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Thüringen für ausländische Ärzte oft Durchgangsstation

dpa-Logodpa 07.09.2020 dpa
Ein Stethoskop liegt im Behandlungszimmer eines Facharztes. © Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild Ein Stethoskop liegt im Behandlungszimmer eines Facharztes.

Thüringen gehört nach Einschätzung von Landesverwaltungsamt und Landesärztekammer zu den Bundesländern mit den meisten Zulassungen für ausländische Ärzte. Doch nur etwa ein Drittel der Mediziner aus EU- und sogenannten Drittstaaten, die in Thüringen ihre Approbation - die Zulassung zur ärztlichen Tätigkeit - erhalten, bleiben den Angaben zufolge auch im Freistaat. Thüringen sei für viele aus anderen Ländern zugewanderte Mediziner eine Eingangspforte zur Arbeit in anderen Regionen Deutschlands, sagte Kammerpräsidentin Ellen Lundershausen am Montag in Weimar.

Mit einer in Thüringen erworbenen Approbation können Mediziner deutschlandweit arbeiten. Dass sie davon auch Gebrauch machen, hält Lundershausen nicht für ungewöhnlich. Abwanderung in andere Bundesländer gebe es auch in anderen Berufen. Bei Ärzten spiele zudem eine Rolle, dass sie sich in mehreren Bundesländern gleichzeitig um eine Anerkennung bemühen, sagte der Präsident des Landesverwaltungsamtes, Frank Roßner. «Ein Großteil derer, die den Antrag in Thüringen stellen, hat gar keine Adresse in Thüringen.»

Das Landesverwaltungsamt als zuständige Behörde hat im vergangenen Jahr 267 ausländischen Medizinern eine Approbation erteilt. Bundesweit liege Thüringen damit an sechster Stelle, in Ostdeutschland sei Thüringen das Bundesland mit den meisten Neuzulassungen von zugewanderten Ärzten. Derzeit liegen der Behörde zufolge 239 Anträge auf Erteilung einer Approbation vor.

Auf dem Weg dahin stolpern viele Bewerber in Thüringen allerdings über Sprachdefizite oder über mangelnde medizinische Fachkenntnisse. So fällt laut Landesverwaltungsamt etwa ein Drittel durch die sogenannte Kenntnisprüfung, bei der medizinische Inhalte abgefragt werden. Sie ist nötig bei Bewerbern aus Ländern, in denen die Inhalte der Medizinstudiengänge nicht dem Niveau des Medizinstudiums in Deutschland entsprechen.

Die Fachsprachenprüfung bei der Landesärztekammer haben im vergangenen Jahr nur 255 von 427 Approbationsbewerbern bestanden. Dabei wird getestet, wie gut sich die Mediziner im Gespräch mit Patienten verständlich machen können. Beide Prüfungen können im Fall des Scheiterns wiederholt werden. Je nach Fall könne sich der Zulassungsprozess über viele Monate hinziehen, hieß es. Klinikvertreter hatten zuletzt über die lange Dauer des Verfahrens geklagt.

In Thüringen arbeiten laut Kammer insgesamt gut 1600 ausländische Ärzte aus mehr als 80 Ländern. Die meisten (208) kommen laut Landesärztekammer aus Syrien, gefolgt von Rumänen (190). Traditionell stark vertreten sind auch Mediziner aus anderen osteuropäischen Ländern wie Bulgarien. Lundershausen betonte die Bedeutung, die die Zuwanderer für die medizinische Versorgung in Thüringen haben. «Ohne Ärzte mit Migrationshintergrund wären die Thüringer Krankenhäuser längst nicht mehr arbeitsfähig», so Lundershausen. 1300 Mediziner an Kliniken kommen aus dem Ausland, das ist ein Viertel der Klinikärzte in Thüringen.

Die den Krankenhäusern vom Land verordnete Mindestzahl für Fachabteilungen an Krankenhäusern habe den Ärztebedarf weiter erhöht. Auch vor diesem Hintergrund bekräftigte die Kammerpräsidentin ihre Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen.

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