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Nordkreuz führte Todeslisten mit Namen aus ganz Deutschland

WELT-Logo WELT 06.07.2019
Angesichts der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke sind viele Deutsche über den Einfluss des Rechtsextremismus besorgt. Im aktuellen ARD-“Deutschlandtrend“ äußern 67 Prozent die Sorge, Rechtsextremisten könnten den Staat verändern. Quelle: WELT © WELT Angesichts der Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke sind viele Deutsche über den Einfluss des Rechtsextremismus besorgt. Im aktuellen ARD-“Deutschlandtrend“ äußern 67 Prozent die Sorge, Rechtsextremisten könnten den Staat verändern. Quelle: WELT

Die rechtsextremistische Gruppe Nordkreuz hat offenbar politisch motivierte Morde in ganz Deutschland geplant. Das Netzwerk habe auf seinen Todeslisten Namen und Adressen von politischen Gegnern bundesweit gesammelt, berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) unter Verweis auf Vernehmungsprotokolle des Bundeskriminalamtes (BKA).

Demnach geht die Bundesanwaltschaft davon aus, dass die Rechtsextremisten aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg nicht nur Daten von Personen aus ihren Regionen sammelten. Laut den Angaben verfügt Nordkreuz demnach über mindestens zwei weitere Ableger: Südkreuz und Westkreuz. Auch in und um Berlin soll eine Unterstützergruppe tätig sein.

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In Akten und auf elektronischen Datenträgern, die bei Durchsuchungen von Nordkreuz-Mitgliedern im August 2017 und April 2018 in Mecklenburg-Vorpommern sichergestellt wurden, sind demnach Namen und Adressen von fast 25.000 politischen Gegnern aus dem gesamten Bundesgebiet verzeichnet. Südkreuz und Westkreuz verfügen nach bisherigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden über keine eigenen Listen.

Nach RND-Informationen hat Nordkreuz überwiegend Daten von Personen aus dem linken politischen Spektrum gesammelt. Die meisten von ihnen hätten sich positiv über Geflüchtete und Asylsuchende geäußert. Bislang war angenommen worden, Nordkreuz habe sich auf Personen im direkten Umfeld seiner gut 30 Angehörigen beschränkt.

Nach Einschätzung von Ermittlern planten die Rechtsextremisten, politische Gegner gezielt zu töten. Diesen Verdacht hätten zwei Vernehmungen eines der Nordkreuz-Angehörigen durch das BKA erhärtet. So habe Horst S., ehemals Vizechef im Bundeswehrreservistenverband Mecklenburg-Vorpommern, ausgesagt, die Listen mit „linken Persönlichkeiten“ hätten dem Ziel gedient, diese „im Konfliktfall“ zu liquidieren.

Polizeibeamte führen einen mutmaßliche Rechtsterroristen am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor © dpa/Christoph Schmidt Polizeibeamte führen einen mutmaßliche Rechtsterroristen am Bundesgerichtshof in Karlsruhe vor

Laut den Vernehmungsprotokollen des BKA plante ein weiteres Nordkreuz-Mitglied, der Rostocker Rechtsanwalt Jan Hendrik H., seine Kameraden ab dem „Tag X“ mit Passierscheinen auszustatten, um schneller in die „Einsatzgebiete“ für die anvisierten Liquidierungen zu kommen. Die Passierscheine sollten mit Stempeln und auf Kopfbögen der Bundeswehr ausgestellt werden.

Munition und Maschinenpistole gehortet

Der Gründer der rechten Prepper-Gruppe Nordkreuz, der SEK-Beamte Marko G., sitzt seit Mitte Juni in Untersuchungshaft. Zusammen mit drei weiteren Polizisten soll er Munition aus Polizeibeständen entwendet und Tausende Patronen gehortet haben. Eine bei Marko G. sichergestellte Maschinenpistole vom Typ Uzi stammte jedoch nicht aus LKA-, sondern aus Bundeswehrbeständen, wie das RND aus Ermittlerkreisen erfuhr. Demnach führt das LKA Mecklenburg-Vorpommern keine Waffen dieses Typs in seinem Bestand. Die Uzi soll vor etwa 15 Jahren aus Beständen der Truppe gestohlen worden sein.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit August 2017 gegen Mitglieder des Netzwerks wegen des Verdachts der Vorbereitung einer terroristischen Straftat.

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