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Rede von Carolin Emcke: Grüne und Union streiten über angeblichen Antisemitismus-Vorfall

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 13.06.2021 Julia Weiss, Francesco Schneider-Eicke

CDU-Generalsekretär Ziemiak fordert eine Klarstellung nach einem Vortrag der Publizistin Carolin Emcke. Die Grünen werfen ihm ein Wahlkampfmanöver vor.

Die Journalistin und Publizistin Carolin Emcke. © Foto: picture alliance / dpa Die Journalistin und Publizistin Carolin Emcke.

Politiker von Grünen und Union streiten über eine angeblich antisemitische Aussage der Publizistin Carolin Emcke auf dem Grünen-Parteitag.

Emcke hatte in einer Videobotschaft am Freitagabend gesagt: „Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen und die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen“. Die „Bild“-Zeitung berichtete darüber am Samstag.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak forderte von den Grünen eine Klarstellung. Ziemiak schrieb am Samstag auf Twitter: „Das ist eine unglaubliche und geschichtsvergessene Entgleisung auf dem Parteitag der Grünen.“ Er erwarte von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock dazu „heute absolute Klarheit“. Beim Thema Antisemitismus dürfe es keinen Raum für Interpretation geben. „Da gibt es nur Klartext.“

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner nahm die Publizistin in Schutz. „Carolin Emcke ist über jeden Verdacht des Antisemitismus erhaben und hat in ihrer Rede die Logik der Demagogie aufgedeckt“, sagte Kellner auf Anfrage.

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Er warf Ziemiak vor, den Antisemitismus-Vorwurf für ein billiges Wahlkampfmanöver zu instrumentalisieren. „Dafür ist der Kampf gegen Antisemitismus zu wichtig und zu ernst. Ich erwarte eine Entschuldigung an Carolin Emcke, die in ihrer Haltung glasklar ist.“

Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte Emcke „einen der integersten Menschen, die ich kenne“. „Ihre Stimme ist immer eine für die Achtung der Menschenwürde, gegen Rassismus und Antisemitismus!“

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ergänzte: „Ich kenne und schätze Carolin Emcke. Ihr Antisemitismus zu unterstellen ist wirklich schäbig.“ Die CDU solle mal ein bisschen runter kochen, riet er.

Emcke warnte in ihrer Rede vor Wissenschaftsfeindlichkeit, Desinformation und dem Verlust eines gemeinsamen Verständnisses von Fakten. „Das Objekt, auf das sich dann der empörte Protest richtet, ist so austauschbar wie mutwillig.“ Dies werde sich auch im Wahlkampf zeigen, erklärte sie in ihrer Rede. Betroffen davon seien „alle in unserer Demokratie.“ Sie forderte „eine neue Aufklärung“.

Auch der jüdische Publizist, Autor und Lyriker Max Czollek kommentierte den Vorfall auf Twitter. Der Beitrag von Emcke sei nicht als Relativierung des Holocaust zu verstehen, sondern stelle „eine wichtige Lektion in Intersektionalität“ dar. Die Vorstellung, dass eine Elite aus Juden, Frauen, Klimawissenschaftlerinnen und Virologen die Welt regieren, sei fester Bestandteil der neurechten Ideologie. (mit dpa)

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