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Neue Vorwürfe gegen Carsten Rentzing

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 13.10.2019 RP ONLINE

 Carsten Rentzing (Archivbild). Carsten Rentzing (Archivbild).

Dresden/Leipzig. Nach dem angekündigten Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing sind neue Vorwürfe gegen den evangelischen Theologen öffentlich geworden. Er soll für eine rechtsnationale Zeitschrift geschrieben haben.

Rentzing habe vor längerer Zeit in einer rechtsnationalistischen Redaktionsgruppe für die Zeitschrift „Fragmente“ mitgearbeitet, sagte der Leipziger Pfarrer Frank Martin dem Evangelischen Pressedienst am Samstag. Die Zeitschrift habe von 1989 bis 1992 bestanden und sich an ein sogenanntes „rechtsintellektuelles Publikum“ gerichtet.

Rentzing habe mehrere Texte für das Medium verfasst, sagte Martin, der einer der Initiatoren einer Petition gegen den Bischof ist. Die sächsische Landeskirche bestätigte auf epd-Anfrage die Existenz der Texte. Landeskirchensprecher Matthias Oelke sagte, er wisse davon, dass Texte kursieren, kenne aber deren Inhalte nicht. Der Bischof, der sich derzeit im Urlaub befindet, hat sich bisher dazu nicht offiziell erklärt. Die Rücktrittsankündigung hat auch im Internet unter dem Hashtag #rentzing eine Debatte ausgelöst.

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Der 52-jährige Rentzing hatte am Freitagabend überraschend mitgeteilt, dass er sein Amt nach vier Jahren an der Spitze der Landeskirche „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ niederlegen wolle, „um Schaden von meiner Kirche abzuwenden“. Zugleich betonte er, Positionen, die er vor 30 Jahren vertreten habe, teile er heute nicht mehr. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bedauerte den Schritt. Die Ankündigung habe ihn überrascht und „Betroffenheit und großes Bedauern“ bei ihm ausgelöst, erklärte Bedford-Strohm.

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, erklärte, er nehme die Entscheidung mit „tiefem Bedauern und großem Respekt“ zur Kenntnis. Der sächsische Bischof ist bislang sein Stellvertreter. Auch der Berliner Bischof Markus Dröge äußerte „großen Respekt“ vor Rentzings Entscheidung, das Bischofsamt niederzulegen, „weil ihm offenbar deutlich geworden ist, dass die unterschiedlichen theologischen und politischen Positionen in seiner Landeskirche durch seine Person nicht zu einen“ seien. Er habe Rentzing, „dessen Landeskirche mit unserer durch die regionalen Überschneidungen von Sachsen und der schlesischen Oberlausitz verbunden ist, als einen zugewandten Mann kennen und schätzen gelernt“, sagte Dröge dem epd am Samstag.

Rentzings Rücktrittsankündigung war anhaltende Kritik an seiner Person vorausgegangen. Der als konservativ geltende Theologe lehnt unter anderem die Segnung homosexueller Paare ab. Zuletzt war bekanntgeworden, dass er Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung im Coburger Convent ist, in der es eine Verpflichtung zu Fechtduellen gibt. In der Kritik steht er auch, weil er 2013 einen Vortrag in der Berliner „Bibliothek des Konservatismus“ gehalten hat, die dem Umfeld der Neuen Rechten zugeordnet wird.

Voraussetzung für einen Rücktritt sei, dass die Kirchenleitung dem zustimme, sagte Oelke dem epd. Für Zeiten, in denen kein Bischof vor Ort sei, gebe es eine Vertretungsregelung. Nach Angaben von Synodenpräsident Otto Guse wird noch die aktuelle Synode den neuen Bischof wählen. Die nächste Tagung ist für Mitte November terminiert. Möglicherweise wird eine Sondersynode zur Bischofswahl einberufen. Die neue Landessynode konstituiert sich erst im Sommer 2020.

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