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17-Jährige in Sankt Augustin getötet: „Nicht der Pass ist das Problem“

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 03.12.2018 Michael Hesse
Menschen haben Blumen für das getötete Mädchen abgelegt. © Stephan Propach Menschen haben Blumen für das getötete Mädchen abgelegt.

Professor Pfeiffer, wie bewerten Sie die Tat von Sankt Augustin?

Das Grundmuster ist uralt. Dass eine Beziehung beginnt und einer der beiden, meistens das Mädchen, die Sache als zu eng empfindet, der Betroffene, meistens der Mann, das nicht aushält und tötet. Es gibt den Spruch einer verstorbenen Chefgutachterin: „Wenn in einer Partnerschaft, der weibliche Teil den männlichen tötet, geschieht es, um sich von dessen Umklammerung zu befreien. Wenn aber der männliche Teil die Frau tötet, dann, um sie auf immer und ewig festzuhalten.“ Das könnte hier eine Rolle gespielt haben.

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Hat das Grundmuster etwas mit Migration zu tun?

Ja und nein. Bei der Betrachtung von Tötungsdelikten junger Menschen, die in Deutschland seit langem deutlich rückläufig sind, handelt es sich bei den Tätern in den meisten Fällen um sozial ungefestigte Personen, die eine Trennung einfach nicht aushalten.

Anders gesagt: Wer sozial gut vernetzt ist, beruflich oder in der Ausbildung mit klaren Perspektiven unterwegs ist, eine unterstützende Familie hat, hält den Frust einer Trennung durch. Wer keinen Boden unter den Füßen hat, ist eher in Gefahr, im Konfliktfall zu töten. Das trifft auf Migranten stärker zu als auf Deutsche. Nicht der Pass ist das Problem, sondern die soziale Sicherheit beziehungsweise Unsicherheit.

Ist die Grenze zur Gewalt in afrikanischen Ländern eine andere?

Diese Generalisierung lenkt den Blick in die falsche Richtung. England ist beispielsweise ein Land mit viel höherer Jugendgewalt als Deutschland. Das liegt daran, dass sich unsere Erziehungskultur drastisch in Richtung mehr Liebe und weniger Hiebe verändert hat. Wir sind in Europa dadurch eines der Länder mit der geringsten Gewalt- und Tötungsrate unter jungen Menschen.

Der Täter soll aus Kenia kommen.

Das Entscheidende ist, ob er in einer Kultur männlicher Dominanz aufgewachsen ist . Die gibt es auch in arabischen Ländern oder auch in Osteuropa. Überall dort, wo männliche Jugendliche in Kulturen männlicher Dominanz aufwachsen, fällt es ihnen schwerer, eine von einer Frau gewünschte Trennung zu akzeptieren. Das ist ein Grundproblem der Immigration.

Gibt es denn hier Fortschritte?

Wir haben vor 20 Jahren Jugendliche zur Akzeptanz von Machokultur befragt, auch zu folgendem Satz: „Der Mann ist das Oberhaupt der Familie, alle anderen haben zu gehorchen.“ 41 Prozent der türkischstämmigen Jungen stimmten zu, zehn Prozent der deutschen. Als wir die Befragung 15 Jahre später wiederholten: Stimmten bei den Türken zehn Prozent zu, bei den Deutschen fünf Prozent. Es gibt also kulturelle Lernprozesse.

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