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Der Außenseiter stellt die vier Rivalen immer wieder bloß

WELT-Logo WELT 19.06.2019 Stefanie Bolzen
Diese Kandidaten der Konservativen wollen Premierminister werden (v.l.): Boris Johnson, Jeremy Hunt, Michael Gove, Sajid Javid und Rory Stewart im BBC-Talk Quelle: AFP/JEFF OVERS © AFP/JEFF OVERS Diese Kandidaten der Konservativen wollen Premierminister werden (v.l.): Boris Johnson, Jeremy Hunt, Michael Gove, Sajid Javid und Rory Stewart im BBC-Talk Quelle: AFP/JEFF OVERS

Es hatte erheblichen öffentlichen Druck gebraucht, um Boris Johnson zu diesem Auftritt zu bewegen. Am Dienstagabend setzte er sich widerwillig in ein Studio der BBC, um gemeinsam mit seinen vier Mitbewerbern Fragen der Moderatorin Emily Maitlis und zugeschalteter Bürger zu beantworten. Es machte ihm sichtlich wenig Spaß, wie angeklebt saß der wahrscheinlich nächste britische Premier auf seinem Barhocker.

Noch weniger Spaß machten die 60 Minuten auf BBC One allerdings den Zuschauern. Die sozialen Medien dröhnten nach der Sendung vor Empörung und Zynismus. „Diese Debatte ist eine Beleidigung für die Wähler“, „das ist ein peinlicher Schwanzlängen-Wettbewerb“, „Können wir Theresa May doch behalten?“

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Neben Johnson sind es vier weitere Konservative, die am Dienstagabend noch im Rennen waren um den Einzug in die Downing Street. Die Wähler draußen, von denen Millionen die TV-Debatte anschauten, treibt vor allem eine Frage an: Wie geht es mit dem Brexit weiter? Antworten gab es darauf keine.

„Wir sind ein großartiges Land, unsere Demokratie geht vor“, rief Umweltminister Michael Gove. „Wir wollen keinen No Deal, aber wir müssen uns darauf vorbereiten“, rief Johnson. „Wir müssen uns noch besser auf den No Deal vorbereiten“, rief Innenminister Sajid Javid. „Das Parlament wird den Backstop für Nordirland nicht akzeptieren“, rief Außenminister Jeremy Hunt.

„Wenn ich Premier bin, wird es keinen No Deal geben“

Nur einer bot eine klare Antwort. „Wenn ich Premier bin, dann wird es keinen No Deal geben. Weil der No Deal für die EU ohnehin keine Drohung ist“, versprach Entwicklungsminister Rory Stewart. Der Außenseiter, der die große Überraschung dieses Wettbewerbs ist, stellte die vier Rivalen immer wieder bloß. „Jeder dieser vier Gentlemen hier macht Versprechen. Dass sie einen besseren Deal in Brüssel bekommen. Dass sie diesen Deal durchs Parlament bekommen. Oder dass sie im anderen Fall einen No Deal durchs Parlament bekommen. Keines dieser Versprechen werden sie einlösen können.“

Entwicklungsminister Rory Stewart überraschte in der Debatte am meisten Quelle: AFP/ISABEL INFANTES © AFP/ISABEL INFANTES Entwicklungsminister Rory Stewart überraschte in der Debatte am meisten Quelle: AFP/ISABEL INFANTES

Johnson duckte sich am auffälligsten vor klaren Aussagen. Er vermied den Blickkontakt, ignorierte jeden Einwurf der BBC-Moderatorin und blieb Antworten auf scharfe Fragen schuldig. Etwa die eines Imams, ob er der Aussage zustimme, dass Worte Schaden anrichten können. Eine klare Konfrontation, weil Johnson in der Vergangenheit mehrfach islamfeindliche, wenn auch in Wortwitz verpackte Kommentare geäußert hat. „Mein muslimischer Urgroßvater kam 1912 in dieses Land, als Flüchtling “, entgegnete er dem Imam aus Bristol lediglich. 

Diese Kandidaten der Konservativen wollen Premierminister werden (v.l.): Boris Johnson, Jeremy Hunt, Michael Gove, Sajid Javid und Rory Stewart im BBC-Talk © AFP/JEFF OVERS Diese Kandidaten der Konservativen wollen Premierminister werden (v.l.): Boris Johnson, Jeremy Hunt, Michael Gove, Sajid Javid und Rory Stewart im BBC-Talk

Boris Johnson klar in Führung

Eine knappe Stunde vor der Sendung war das Ergebnis der zweiten fraktionsinternen Wahlrunde bekannt gegeben worden. Johnson liegt weiter klar in Führung. Von anfänglich zehn Bewerbern ist jetzt noch die Hälfte übrig. Maximal drei Wahlrunden stehen bis Donnerstagabend noch an, wenn laut Statuten die beiden Finalteilnehmer feststehen müssen. Wer am Ende das Premiersamt bekommt, entscheidet bis zum 22. Juli eine Ur-Wahl unter den Mitgliedern der Konservativen Partei.

Nach dem TV-Duell fasste Erin, eine aus Glasgow zugeschaltete Schülerin, ihr Urteil über die Debatte knapp zusammen: „Ich bin echt nicht beeindruckt.“ So ging es am Dienstagabend wohl der ganzen Nation.

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