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Amerikas Rückzug aus Nahost löst ein neues Wettrüsten aus

WELT-Logo WELT 11.02.2019
US President Donald Trump arrives to speak to members of the US military during an unannounced trip to Al Asad Air Base in Iraq on December 26, 2018. - President Donald Trump arrived in Iraq on his first visit to US troops deployed in a war zone since his election two years ago (Photo by SAUL LOEB / AFP) (Photo credit should read SAUL LOEB/AFP/Getty Images) © AFP/Getty Images US President Donald Trump arrives to speak to members of the US military during an unannounced trip to Al Asad Air Base in Iraq on December 26, 2018. - President Donald Trump arrived in Iraq on his first visit to US troops deployed in a war zone since his election two years ago (Photo by SAUL LOEB / AFP) (Photo credit should read SAUL LOEB/AFP/Getty Images)

Der Abzug von US-Truppen aus Syrien gefährdet das militärische Kräftegleichgewicht in Nahost. Exklusive Daten der Münchner Sicherheitskonferenz zeigen, wie ernst die westlichen Verbündeten in der Region die iranische Gefahr nehmen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Amerikaner ihrer Ordnungsrolle müde geworden sind und seit Jahren versuchen, ihr Engagement im Nahen und Mittleren Osten zurückzufahren. Die Zahlen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache: Seit 2008 ist der Anteil der Truppen rapide gesunken, die Amerika im Mittleren Osten unterhält.

Nur nach 2016 gab es einen kleinen Anstieg, als erst Barack Obama und dann auch Donald Trump den Kampf gegen den radikalislamistischen IS intensivierten. Und damit soll nun auch Schluss sein.

Berichten amerikanischer Medien zufolge will das Pentagon den Abzug von US-Soldaten aus Syrien, die dort gegen den IS kämpften, im April abgeschlossen haben. In derselben Zeit des allmählichen amerikanischen Rückzuges hat die Region einen außergewöhnlichen Rüstungswettlauf erlebt. Laut dem aktuellen "Munich Security Report", der wie jedes Jahr vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz herausgegeben wird und der WELT exklusiv vorliegt, liegen sieben der zehn Länder mit den weltweit höchsten Rüstungsausgaben heute im Nahen Osten.

Zwischen 2013 und 2017, den Jahren einer deutlichen Verringerung der amerikanischen Truppenpräsenz in der Region, hat sich das Volumen der Waffenkäufe dort im Vergleich zu den fünf Jahren davor verdoppelt.

Schon im Wahlkampf hatte Trump mehrfach deutlich gemacht, dass er nichts von Amerikas Ordnungsrolle in dieser problematischen Weltregion hält. Seit seinem Amtsantritt versucht er deshalb vermehrt auf Verbündete in der Region zu setzen. Saudi-Arabien, Israel und Ägypten sollen mehr Aufgaben übernehmen.

Eines der vorrangigen Ziele ist die Eindämmung des Iran. Überall in der Region wird der Iran seit Jahren zunehmend aktiv. Sein Einfluss auf den mehrheitlich schiitischen Irak ist groß.

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Mit Irans Beteiligung am Krieg in Syrien und dem im Libanon immer stärker werdenden iranischen Klienten Hisbollah hat Teheran seinen Traum einer Landbrücke zum Mittelmeer praktisch verwirklicht. Mit der eigenen Position am Persischen Golf und den mit Iran verbündeten Huthis im Jemen am Eingang zum Roten Meer ist der Iran auch immer besser an weiteren strategischen Orten der Region aufgestellt.

Wie Daten von IHS Markit im "Munich Security Report" zeigen, unternehmen die Israelis inzwischen immer entschlossenere Schritte, um den Iran davon abzuhalten, sich an der israelisch-syrischen Grenze zu etablieren. So ist die Frequenz der israelischen Luftschläge gegen iranische Ziele in Syrien in den letzten Jahren erheblich angestiegen, von sechs im Jahr 2014 bis zu 112 im Jahr 2018.

Im Schnitt ist das alle drei Tage ein Luftschlag – ein Beleg dafür, wie beunruhigt die Israelis über die militärische Präsenz der Iraner an ihrer Grenze sind. Weil Israel und viele sunnitische Staaten sich vom Iran bedroht sehen, ist seit Jahren hinter den Kulissen eine Annäherung zwischen Jerusalem und den Golfstaaten sichtbar.

Schaut man sich das militärische Gleichgewicht in der Region an, dann ist das für die antiiranischen Kräfte tatsächlich besorgniserregend. Laut Zahlen des International Institute for Strategic Studies für den Munich Security Report, die WELT exklusiv vorliegen, hat der Iran derzeit über 523.000 aktive Soldaten, mehr als doppelt so viele wie Saudi-Arabien, das nur über 227.000 verfügt.

Das kleine Israel, das vom iranischen Regime oft mit Auslöschung bedroht wird, kann da mit 170.000 Soldaten gar nicht mithalten. Selbst die mächtige Türkei kann nur 355.000 Soldaten vorweisen.

Auch bei der Zahl der Kampfpanzer (1531) ist der Iran den Saudis (900) deutlich überlegen, die Türken besitzen aber noch deutlich mehr, nämlich 2379. Erstaunlich auch, dass Teheran mit 21 U-Booten auch unter Wasser deutlich vorne liegt.

Die Saudis verfügen über gar keine U-Boote, die Türken nur über 12 und die Israelis können lediglich mit 5 aus deutscher Produktion aufwarten. Nur bei Kampfflugzeugen halten sich die großen Player in der Region in etwa die Waage mit je knapp über 300 pro Land.

Allerdings sagen die puren Zahlen wenig über das tatsächliche Kräftegleichgewicht aus. Denn in einem Krieg ist eben auch von entscheidender Bedeutung, wer über die technisch überlegenen Waffensysteme verfügt. Und da versuchen die Amerikaner sicherzustellen, dass an erster Stelle Israel und dann auch die Saudis Waffen geliefert bekommen, die deren technologischen Vorsprung gegenüber dem Iran sicherstellen.

© Infografik WELT

Deshalb ist es auch keine Überraschung, welch große Rolle die Amerikaner etwa bei der Rüstung der arabischen Golfanrainer des Golfkooperationsrates spielen, die sich alle vom Iran bedroht sehen. Laut Daten von Jane's Markets Forecast im "Munich Security Report" kam in den Jahren 2014 bis 2018 die überwiegende Zahl der Rüstungsgüter aus den USA, nämlich 53 Prozent.

Frankreich lag mit 11 Prozent und Großbritannien mit 10 Prozent weit dahinter. In Deutschland sorgen die Panzergeschäfte mit Saudi-Arabien jedes Mal wieder für politische Aufregung. Tatsächlich ist der Anteil Deutschlands an der Rüstung der Golfstaaten sehr gering, er beträgt nur drei Prozent.

Eins haben die Golfanrainer in ihrer unerbittlichen Region aber offenbar besser verstanden als die Deutschen: Wenn Amerika das Interesse verliert, als Ordnungsfaktor zu agieren, dann ist es höchste Zeit, dass die Verbündeten selbst mehr für ihre eigene Sicherheit tun.

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