nicht jetzt, mitten in der Pandemie“, sagt eine von ihnen. Sie wollten nur mal kurz den neuen Flughafen besichtigen und dann weiter nach Genshagen und dort im Schlosspark spazieren gehen.

Auf den gebohnerten Steinfliesen spiegeln sich mehr Silhouetten von Flughafenmitarbeitern als Passagieren. In kleinen Grüppchen steht das Personal um die verlassenen Counter und unterhält sich. Ein Mann in gelber Warnweste berichtet, dass es seit Anfang der Woche besonders leer sei. Er deutet auf die digitale Fluganzeige.

Für den Nachmittag und Abend sind zwölf weitere Abflüge angekündigt. Insgesamt 27 Maschinen sollen über den Tag verteilt am BER landen. Der Pressestelle zufolge wurden in den ersten Januarwochen täglich rund 7500 Passagiere abgefertigt. Vor einem Jahr waren es an den alten Flughäfen Tegel und Schönefeld noch zehnmal so viele.


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120 Passagiere nach Frankfurt - fast alle mit Anschluss in den Urlaub?

Ganz hinten im Terminal 1 sitzt Jasmin Mansouri neben einem riesigen Rollkoffer und schaut auf ihr Handy. Sie fliegt in den Iran, will ihre Familie besuchen. Seit zwei Jahren haben sie sich nicht mehr gesehen. Jetzt hat sich in Mansouris Studium eine kleine Lücke aufgetan. Die will sie für das Wiedersehen nutzen. Wenn es in einem Monat keine Rückflüge mehr gäbe, wäre das eine Katastrophe.

Etwas weiter sitzt ein Mann, der nach Südkorea fliegt, um dort seinen Militärdienst zu leisten. Eine Frau ist auf dem Rückweg nach Polen. In Deutschland hat sie ihren Freund besucht. Andere berichten, eine Geschäftsreise vor oder hinter sich zu haben.

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Der Mitarbeiter an der Sicherheitskontrolle bezweifelt aber, dass wirklich so wenige Touristen unterwegs sind. „Heute Morgen hatten wir eine fast vollständig ausgebuchte Maschine nach Frankfurt. Da saßen 120 Passagiere drin, die fast alle irgendeinen Anschlussflug in ein Urlaubsgebiet hatten.“

Kurze Zeit später düst ein kleiner Junge auf einem Laufrad an ihm vorbei. Die Mutter läuft mit vier weiteren Kindern im Schlepp hinterher. „Die Kinder drehen zu Hause durch, vor Langeweile“, sagt sie. „Wir müssen einfach mal raus.“ Sie planen einen Hotelaufenthalt in Antalya. „In der Türkei sind weniger Menschen infiziert, und wir werden Masken tragen und die Hände waschen, genau wie hier.“

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