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Großbritannien: Boris Johnson treibt britisches Pfund in den Keller

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 17.07.2019 Volkery, Carsten
Johnson könnte am kommenden Mittwoch zum neuen Parteichef und Premierminister gekürt werden. © Reuters Johnson könnte am kommenden Mittwoch zum neuen Parteichef und Premierminister gekürt werden.

Die Anleger fürchten, dass Johnson neuer Premierminister wird. Das Pfund Sterling rauscht von Tief zu Tief. Die Brexit-Unsicherheit dürfte die britische Währung noch Monate belasten.

Die Aussicht auf Brexit-Hardliner Boris Johnson in der Downing Street versetzt Anleger in leichte Panik. Das Pfund Sterling fiel am Dienstag um 0,8 Prozent auf 1,24 US-Dollar – den tiefsten Stand seit 27 Monaten. Gegenüber dem Euro fiel die britische Währung auf ein Sechs-Monats-Tief von 1,10 Euro.

Auslöser war die verschärfte Brexit-Rhetorik der beiden Kandidaten für den Parteivorsitz der britischen Konservativen. Am Montagabend hatten Johnson und sein Konkurrent Jeremy Hunt in einer Radiodebatte gefordert, den umstrittenen Backstop für Nordirland aus dem EU-Ausstiegsvertrag komplett zu streichen. Eine Befristung oder eine einseitige Kündigungsklausel reichten nicht aus, bekräftigten sie. Einer der beiden wird am kommenden Mittwoch zum neuen Parteichef und Premierminister gekürt – alle Wetten stehen auf Johnson.

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Damit steigt die Gefahr eines ungeordneten Brexits am 31. Oktober. Denn die Europäer haben klargemacht, dass sie auf den Backstop unter keinen Umständen verzichten werden. EU-Chefunterhändler Michel Barnier hatte dies vergangene Woche bei einem Treffen mit Brexit-Minister Stephen Barclay noch einmal wiederholt. Am Dienstag bekräftigte der irische Finanzminister Paschal Donohue, dass man auf dem Backstop bestehe. Dieser sichert auch nach dem Brexit die offene Grenze zwischen Irland und Nordirland.

Wenn Briten und Europäer sich nicht einigen, scheidet Großbritannien am 31. Oktober ohne Vertrag und Übergangsperiode aus der EU aus. Eine weitere Verschiebung des Brexit-Datums schließt Johnson kategorisch aus. Großbritannien werde am 31. Oktober austreten, ob mit oder ohne Vertrag, betont er.

Die wirtschaftlichen Folgen eines ungeordneten Brexits wären erheblich. Ökonomen rechnen damit, dass Großbritannien dann in die Rezession fallen würde. Die jüngsten Konjunkturdaten sind bereits deutlich schwächer ausgefallen als noch im ersten Quartal. Im zweiten Quartal rechnen Ökonomen im besten Fall mit Nullwachstum. Kein Wunder also, dass die Anleger nervös werden.

Die Brexit-Unsicherheit ist längst zum wichtigsten Treiber des Pfund-Kurses geworden. Stehen die Zeichen auf Einigung, steigt der Sterling. Sieht es hingegen nach einem ungeordneten Brexit aus, fällt der Kurs. Im Juli ist das Pfund gegenüber dem Dollar bereits mehr als zwei Prozent gefallen – eine Folge der Wahlkampfrhetorik bei den Tories.

Der Abwärtstrend am Dienstag verschärfte sich noch, nachdem der TV-Sender Sky News gemeldet hatte, Johnson erwäge eine Suspendierung des britischen Parlaments, um den Brexit am 31. Oktober sicherzustellen. Mehrere Abgeordnete hatten angekündigt, einen ungeordneten Brexit stoppen zu wollen – notfalls mit einem Misstrauensvotum in die neue Regierung. Dieser Plan würde vereitelt, wenn das Parlament keine Sitzungen abhalten könnte.

Eine Suspendierung des Parlaments wäre ein extremes Mittel. Der neue Premierminister müsste auch die Queen involvieren. Aus Johnsons Umfeld wurde ein solcher Plan daher umgehend dementiert. Doch er hatte es im Wahlkampf als Ultima Ratio nicht ausgeschlossen.

Die Brexit-Unsicherheit dürfte das Pfund noch monatelang belasten. Dass der neue Premierminister auch große Steuersenkungen angekündigt hat, um die Konjunktur anzukurbeln, geht daneben völlig unter. Die Anleger zweifeln, dass für Steuersenkungen überhaupt Geld da wäre, wenn die britische Konjunktur in die Rezession fällt.

Mehr: In einem Interview ließ Johnson durchblicken, nicht alle Fakten zum geplanten Brexit zu kennen. Auch ansonsten hinterließ er keinen guten Eindruck.

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