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„Die Deutschen machen einen Fehler. Sie machen oft Fehler“

WELT-Logo WELT 28.03.2022 Cornelia Karin Hendrich

In einem Interview mit britischen Journalisten zeigt sich der ukrainische Präsident wenig begeistert von der Rolle Deutschlands im Krieg Russlands. Die Deutschen würden „manchmal“ helfen, kritisiert Selenskyj.

Wolodymyr Selenskyj: Mehr als einen Monat dauert nun schon der Krieg in der Ukraine, der Präsident kämpft unermüdlich in Videobotschaften und Interviews © dpa/Ukraine Presidency Wolodymyr Selenskyj: Mehr als einen Monat dauert nun schon der Krieg in der Ukraine, der Präsident kämpft unermüdlich in Videobotschaften und Interviews

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland vorgeworfen, den Ukraine-Krieg aus einer kühlen, ökonomischen Perspektive zu betrachten und zudem bei allen Hilfen mehr auf die Auswirkungen im eigenen Land bedacht zu sein. „Ich denke, die Deutschen machen heute einen Fehler“, sagte er dem britischen Magazin „The Economist“.

Selenskyj sprach dabei auch über die Rolle Deutschlands in dem Ukraine-Konflikt: Die Deutschen würden versuchen, ausgleichend und vermittelnd zu agieren, lobte er, schränkte aber zugleich ein: „Sie haben eine lange Beziehung zu Russland.“ Dann fügte er an: „Sie betrachten die Situation aus dem Blickwinkel der Wirtschaft.“

Die Deutschen würden „manchmal“ helfen, so der ukrainische Präsident weiter. Als besonders tatkräftig nimmt er die deutschen Politiker offenbar nicht wahr: Diese würden „versuchen, sich an die Situation anzupassen, während sie sich entwickelt“. Und zudem würden sie schauen, „wie sich die Situation auf ihr eigenes Land auswirkt“.


Video: Umfrage zum Ukraine-Krieg: Deutsche vertrauen Bundesregierung nicht (SAT.1)

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„Deutschland ist pragmatischer als alle anderen Länder“

Kritik übte Selenskyj auch daran, dass die deutsche Regierung nur so lange helfen würde, wie Druck aus dem Inland auf sie ausgeübt werde: „Sie können damit (mit der Hilfe) aber auch jederzeit aufhören, wenn sie erkennen, dass sie ausreichend unternommen haben.“ Deutschland sei „pragmatischer als alle anderen Länder, die wirklich helfen können“.

Zusammenfassend sagte er: „Ich denke, die Deutschen machen heute einen Fehler. Ich glaube, sie machen oft Fehler. Ich denke, die Historie von Deutschlands Beziehungen zu Russland zeigt dies.“

Anschließend sprach Selenskyj noch darüber, was für unterschiedliche Interessen im Westen es im Ukraine-Konflikt gebe: Einigen Ländern würde ein langer Krieg nichts ausmachen, selbst wenn die Ukraine dabei untergehe und es das Leben von Ukrainern koste, weil es vielleicht Russland enorm belaste und erschöpfe. Für andere Länder sei es besser, wenn der Krieg schnell ende, weil Russlands Markt groß sei und ihre Wirtschaft leide. Andere Länder würden sich tatsächlich wünschen, dass die Ukraine siegreich sei. „Es gibt noch andere Länder, kleinere Länder, die uns voll und ganz unterstützen.“

Wo Deutschland in dieser Aufzählung einzuordnen ist, sagte er nicht. Allerdings machte Selenskyj den Briten Komplimente. Diese würden voll und ganz hinter der Ukraine stehen. „Großbritannien ist an unserer Seite. Es führt keinen Balanceakt aus.“

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