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Mordfall Ján Kuciak: Slowakische Ex-Staatssekretärin Jankovska gibt Beeinflussung der Justiz zu

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 26.11.2020 Benedikt Herber

Im September war der slowakische Unternehmer Marian Kocner im Mordfall des Journalisten Ján Kuciak freigesprochen worden. Jetzt hat die Ex-Staatsanwältin Monika Jankovska ausgesagt: Sie half Kocner vor Gericht.

© RADOVAN STOKLASA / REUTERS

Am Rande des Journalistenmord-Prozesses in der Slowakei hat die ehemalige Justiz-Staatssekretärin Monika Jankovska gestanden, für den Unternehmer Marian Kocner mehrere Gerichtsverfahren beeinflusst zu haben.

Kocner ist angeklagt, den Mord am Investigativ-Journalisten Jan Kuciak im Februar 2018 in Auftrag gegeben zu haben. Die seit März in Untersuchungshaft sitzende Ex-Richterin Jankovska habe auf eigenen Wunsch vor Polizei-Ermittlern ausgesagt, teilte ihr Anwalt den Medien mit.

Seine Mandantin bedauere, als Richterin und Staatssekretärin andere Richter zu falschen Entscheidungen veranlasst zu haben, erklärte der Anwalt laut Deutscher Presse-Agentur.

Ob ein den Medien zugespieltes Vernehmungsprotokoll echt sei, wisse er jedoch nicht. Laut diesem bestritt Jankovska den Vorwurf, sie habe Geld dafür genommen, dass sie Richter in Kocners Betrugsprozessen umstimmte. Sie habe stattdessen aus Freundschaft gehandelt und geglaubt, Kocner sei im Recht.

Kuciak hatte ausführlich über Kocners zwielichtige Geschäfte, aber auch über andere Verfilzungen von Politik, Justiz und Geschäftemacherei berichtet. Am 21. Februar 2018 wurde der Journalist gemeinsam mit seiner Verlobten Martina Kusnirova erschossen. Nach diesem Doppelmord führten Massendemonstrationen gegen Korruption zum Rücktritt der damaligen sozialdemokratischen Regierung unter Ministerpräsident Robert Fico.

Kocner wurde überraschend freigesprochen

Seither wurden außer Jankovska mehr als ein Dutzend Richter, Staatsanwälte und ehemalige Polizeichefs unter Korruptionsverdacht verhaftet. Am 3. September wurde Kocner im Mordfall Kuciak überraschend aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Mitte Dezember beginnt vor dem Obersten Gericht in Bratislava das von der Staatsanwaltschaft beantragte Berufungsverfahren.

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