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Corona-Hotspots jetzt im Süden - Florida lässt Strände wieder schließen

WELT-Logo WELT 30.06.2020 Daniel Friedrich Sturm
In den USA steht mit dem Nationalfeiertag am 4. Juli ein langes Feiertagswochenende an. Doch wegen der rasanten Zunahme der Neuinfektionen bleiben vielerorts Strände, Bars und Kinos geschlossen. Quelle: WELT © WELT In den USA steht mit dem Nationalfeiertag am 4. Juli ein langes Feiertagswochenende an. Doch wegen der rasanten Zunahme der Neuinfektionen bleiben vielerorts Strände, Bars und Kinos geschlossen. Quelle: WELT

Als die Corona-Epidemie vor vier Monaten die USA erreichte, war zunächst der nordwestliche Bundesstaat Washington betroffen. Es folgten Kalifornien, New York und New Jersey – allesamt stark von der Demokratischen Partei geprägte Bundesstaaten an den Küsten.

Während nun die Zahl der registrierten Neuinfektionen abermals dramatisch steigt, befinden sich die neuen Hotspots vor allem im Süden. Es handelt sich dabei um gleich mehrere Hochburgen der Republikaner.

Sowenig sich das Virus um Parteivorlieben oder Nationalitäten schert, so bezeichnend ist doch die Reaktion in der amerikanischen Politik. Vizepräsident Mike Pence etwa sagte eine für diesen Dienstag geplante Wahlkampfveranstaltung in Arizona ab. Außerdem ruft er die Bevölkerung indirekt dazu auf, Masken zu tragen.

Beides steht in einem starken Kontrast zu Präsident Donald Trump, der vor zehn Tagen zwei Kundgebungen vor Zehntausenden in Oklahoma halten wollte. Infolge eines Mangels an Zuhörern wurde eine Rede abgesagt, während der anderen Rede in einer Halle nur 6200 Anhänger folgten.

Trump weigert sich, eine Maske zu tragen, und rät indirekt davon ab. Der Präsident hat die Maske gewissermaßen zu einem politischen No-go erklärt – auch wenn seine eigene Gesundheitsbehörde seit Monaten zum Maskentragen rät. Die Frage, wie man es mit einer Maske hält, ist in den USA längst zu einem politischen Statement geworden, manche sehen hier sogar einen Kulturkampf.

Der führende Gesundheitsbeamte im kalifornischen Orange County trat zurück, nachdem er infolge einer von ihm verhängten Maskenpflicht Todesdrohungen erhalten hatte. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, verlangt eine bundesweite Maskenpflicht. Die Gesundheitsbehörde CDC empfehle nur das Tragen von Masken, „weil sie den Präsidenten nicht beleidigen wollen“, sagte Pelosi.

Miami Beach: Gerade erst wieder geöffnet, am Nationalfeiertag (4. Juli) soll der Strand sicherheitshalber geschlossen werden © dpa/Wilfredo Lee Miami Beach: Gerade erst wieder geöffnet, am Nationalfeiertag (4. Juli) soll der Strand sicherheitshalber geschlossen werden

Zunahme in den meisten Bundesstaaten

Am Sonntag registrierten die USA 38.753 Corona-Neuinfektionen, das waren 76 Prozent mehr als 14 Tage zuvor. In 32 der 50 Bundesstaaten nehmen die Fälle derzeit zu. Die krassesten Anstiege der über die letzten 14 Tage berechneten Fälle verzeichnet unter anderem der Bundesstaat Arizona.

Hier wurden allein am Sonntag 3800 neue Fälle gemeldet, so viele wie sein März nicht mehr. (Zum Vergleich: Deutschland mit gut elfmal so viel Einwohnern wie Arizona verzeichnete am Montag im Sieben-Tages-Schnitt 486 neue Fälle.)

Der südwestliche US-Bundesstaat hat eine Lockerung seiner Corona-Auflagen wieder rückgängig gemacht. Bars, Fitnesszentren und Kinos müssen wieder schließen.

Doch auch in Texas, Florida, Louisiana, South Carolina und Mississippi nehmen die Fälle zu. In all diesen Staaten hatte Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 gewonnen. Im demokratisch dominierten Kalifornien steigen die Fallzahlen ebenfalls erneut, wenn auch weniger steil. Unter anderem in New York, New Jersey und Connecticut – den Hotspots im April und Mai – stagniert die Zahl der Neuinfektionen laut „New York Times“.

Rückläufig sind die neuen Fälle nur in Maryland, Rhode Island, New Hampshire, Vermont, South Dakota, Puerto Rico und Washington DC – wo insgesamt nur vier Prozent der US-Bevölkerung leben.

Von den weltweit rund zehn Millionen Corona-Fällen verzeichnen die USA mit gut 2,5 Millionen so viele Infektionen wie kein anderes Land. Über 126.000 US-Bürger sind an dem Virus gestorben, auch das ist ein weltweiter Rekord. 43 Prozent der Todesfälle ereigneten sich Alten- und Pflegeheime, berichtet die „New York Times“.

Todeszahlen sind rückläufig

Die Zahl der Todesfälle ist jedoch weiter rückläufig, bisher jedenfalls. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany wies am Montag darauf hin, der Sonntag habe die niedrigste Zahl von Todesopfern seit Ende März verzeichnet.

Für Präsident Trump sind die steigenden Infektionszahlen und das Szenario einer andauernden Rezession eine politische Bedrohung. Gut vier Monate vor der Präsidentschaftswahl hat Trump mit miesen Umfragewerten zu kämpfen. Sein Lieblingssender „Fox News“ taxiert den Präsidenten bei nur 38 Prozent, seinen Herausforderer Joe Biden bei 50 Prozent.

Während eines Besuches in Texas trug Vizepräsident Mike Pence zuletzt eine Maske und rief dazu auf, alle Maßnahmen zu treffen, die die besonders gefährdeten Menschen schützten. Auch Trumps Gesundheitsminister Alex Azar, den man während der gesamten Pandemie selten sieht, trug eine Maske. Während ihres Presse-Briefings am Montag hingegen verzichteten sowohl Präsidenten-Sprecherin McEnany als auch ihre Mitarbeiter auf Masken.

Pence verteidigte Trumps These, die Zahl der Neuinfektionen steige, weil die Tests ausgeweitet würden. Dabei nehmen in einigen Bundesstaaten die durchschnittlichen Fall-Zahlen zu, während die durchschnittlichen Test-Zahlen sinken, wie die „Washington Post“ schreibt. In anderen Bundesstaaten nähme die Zahl der Neuinfektionen stärker zu als die Zahl der Tests.

Führende Politiker in den Bundesstaaten mit steigenden Neuinfektionen steuern derweil um. Der republikanische Bürgermeister von Jacksonville (Florida), Lenny Curry, verhängte am Montag eine Maskenpflicht für Öffentlichkeit und Innenräume, in denen keine physische Distanz möglich ist.

Parteitag kommt nach Jacksonville

Dieser Beschluss ist eine fundamentale Kurskorrektur, gegen die sich Curry wochenlang gewehrt hatte. Pikant: Erst kürzlich verlegte die Republikanische Partei ihren im August geplanten Nominierungsparteitag für die Präsidentschaftswahl von North Carolina nach Jacksonville, weil hier seinerzeit keine derartigen Restriktionen drohten.

Trump würde seine Krönungsmesse am liebsten ohne Maskenpflicht abhalten. Am Montag teilte seine Partei mit, man wolle einen „sicheren“ Parteitag abhalten und man werde sich an die zu diesem Zeitpunkt geltenden örtlichen Gesundheitsvorschriften halten.

Für Trump sei es „die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, ob er eine Maske tragen will oder nicht“, sagte seine Sprecherin McEnany am Montag. Die Menschen sollten sich so entscheiden, wie es für ihre Sicherheit am besten sei.

Trump habe ihr mitgeteilt, er habe „kein Problem mit Masken“, sagte McEnany. Wäre das wirklich so, handelte es sich um eine 180-Grad-Wende. Trump hatte erst kürzlich über seinen – stets Maske tragenden – Herausforderer Joe Biden gespottet, dieser sehe aus, „als hätte er einen Rucksack über sein Gesicht gestülpt“.

Während die republikanischen Gouverneure von Florida, Georgia und Texas die Corona-Restriktionen ungeachtet des Infektionsgeschehens in den letzten Wochen – auf Anraten Trumps – teils erheblich gelockert hatten, häufen sich nun neuerliche Beschränkungen.

Corona-Patienten werden jünger

So hatte Texas schon in der vorigen Woche die Schließung von Bars angekündigt. Im Houston Methodist Hospital sind etwa 60 Prozent der Corona-Patienten unter 50 Jahre alt, mithin deutlich jünger als zu Beginn der Epidemie.

Kommunalpolitiker in mehreren bevölkerungsreichen Bezirken forderte am Montag Gouverneur Greg Abbott auf, die Wiedereröffnung von Geschäften zurückzunehmen. Sie wiesen auf knappere Krankenhauskapazitäten hin, berichtet das Online-Portal „Texas Tribune“.

In Texas war bereits Ende April mit der schrittweisen Öffnung begonnen worden – gegen die Richtlinien der Bundesregierung in Washington.

In Florida, das am Sonntag 8577 neue Fälle verzeichnete, sollen Strände am Wochenende um den Unabhängigkeitstag (4. Juli) geschlossen werden. In dem Sonnen-Staat stieg der Anteil positiver Tests auf zwölf Prozent. Bei den 25- bis 34-Jährigen, sagte Gouverneur Ron DeSantis, liege die Positivitätsrate bei fast 20 Prozent. Das sei „etwas ziemlich Neues“.

DeSantis will die für den 11. Juli geplante Wiedereröffnung von Disney World in Orlando trotz steigender Fallzahlen und einer Petition besorgter Mitarbeiter nicht verhindern, berichtet das Magazin „People“. Die einst für den 17. Juli geplante Wiedereröffnung der Disney-Parks im südkalifornischen Anaheim wird hingegen verschoben.

Mehrere Bundesstaaten, die von weniger Neuinfektionen betroffen sind, verlangsamten die Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens. So bleiben Restaurants in New Jersey, anders als geplant, über diesen Donnerstag hinaus innen geschlossen.

New Yorks Tourismus ist weiter extrem heruntergefahren. In diesen Tagen sind Doppelzimmer in Vier-Sterne-Hotels in Manhattan ab gut 100 Euro zu bekommen. Die 41 Broadway-Theater in New York bleiben bis zum 3. Januar 2021 geschlossen – mindestens.

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