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„Einstiegsdroge in Rechtsextremismus“: Ausländerfeindlichkeit nimmt weiter zu

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 07.11.2018 Jan Sternberg
Wer rechtsextrem denkt, finde seine politische Heimat bei der AfD, besagt eine Studie. © dpa Wer rechtsextrem denkt, finde seine politische Heimat bei der AfD, besagt eine Studie.

Die Ausländerfeindlichkeit hat in Deutschland erneut zugenommen. Mehr als ein Drittel der Deutschen (35,6 Prozent) stimmt der Aussage zu, die Bundesrepublik sei „in einem gefährlichen Maß überfremdet“. In Ostdeutschland teilt sogar fast die Hälfte der Befragten (44,6 Prozent) diese Aussage. Dem Satz „Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen“ stimmen 36 Prozent der Deutschen zu (Ost: 47,1 Prozent, West: 32,7 Prozent).

Im Vergleich zur letzten Erhebung vor zwei Jahren ist die Zahl derjenigen deutlich angestiegen, die ein geschlossenes ausländerfeindliches Weltbild aufweisen – von 20,4 auf 24,1 Prozent. Besonders deutlich ist der Zuwachs in Ostdeutschland von 22,7 auf 30,9 Prozent.

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Das sind Ergebnisse der Leipziger Autoritarismus-Studie, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wird. Die seit 2002 als „Mitte-Studie“ bekannte Untersuchung wird dieses Jahr unter neuem Namen fortgesetzt. Die aktuelle Studie wird von der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung der IG Metall unterstützt.

Elf Prozent wünschen sich einen „starken Führer“

„Wir haben uns in diesem Jahr auch die Frage nach den Ursachen der zunehmenden Polarisierung und Radikalisierung der Gesellschaft gestellt“, sagt Studienleiter Oliver Decker. Die oft gehörte Erklärung, die Abstiegsängste eines Teils der Bevölkerung seien ursächlich, verdecke die „Flucht ins Autoritäre“.

Für die Forscher gilt Ausländerfeindlichkeit als „Einstiegsdroge in den Rechtsextremismus“. Decker sagt: „Die Hemmschwelle, diesen rechtsextremen Aussagen zuzustimmen, ist besonders niedrig“, so Decker. Ausländerfeindliche Aussagen finden weit mehr Zustimmung als klassische rechtsextreme Denkweisen.

Elf Prozent der Befragten wünschen sich etwa einen „starken Führer, der Deutschland mit harter Hand regiert“ und neun Prozent würden Hitler für einen „großen Staatsmann“ halten, hätte es die Judenvernichtung nicht gegeben. Immerhin 33 Prozent aber wünschen sich, dass Deutschland seine Interessen „hart und energisch gegenüber dem Ausland“ durchsetzen solle.

Wer rechtsextrem denke, finde seine politische Heimat bei der AfD, sagen die Autoren. Ihre Zahlen bestätigen das. Während 55 Prozent der AfD-Anhänger ausländerfeindlichen Aussagen zustimmen, sind es bei CDU und SPD jeweils 22 Prozent, bei FDP-Wählern 18 Prozent, bei Linken 15 Prozent und bei Grünen-Anhängern elf Prozent.

Rekordwerte bei Zustimmung zur Demokratie

Trotz des Anstiegs antidemokratischer Einstellungen erreicht die Zustimmung zur Demokratie als Staatsform Rekordwerte. Die Zustimmung zur „Demokratie als Idee“ erhöht sich im Osten auf 95 Prozent – und liegt damit höher als im Westen mit knapp 93 Prozent. Mit der real erfahrenen Demokratie ist allerdings nur knapp die Hälfte der Befragten einverstanden.

Für die Autoren ist das ein Warnsignal: „Die Bürgerinnen und Bürger erleben die Demokratie nicht als etwas, was sie mitgestalten können.“ Und die Forderung nach gleichen Rechten für alle unterstützt noch nicht einmal die Hälfte der Deutschen: Nur 47 Prozent finden, dass die Freiheitsrecht gleichermaßen für alle Gruppen Gültigkeit besitzen.

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