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Wunderkind aus Köln-Braunsfeld: Lia Henze ist acht und Buchautorin

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 07.10.2020 Susanne Esch
Lia Henze (8) hat ihr erstes Buch geschrieben. © Esch Lia Henze (8) hat ihr erstes Buch geschrieben.

Den Helden ihres ersten Buches entdeckte Lia Henze auf einem Bauernhof, da war sie sieben Jahre alt: ein frisch geschlüpftes Küken. „Das sah richtig süß aus“, erinnert sie sich. Und weil sie so gerne Geschichten schreibt, drehten sie sich fortan um das kleine niedliche Wesen, das sie „Birdie“ nannte, inspiriert von ihrer amerikanischen Babysitterin, die ihr das Wort „Bird“ für Vogel beigebracht hatte. Mittlerweile ist Lia acht Jahre alt und ihr erstes selbst geschriebenes und mit eigenen Zeichnungen bebildertes Buch liegt vor ihr auf dem Tisch.

Inspiriert von Hakenkreuzen in Braunsfeld

„Birdies Abenteuer“ hat zwölf Kapitel, in denen der kleine gelbflauschige Held so einiges erlebt, was auch im Leben seiner Autorin eine große Rolle spielt: „Das wichtigste Kapitel, ist Kapitel elf“, sagt Lia. Das in Berlin geborene Mädchen, das erst vor einem Jahr aus der Hauptstadt nach Braunsfeld zog, weiß bereits mit welcher Zahl man in Köln einen Höhepunkt markiert: Im elften Kapitel widerfährt Birdie das, was seine Schöpferin auch erlebt hat: Am Hühnerstall auf dem Bauernhof findet er „Schlangenkreuze“ – so wie Lia in Braunsfeld Anfang des Jahres Hakenkreuzschmierereien entdeckte. Mit ihren Mitschülern überlegte sie was sie dagegen tun können, dass Menschen wieder öffentlich Symbole zeigen, die für Hass stehen. „Ich habe vorgeschlagen, dass wir eine Menschenkette machen“, schildert sie. Ihre Lehrerin fand die Idee gut. Die Kinder bastelten Plakate und veranstalteten mit Kindern anderer Schulen und anderen Braunsfeldern eine Demo – wie es Birdie in ihrem Buch auf dem Bauernhof tut.

Lia Henze 001 © Esch Lia Henze 001

Auch viele Dinge, die Kinder schön finden, erlebt der kleine Vogel: So feiert Birdie Geburtstag und Weihnachten. Auf dem Wunschzettel ganz oben steht „eine kleine Schwester“ – so wie Lia sie sich wünschte, als sie das Buch schrieb, denn sie hat nur zwei große Geschwister, die schon studieren und nicht mehr zuhause wohnen. Mittlerweile ist das Geschwisterkind allerdings nicht mehr oberste Priorität auf der Wunschliste, sondern etwas ganz anderes: „Ich wünsche mir, dass Corona zickizacki vorbei ist“, betont sie.

Etwas sehr Spannendes erlebt Birdie auch im letzten Buchkapitel. Er trifft den Alien 714LSH. „Wenn man pfiffig ist, kann man in seinem Namen meinen entdecken“, verrät Lia. „Die 7 ist ein umgedrehtes L, aus der 1, kann man leicht ein I machen und wenn man einen Strich an der Vier verlängert, ist es ein A.“ Außerdem steht LSH für ihren kompletten Namen Lia Shirin Henze.

Seitdem Lia denken kann, interessiert sie sich für Buchstaben. Schon mit vier Jahren lernte sie lesen und schrieb erste Geschichten – an einem I-Pad, auf dem sie ein paar Buchstaben tippte – und indem sie sich aus den Worten, die der Computer dann automatisch vorschlug, einige aussuchte.

Neues Buch Sherlock Wolf

Zwischendurch half Papa Arnd aus. Es entstanden lustige Kurzgeschichten mit diversen Helden, einem Igel, einem Hasen, einem Fuchs, einem Eichhörnchen und einem Elefanten. „Das war alles ziemlich tierisch“, freut sich Lisa.

Als der Vater, der Journalist ist, selbst ein Buch schrieb, war Lias Ehrgeiz geweckt. „Ich wollte selbst eine richtige gebundene Geschichte schreiben, nicht nur auf lose Zettel.“ Dabei wurde sie von ihren Eltern unterstützt, die sie selbst als Buch verlegen ließen. Mittlerweile liegt es in den Braunsfelder Buchläden. Für den Verkaufserlös hat Lia bereits einen Verwendungszweck: Er wird an die Organisation Seawatch gespendet.

Die Autorin hat einen guten Grund dafür: „Ob hier genug Platz für die Menschen ist, ist nicht so wichtig“, sagt sie. „Wichtig ist, dass man sie erst einmal rettet.“ Dazu möchte sie etwas beisteuern. Vater Arnd Henze freut sich über das Engagement: Das Buch ist ein wahnsinniges Erfolgserlebnis für Lia. Das wünsche ich wirklich allen Kindern“, kommentiert er. Am nächsten Erfolg wird jedenfalls schon einmal Lias Freundin Carla teilhaben. Mit ihr schreibt sie derzeit eine Detektivgeschichte mit dem Titel Sherlock Wolf. Sie dreht sich um eine Gruppe von Freunden, die sich die „Die Wölfe“ nennen,und die mindestens genauso viele Abenteuer erleben werden wie Birdie.

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