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Wie China illegal die Weltmeere leer fischt

dw.com-Logo dw.com 03.12.2020 Jan D. Walter

Die Galapagos-Inseln beherbergen eine einzigartige Natur. Um sie herum operieren riesige Fangflotten aus China und Ecuador an der Grenze des Erlaubten. Es ist nur ein Beispiel für das globale Problem illegale Fischerei.

Provided by Deutsche Welle © picture-alliance/blickwinkel/A. Maywald Provided by Deutsche Welle

In diesem Jahr soll sie 300 Schiffe umfassen: die chinesische Fischfangflotte, die den gesamten Pazifik überquert hat, um nahe der Galapagos-Inseln ihre Laderäume zu füllen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin The Observers des französischen Auslandsfernsehens France24.

Die Galapagos-Inseln liegen rund 550 Seemeilen, gut 1000 Kilometer, vor der Küste Südamerikas und gehören zu Ecuador. Sie gelten als eines der wenigen unberührten Gebiete der Erde mit einer einzigartigen Flora und Fauna. Deshalb gehören sie zum Weltnaturerbe der UNESCO und stehen größtenteils unter strengem Naturschutz - die umliegenden Gewässer eingeschlossen.

Doch seit einigen Jahren kommen immer wieder Fischfangflotten aus China, um die überaus reichen Fischgründe dort zu "bewirtschaften".

An der Grenze zur Illegalität

Die chinesischen Fischer sind offenbar tunlichst darauf bedacht, das Gesetz zu befolgen und halten stets 200 Seemeilen Abstand zu den Inseln. So dringen sie weder in die Ausschließliche Wirtschaftszone Ecuadors noch in das Naturreservat ein. Entdeckt haben Bewohner der Insel die Flotte dieses Mal laut The Observers, weil Müll mit chinesischer Schrift, den die Seeleute offenbar einfach über Bord geworfen hatten, an den Inseln angespült wurden.

Bedrohte Arten als Delikatesse? Illegaler Fischfang an Bord eines chinesischen Trawlers (Archivfoto) © picture-alliance/AP Photo/Galapagos National Park Bedrohte Arten als Delikatesse? Illegaler Fischfang an Bord eines chinesischen Trawlers (Archivfoto)

Doch auch Fischerei außerhalb der geschützten Meeresgebiete gefährdet die Bestände. Zumal es Methoden gibt, ganze Fischschwärme, zum Beispiel Thunfisch, anzulocken. Die Fischer, berichtet das US-Magazin The Economist, platzierten die Köder so geschickt in der Strömung, dass sie die Fische aus dem Naturschutzgebiet herauslocken. Auch Haie, deren Flossenspitzen in Ostasien als Delikatesse gelten, ließen sich so ködern.

China führt an, die Bestände seien groß und unberührt genug, dass die Fischerei kein Problem darstelle. Das sieht Philipp Kanstinger vom WWF Deutschland ganz anders: "China muss das behaupten, um zu rechtfertigen, warum die Flotten überhaupt den ganzen Pazifik überqueren." Laut einer US-Studie in der Zeitschrift Sciences Advances ist das nämlich überhaupt nicht wirtschaftlich.


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Zudem, sagt Kanstinger, gebe es keine verlässliche Datenbasis: "Diese Schiffe haben es in großem Maße auf den Humboldt-Kalmar abgesehen. Aber dessen Bestände sind bisher kaum dokumentiert. Eine Einschätzung über nachhaltige Quoten ist also gar nicht möglich."

IUU-Fischfang: ein globales Problem

Umweltschützer und Politiker sprechen in diesem Zusammenhang ganz allgemein von illegalem, unreguliertem und undokumentiertem Fischfang, kurz: IUU-Fischerei. "Die IUU-Fischerei hat viele Gesichter", erklärt Kanstinger. "In Europa beispielsweise werfen Fischer unerwünschten Beifang tot über Bord, dabei müssten sie ihn laut geltenden Gesetzen anlanden und dokumentieren."

Das Problem dabei: Die jährlich festgelegten Fangquoten basieren nicht auf ständigen Zählungen, sondern auf den Fangdaten der zurückliegenden Jahre. Und dabei kann auch, oder gerade, entscheidend sein, wie viel unprofitabler Jungfisch getötet wurde.

Die viel größeren Probleme mit IUU-Fischerei finden sich aber woanders: "Vor der afrikanischen Küste ist die Situation katastrophal", sagt Kanstinger. Die Küstenwachen dort hätten keine Kapazitäten, Fischerboote effektiv zu kontrollieren. Europäische Schiffe müssen zwar mittlerweile GPS-Systeme mit sich führen und transparenter arbeiten. Auch dadurch, meint Kanstinger, sei ihre Präsenz vor Afrika zurückgegangen. Stattdessen aber würden die Chinesen auch hier das Geschäft übernehmen.

Blaufußtölpel beim Balztanz: Auf den Galapagos-Inseln hat sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt © picture-alliance/Arco Images Blaufußtölpel beim Balztanz: Auf den Galapagos-Inseln hat sich eine einzigartige Flora und Fauna entwickelt

Beim WWF geht man davon aus, dass jährlich weltweit bis zu 26 Millionen Tonnen IUU-Fisch im Wert von 8,6 bis 19,8 Milliarden Euro gefangen wird.

Ecuador ein williger Komplize?

Auch Ecuador und seine Fischer geben ausländischen Fischfangflotten die Schuld. Doch nach Recherchen von The Economist wildern ecuadorianische Fischerboote ebenfalls in verschiedenen Naturschutzgebieten - nicht nur in dem der Galapagos-Inseln.

Die Fangmethoden in Ecuador sind auch der Europäischen Union ein Dorn im Auge. Im Oktober 2019 zeigte der damalige EU-Fischereikommissar Karmenu Vella Ecuador die gelbe Karte: Wenn das Land nicht konsequenter gegen IUU-Fischerei vorgehe, werde man die Handelsbeziehungen aussetzen.

Das wäre ein harter Schlag für das südamerikanische Land: Mehr als die Hälfte der ecuadorianischen Thunfisch-Exporte gehen in die EU. Mit China aber kann es sich das Land erst recht nicht verscherzen. Denn wie viele lateinamerikanische Länder ist es extrem abhängig von dem asiatischen Giganten: Er ist der größte Abnehmer ecuadorianischen Erdöls und einer der größten Gläubiger des Landes.

Aber vielleicht muss sich Quito auch nicht zwischen Peking und Brüssel entscheiden. EU-Fischereikommissar Vella zumindest zeigte sich partnerschaftlich: "Wir sind bereit, eng mit Ecuador zusammenzuarbeiten, um die identifizierten Probleme anzugehen und den Fischerei-Standards anzuheben."

Autor: Jan D. Walter

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