Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Israel verschärft Angriffe gegen die Hamas im Gazastreifen

WELT-Logo WELT 14.05.2021

Israels Armee hat in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf Ziele der Hamas im Gazastreifen noch verschärft. Anders als ursprünglich gemeldet sind israelische Soldaten jedoch nicht in das Gebiet vorgedrungen.

Seit Montagabend wurden aus dem Gazastreifen mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen noch verschärft. „Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an“, teilte die israelische Armee bei Twitter mit. Quelle: WELT © WELT Seit Montagabend wurden aus dem Gazastreifen mehr als 1600 Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Armee hat ihre Angriffe auf den Gazastreifen noch verschärft. „Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an“, teilte die israelische Armee bei Twitter mit. Quelle: WELT

Nach fortwährenden Raketenangriffen militanter Palästinenser hat Israels Armee in der Nacht zum Freitag ihre Angriffe auf den Gazastreifen noch verschärft.

Israelische Soldaten sind nach Angaben der Armee aber doch nicht in den Gazastreifen vorgedrungen. Im Gazastreifen seien „keine Soldaten“, teilte die Armee in der Nacht zum Freitag mit. Entsprechende vorherige Angaben seien auf ein internes Kommunikationsproblem zurückzuführen, erläuterte ein Armeesprecher laut der Nachrichtenagentur AFP diese „Klarstellung“.

Zuvor hatte die israelische Armee über Twitter mitgeteilt, „Luft- und Bodentruppen greifen gegenwärtig im Gazastreifen an“.

Nach Angaben des Armeesprechers starteten in der Nacht 160 „Luftfahrzeuge“ von zwölf Geschwadern. Ihr Einsatz dauerte demnach rund 40 Minuten. Kein israelischer Soldat habe den Gazastreifen betreten.

Ziel des komplexen Angriffs sei ein Tunnelsystem der Hamas in dem Küstengebiet gewesen. Es werde „Metro“ genannt. Dabei handele es sich um eine Art „Stadt unter der Stadt“. Die Hamas habe Jahre in den Bau des Tunnelsystems investiert. Der Grad der Zerstörung sei noch unklar. Zur Unterstützung feuerten unter anderem Panzer von israelischer Seite auf Ziele im Gazastreifen.

Während Luftangriffen in Gaza explodiert eine Rakete während der Nacht © dpa/Mahmoud Khattab Während Luftangriffen in Gaza explodiert eine Rakete während der Nacht

Nach Angaben des israelischen Militärs feuerte die Hamas bislang 1800 Raketen auf Israel ab. Rund 430 davon seien noch in dem Küstengebiet niedergegangen, sagte Sprecher Jonathan Conricus. Die Erfolgsquote des Abfangsystems Eisenkuppel („Iron Dome“) hat das Militär zuletzt im Schnitt mit rund 90 Prozent angegeben.

Die israelische Armee bombardierte ihrerseits rund 600 Mal Ziele im Gazastreifen. Die Eskalation löste international Befürchtungen eines erneuten Krieges im Nahen Osten aus.


Video: Mehrere Hamas-Anführer bei israelischen Angriffen getötet (AFP)

Video wiedergeben

In der Nacht zum Freitag gab es Artilleriegefechte zwischen Israelis und Palästinensern. Über der dicht besiedelten Stadt Gaza stiegen Feuerbälle auf, wie AFP-Reporter berichteten. Aus dem Gazastreifen wurden erneut Dutzende Raketen auf die südisraelischen Küstenstädte Aschdod und Aschkelon sowie in die Umgebung des Ben-Gurion-Flughafens von Tel Aviv abgefeuert.

Das israelische Fernsehen berichtete von massiven Angriffen der Luftwaffe sowie der Artillerie und Panzertruppen auf den Küstenstreifen. Das israelische Fernsehen berichtete, es sei der heftigste und breiteste Angriff im Gazastreifen seit Beginn der Eskalation am Montag. Die Armee rief Israelis in den Grenzorten, die bis zu vier Kilometer entfernt vom Gazastreifen leben, dazu auf, sich bis auf Weiteres in Schutzräume zu begeben.

Zudem seien aus dem Süden des Nachbarlandes Libanon drei Raketen auf Israel abgefeuert worden, teilte die israelische Armee mit.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte zu den Angriffen: „Ich habe gesagt, dass Hamas einen sehr hohen Preis zahlen wird.“ Man werde die Angriffe „mit großer Intensität fortsetzen“, sagte er in einer Videobotschaft. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, und diese Operation wird so lange wie nötig weitergehen.“

Verteidigungsminister Benny Gantz hatte zuvor angesichts der Eskalation die Mobilisierung von weiteren 9000 Reservisten genehmigt. Vor zwei Tagen hatte die Armee bereits 5000 Reservisten mobilisiert.

Maas wirft Hamas im Gazastreifen „Raketenterror“ vor

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warf der radikal-islamischen Hamas eine bewusste Eskalation des Nahost-Konflikts mit „Raketenterror“ gegen Israel vor. „Wenn über 1000 Raketen auf israelische Städte abgeschossen werden, dann ist das schon eine besondere Dimension“, sagte Maas der „Saarbrücker Zeitung“. „In einer solchen Lage muss sich Israel verteidigen können.“

Die Hamas habe „in einer ohnehin schon angespannten Situation die Lage mit dem Raketenterror bewusst und massiv eskaliert – mit entsetzlichen Folgen für Israelis und Palästinenser“, sagte Maas. Nun müsse verhindert werden, „dass sich nun, nach Ende des Ramadans, die Situation noch einmal verschlechtert“. „Wir blicken kritischen Tagen entgegen“, warnte der Außenminister.

Maas forderte zugleich Israel und die Palästinenser auf, sich nach Jahren wieder an einen Tisch zu setzen, um direkt zu verhandeln. Angesichts des ungelösten Nahost-Konflikts reichten „kleine Provokationen“, um Gewalt zu entfachen. „Das wird nicht aufhören, solange es keine politische Lösung gibt“, warnte Maas. Um eine solche politische Lösung habe man sich „in den letzten Jahren viel zu wenig bemüht“.

Sicherheitsratssitzung nun am Sonntag

Nach Einwänden der USA wird eine zunächst für Freitag angedachte Sitzung des UN-Sicherheitsrats zur eskalierenden Gewalt in Nahost nun am Sonntag abgehalten. Dies teilte die amerikanische UN-Botschafterin Linda Thomas-Greenfield am Donnerstagabend in New York mit. Die Vereinigten Staaten hatten zuvor um eine Verschiebung gebeten, weil diplomatische Bemühungen andauerten und die geplante offene Sitzung diese nach Ansicht Washingtons hätte untergraben können.

Der Sicherheitsrat hatte sich diese Woche bereits zweimal wegen der Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern getroffen. Die USA – der wichtigste Verbündete Israels – hatte eine gemeinsame Stellungnahme des Gremiums bislang verhindert.

| Anzeige
| Anzeige

Die Welt

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon