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„Hören Sie auf, noch mehr Ihrer eigenen Bürger in den Tod zu schicken“

WELT-Logo WELT vor 4 Tagen
US-Außenminister Antony Blinken hat ein Ende russischer Drohungen mit Atomwaffen gefordert. In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates sagte Blinken: „Wenn Russland aufhört zu kämpfen, ist der Krieg zu Ende. Wenn die Ukraine aufhört zu kämpfen, ist die Ukraine am Ende.“ Quelle: WELT © WELT US-Außenminister Antony Blinken hat ein Ende russischer Drohungen mit Atomwaffen gefordert. In einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates sagte Blinken: „Wenn Russland aufhört zu kämpfen, ist der Krieg zu Ende. Wenn die Ukraine aufhört zu kämpfen, ist die Ukraine am Ende.“ Quelle: WELT

Außenministerin Annalena Baerbock hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin aufgefordert, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu stoppen. „Dies ist ein Krieg, den Sie nicht gewinnen werden“, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York zur Lage in der Ukraine. Sie nannte Putin dabei nicht namentlich.

Zugleich verlangte sie: „Hören Sie auf, noch mehr Ihrer eigenen Bürger in den Tod zu schicken.“ Die geplanten Scheinreferenden in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten sollten genauso gestoppt werden wie der von Putin geführte Getreide-Krieg, der „den Hunger auf der ganzen Welt antreibt“.

Baerbock kritisierte den russischen Außenminister Sergej Lawrow, der die Sitzung des Sicherheitsrats direkt nach seiner Rede verlassen hatte. Es sei ein klares Zeichen, dass Lawrow zwar eine ganze Weile gesprochen, aber den Hunger, die Armut und die Folgen des Krieges auf der ganzen Welt nicht einmal erwähnt habe. Auf den Straßen von Moskau gebe es keine Schlangen von Freiwilligen, die sich dem Krieg in der Ukraine anschließen wollten, sagte Baerbock. „Was wir stattdessen sehen, sind mutige Männer, Frauen und sogar Kinder, die auf die Straße gehen, weil sie nicht Teil dieses Krieges gegen die Ukraine sein wollen“, ergänzte sie.

Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat Quelle: REUTERS © REUTERS Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat Quelle: REUTERS Russland hat nach Einschätzung des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba keinerlei Interesse an Friedensgesprächen Quelle: AFP/Michael M. Santiago © AFP/Michael M. Santiago Russland hat nach Einschätzung des ukrainischen Außenministers Dmytro Kuleba keinerlei Interesse an Friedensgesprächen Quelle: AFP/Michael M. Santiago

Die Ukraine und westliche Partner haben sich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen heftigen Schlagabtausch mit Russland geliefert. Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow trafen am Donnerstag erstmals seit Kriegsbeginn im mächtigsten UN-Gremium in New York aufeinander. Kuleba beschuldigte Moskau schwerer Kriegsverbrechen und mahnte, Russland könne den Krieg nicht gewinnen

Der ukrainische Außenminister wertete die Teilmobilisierung der russischen Armee angesichts jüngster militärischer Rückschläge für Moskau als Eingeständnis einer Niederlage. An Russland gewandt sagte er: „Du kannst 300.000 oder 500.000 Menschen einziehen, aber du wirst diesen Krieg nie gewinnen.“

Mehrere andere westliche Staaten verurteilten das russische Vorgehen bei der Sitzung ebenfalls scharf. Die Chefdiplomaten Chinas und Indiens riefen zu Verhandlungen und Dialog auf – ohne sich aber klar gegen Russland zu stellen.

Lawrow wirft Westen Einmischung in der Ukraine vor

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat dem Westen in seiner Rede zuvor wegen dessen Waffenlieferungen und der Unterstützung für Kiew eine direkte Einmischung in den Krieg in der Ukraine vorgeworfen. „Diese Politik, Russland zu zermürben und zu schwächen, bedeutet die direkte Einmischung des Westens in den Konflikt und macht sie zu einer Konfliktpartei“, sagte Lawrow am Donnerstag in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York zur Lage in der Ukraine.

Die Position jener Staaten, „die die Ukraine mit Waffen vollpumpen und ihre Soldaten ausbilden“ sei besonders zynisch, ergänzte er. Das Ziel dieser Unterstützung sei offensichtlich, die Kämpfe „trotz der Opfer und der Zerstörung so lange wie möglich hinauszuzögern“, sagte er weiter. Russland begann seinen Angriffskrieg gegen das Nachbarland vor fast sieben Monaten.

Lawrow hat nach seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat den Saal direkt wieder verlassen. Lawrow war zuvor knapp 90 Minuten zu spät zu dem Treffen des mächtigsten UN-Gremiums zum Ukraine-Krieg mit zahlreichen Außenministerinnen und Außenministern.

Sergej Lawrow (r.), Außenminister von Russland, bei seiner Rede während einer hochrangigen Sitzung des Sicherheitsrates Quelle: dpa/Mary Altaffer © dpa/Mary Altaffer Sergej Lawrow (r.), Außenminister von Russland, bei seiner Rede während einer hochrangigen Sitzung des Sicherheitsrates Quelle: dpa/Mary Altaffer

Der britische Außenminister James Cleverly hat sich im UN-Sicherheitsrat „nicht überrascht“ vom Verhalten seines russischen Amtskollegen Sergej Lawrow gezeigt, der den Saal bei einem Treffen zur Ukraine zuvor zu spät betreten und dann direkt nach seiner Rede wieder verlassen hatte. „Er hat den Saal verlassen“, sagte Cleverly dem Gremium am Donnerstag in New York. „Ich bin nicht überrascht.“ Er glaube nicht, dass Lawrow sich die kollektive Verurteilung seines Landes in dem Gremium anhören wolle.

Cleverly sprach bei dem Treffen direkt nach Lawrow. Sein russischer Amtskollege habe erneut einen „Katalog von Verzerrung, Unehrlichkeit und Desinformation“ verbreitet, sagte Cleverly. „Aber wir haben wieder durch ihn durch gesehen.“

Blinken: Atomdrohungen aus Russland müssen sofort aufhören

US-Außenminister Antony Blinken hat die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats in seiner Rede zuvor aufgerufen, von Russland ein unverzügliches Ende der nuklearen Drohungen einzufordern. Zum Auftakt der Sitzung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine am Donnerstag erklärte er, jedes Ratsmitglied müsse „eine klare Botschaft senden, dass diese rücksichtslosen Nukleardrohungen unverzüglich aufhören müssen.“

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Mittwoch in einer Fernsehansprache die Mobilisierung von 300 000 Reservisten für den Angriffskrieg gegen die Ukraine angekündigt. Putin sagte dabei auch: „Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht wird, werden wir zum Schutz Russlands und unseres Volkes unbedingt alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Das ist kein Bluff.“ Beobachter sahen darin eine Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen.

Blinken beklagte, Putin habe sich entschieden, seinen Krieg nicht zu beenden, sondern zu auszubauen, seine Truppen nicht abzuziehen, sondern noch aufzustocken, Spannungen nicht abzubauen, sondern die Lage zu eskalieren.

„Dass Präsident Putin diese Woche, in der der größte Teil der Welt bei den Vereinten Nationen versammelt ist, gewählt hat, um das Feuer, das er gelegt hat, weiter anzuheizen, zeigt seine völlige Verachtung für die UN-Charta, für die Generalversammlung und für diesen Rat“, sagte der US-Außenminister. „Die internationale Ordnung, zu deren Wahrung wir uns hier versammelt haben, wird vor unseren Augen zerschlagen. Wir können und werden nicht zulassen, dass Präsident Putin damit durchkommt.“

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