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Gedenken an den 20. Juli 1944: Maas ruft zum Widerstand gegen rechte Wutbürger auf

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 20.07.2018 Paul Starzmann
Gedenken an Ermordete des Deutschen Widerstands: Außenminister Heiko Maas (SPD) im Bendlerblock in Berlin. © Foto: dpa Außenminister Heiko Maas (SPD) im Bendlerblock in Berlin.

Außenminister Heiko Maas (SPD) kritisiert Versuche der Rechtspopulisten, den historischen Widerstand gegen Hitler für sich zu vereinnahmen.

Der militärische Widerstand gegen Adolf Hitler nahm seinen Anfang im Berliner Ortsteil Tiergarten. Und dort endete er auch. Davon ist an diesem Sommervormittag jedoch nicht viel zu spüren. Über der Stadt glänzt der blaue Himmel, die Sonne strahlt, ein paar Touristen schlendern am Ufer des Landwehrkanals entlang. Zumindest auf den ersten Blick bekommt man nichts mit von den dramatischen Ereignissen, die sich hier vor 74 Jahren abgespielt haben.

Die "Pflicht zur Wachsamkeit"

Doch der sogenannte Bendlerblock am Reichpietschufer, der Sitz des Bundesverteidigungsministeriums, hat eine schreckliche Geschichte. Hier bereiteten im Zweiten Weltkrieg die Generäle der deutschen Armee ihre Feldzüge vor. Hier planten aber auch Wehrmachtsoffiziere wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg den militärischen Widerstand gegen das Nazi-Regime. Und hier nahm ihr Putschversuch ein tragisches Ende: in der Nacht auf den 21. Juli 1944, als Stauffenberg und vier weitere Widerständler im Hof des Gebäudes per Kopfschuss hingerichtet wurden.

In diesem Innenhof steht nun, nach mehr als sieben Jahrzehnten, Außenminister Heiko Maas (SPD) und spricht zu rund 300 geladenen Gästen. „Zukunft braucht Erinnern“ lautet sein Schlusssatz. Maas’ Worte drücken aus, was alle Redner der Gedenkveranstaltung an diesem Tag betonen: Gerade in Zeiten, in denen Rechtspopulisten dem Nationalismus das Wort redeten, sei das Erinnern an die deutsche Geschichte umso wichtiger. „Äußern wir uns differenziert, wenn Nationalisten allzu einfache Lösungen vorgaukeln“, ruft Maas. Es ist ein Appell für ein geeintes Europa, das auch ein Wunsch der Widerständler von einst gewesen sei, wie der SPD-Politiker unterstreicht. Sein Parteifreund, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, erinnert in seinem Grußwort an die „Pflicht zur Wachsamkeit“, wenn sich Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus breitmachten. Er fordert dazu auf, „für Humanität und Solidarität einzutreten“.

Maas gegen Pegida

Vom Andenken an den 20. Juli 1944 geht in diesem Jahr eine deutliche Botschaft für ein geeintes Europa und gegen den Rechtspopulismus aus. Besonders stören sich die Redner daran, dass heute auch Rechte versuchten, den historischen Widerstand gegen Hitler für sich zu vereinnahmen – zum Beispiel mit dem schwarz-rot-goldenen Kreuz der „Wirmer-Flagge“, die heute oft bei Pegida-Demos zu sehen ist. Die Gesellschaft dürfe nicht schweigen, „wenn Wutbürger und Ewiggestrige solche Symbole des Widerstands perfide umdeuten“, fordert Maas.

Auch Robert von Steinau-Steinrück, der Vorsitzende der „Stiftung 20. Juli 1944“, findet deutliche Worte. Wenn sich Rechtspopulisten heute in die Tradition des deutschen Widerstand zu stellen versuchten, dann sei das „nichts anderes als Missbrauch“, sagt er. Vor allem die Nachfahren der Helden vom 20. Juli 1944, die Enkel und Urenkel, spricht er damit an. Die danken es dem Stiftungschef mit kräftigem Applaus.

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