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„Wir sind entschlossen“: Erdogan holt zum großen Schlag gegen einen Verbündeten des Westens aus

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 02.08.2019 Business Insider Deutschland
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Er meint es ernst, bitterernst. So ernst, dass er die türkischen Truppen an der syrischen Grenze noch einmal verstärkt hat. Ein Militärkonvoi mit zwölf Fahrzeugen sei Anfang dieser Woche im Landkreis Ceylanpinar eingetroffen, berichtete die türkische Zeitung „Hürriyet“. Von dort ist es nach Syrien nicht mehr weit. Von dort könnte auch die nächste türkische Militäroperation starten — die dritte nach 2016. Angekündigt hat er sie ja schon. Jetzt muss der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sie nur noch anordnen.

Es war noch nie leicht, den Überblick im Bürgerkriegsland Syrien zu behalten. Es ist nicht leichter geworden. Fest steht zum jetzigen Zeitpunkt nur eines: Diktator Baschar al-Assad hat den Aufstand gegen sich und sein Regime überlebt. Die Opposition ist nach jahrelangem Bürgerkrieg und anfänglichen Erfolgen in sich zusammengebrochen. Ihre letzte verbliebene Hochburg Idlib ist unter Dauerbeschuss.

Erdogan will YPG von türkischer Grenze verjagen

Unübersichtlicher ist es da schon im Norden des Landes, wo die Kurden über Jahre ein gewisses Maß an Autonomie errungen haben, auch weil sie mit der YPG, einer syrisch-kurdischen Organisation, und der ihr verbündeten, im Westen als Terrorgruppe eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK mächtige Milizen hinter sich wussten. Zumindest die YPG ist in den USA und in Europa noch immer hoch angesehen. Sie trug die Hauptlast im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Sie gilt als wichtigster und verlässlichster Verbündeter des Westens im syrischen Chaos. 

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Sie hat aber auch einen ebenso mächtigen wie entschlossenen Feind gegen sich: Recep Tayyip Erdogan. Für ihn ist die YPG vor allem eines: ein Ableger der PKK, eine Terrororganisation also, die die türkische Souveränität bedroht. Sie gilt es zu bekämpfen und von der türkischen Grenze zu verjagen. Am liebsten wäre Erdogan eine 30 Kilometer tiefe Pufferzone zwischen der Türkei und dem syrischen Kernland, die vom bereits türkisch kontrollierten Kurdengebiet um Afrin bis zum Irak reicht. Kontrollieren sollen diese Zone türkische Truppen.

Überlebte den Syrienkrieg: Diktator Baschar al-Assad (auf dem Plakat in der Mitte). © Loui Beshara, AFP, Getty Images Überlebte den Syrienkrieg: Diktator Baschar al-Assad (auf dem Plakat in der Mitte).

„Wir sind entschlossen, den Terrorkorridor östlich des Euphrats zu zerstören“, hat Erdogan vor Kurzem vor Mitgliedern der Regierungspartei AKP angekündigt. Wer sich auf die Unterstützung ausländischer Mächte in der Region verlasse, könne sich begraben lassen. Brachiale Worte, auf die Erdogan bislang keine Taten folgen hat lassen. Aus gutem Grund. Die Lage ist kompliziert.

Da sind zum einen die US-Amerikaner, die nach wie vor zur YPG halten. Geschätzt 2.500 US-Truppen sind noch immer in der Region stationiert. Einen Zusammenstoß mit ihnen kann und will sich die Türkei nicht leisten. Die USA könnten sich zwar Berichten zufolge eine zehn Kilometer breite Pufferzone vorstellen. Mehr aber auch nicht. Gespräche zwischen ihnen und der türkischen Regierung scheiterten jüngst.

Europa spielt im Kurdenkonflikt keine Rolle

Dann sind da zum anderen Syriens Machthaber al-Assad und sein einflussreichster Verbündeter Russland. Beide wollen vermeiden, dass sich die Türkei weiter auf einem Gebiet breitmacht, das noch immer offiziell syrisches Staatsterritorium ist. Zumindest mit Russland steht Erdogan deshalb in Kontakt.

Lest auch: „Nichts wird die Türkei abhalten“: Erdogan beschwört im Machtkampf mit Trump einen 96 Jahre alten Mythos

Ein anderer Akteur spielt dagegen so gut wie gar keine Rolle: Europa. Zwar sollen sich zumindest französische Spezialkräfte in der Region aufhalten, doch vor ihnen dürfte die türkische Armee im Ernstfall nicht einmal halb so viel Angst haben wie vor deren US-amerikanischen Verbündeten. Noch weniger muss sich Erdogan vor deutschen Soldaten fürchten. Die gibt es in Syrien erst gar nicht und soll es, wenn es nach der Regierungspartei SPD geht, auch künftig nicht geben.

Bleibt die Frage, wie Erdogan weiter verfährt: Wagt er den Alleingang, wagt er die Offensive gegen YPG? Wenn ja, könnte es ziemlich schnell gehen, so schnell etwa wie im Januar 2018. Auch damals schien die Lage vertrackt. Auch damals warnten die USA die Türkei vor einer Offensive im syrischen Kurdengebiet. Damals ging es mitunter um die Stadt Afrin im Nordwesten Syriens. Erdogan scherte sich nicht darum, ließ angreifen und gewann. Nicht ausgeschlossen, dass es jetzt wieder so kommt.

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