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Norwegischer Tanker in Flammen – Frachter von deutscher Reederei in Not

WELT-Logo WELT 13.06.2019
Viele Fraktionen wollen die Straße von Hormus offen halten. Es steht einiges auf dem Spiel. Der Ölpreis ist sofort nach oben geschnellt. „Es könnte sein, dass jemand versucht, den Verdacht auf den Iran zu lenken“, sagt Nahost-Experte Daniel Gerlach. Quelle: WELT © WELT Viele Fraktionen wollen die Straße von Hormus offen halten. Es steht einiges auf dem Spiel. Der Ölpreis ist sofort nach oben geschnellt. „Es könnte sein, dass jemand versucht, den Verdacht auf den Iran zu lenken“, sagt Nahost-Experte Daniel Gerlach. Quelle: WELT

Die Rede ist von insgesamt fünf Explosionen: Zwei Tanker sind im Golf von Oman in Seenot geraten. Norwegen bestätigte einen Angriff auf den Öltanker „Front Altair“. Der zweite betroffene Frachter gehört einer Hamburger Reederei.

Im Golf von Oman sind zwei Tanker in Brand geraten. Die norwegische Seefahrtsbehörde bestätigte einen Angriff auf den Öltanker „Front Altair“ im Golf von Oman. Das unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Schiff sei am frühen Morgen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran attackiert worden, teilte die Behörde am Donnerstag mit.

Es sei von drei Explosionen an Bord berichtet worden, das Schiff brenne. Rettungskräfte seien im Einsatz. An Bord der „Front Altair“ sollen sich 75.000 Tonnen Naphtha befinden. Die 5. US-Flotte meldete zunächst, das Schiff treibe brennend in dem Gebiet kurz vor der viel befahrenen Straße von Hormus, die in den Persischen Golf führt.

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Inzwischen ist die „Front Altair“ laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA im Golf von Oman gesunken. Die 23 Besatzungsmitglieder seien von einem iranischen Schiff aufgenommen worden. Insgesamt seien 44 Seeleute in einen iranischen Hafen gebracht worden.

Laut Daten des Schiff-Trackingdienstes „Marinetraffic“ war der Tanker unterwegs nach Taiwan.

Hamburger Reeder meldet Evakuierung

Bei dem zweiten Schiff handelt es sich um den Tanker „Kokuka Courageous“ der japanischen Reederei Kokuka Sangyo, der mit Methanol beladen ist. Die Hamburger Reedereigruppe Bernhard Schulte Shipmanagement teilte in Singapur mit, das Schiff sei bei einem mutmaßlichen Angriff beschädigt und daraufhin evakuiert worden. Eines der 21 Besatzungsmitglieder sei leicht verletzt worden, erklärte ein Sprecher. Kokuka-Sangyo-Präsident Yutaka Katada ergänzte später in einer Pressekonferenz, das Schiff sei innerhalb von drei Stunden am frühen Donnerstagmorgen zwei Mal getroffen worden.

Flammen schlagen aus dem Tanker: Die Crew wurde kurz nach dem Zwischenfall 6 Uhr morgens nach einem Notruf in Sicherheit gebracht © AP Flammen schlagen aus dem Tanker: Die Crew wurde kurz nach dem Zwischenfall 6 Uhr morgens nach einem Notruf in Sicherheit gebracht

Nach Angaben der Hamburger Reedereigruppe besteht keine Gefahr, dass das Schiff sinkt. Die Ladung sei „intakt“. Der Schaden sei auf der Steuerbordseite im hinteren Teil des Frachters, sagte der Sprecher. Die 21 Seeleute seien alle mit einem Rettungsboot auf ein anderes Schiff gebracht worden, die „Coastal Ace“. Der leicht verletzte Seemann habe dort Erste Hilfe bekommen. Bei den Seeleuten handele es sich ausnahmslos um Philippiner. Deutsche seien keine an Bord gewesen, sagte der Sprecher.

Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden Quelle: Infografik WELT/Claudia Weidner © Infografik WELT/Claudia Weidner Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden Quelle: Infografik WELT/Claudia Weidner

Der Zwischenfall ereignete sich diesen Angaben zufolge in etwa 70 Seemeilen Entfernung vom arabischen Emirat Fudschairah und etwa 14 Seemeilen entfernt von der iranischen Küste. Weiterer Anrainer der dortigen Meerenge ist das arabische Sultanat Oman. In der Region gibt es zunehmende Spannungen zwischen dem Iran auf der einen und Saudi-Arabien und den USA auf der anderen Seite. Erst Mitte Mai waren vier Öltanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate attackiert worden

Womit die Tanker mutmaßlich angegriffen wurden, ist noch unklar. Der Öltanker „Front Altair“ sei von einem Torpedo getroffen, berichtete die Schifffahrtszeitung „Tradewinds“ unter Berufung auf Branchenkreise. Laut einem anderen Insider könnte das Schiff auch von einer Seemine getroffen worden sein.

Iran nennt Angriffe „mehr als verdächtig“

Der Iran kündigte Untersuchungen an. Mehrere Expertenteams seien mit Hubschraubern über das Seegebiet geflogen, in dem es Explosionen gegeben habe, so ein Sprecher der Rettungsabteilung der iranischen Flotte in der Hormusgan Provinz in Südiran.

Der iranische Außenminister Dschavad Sarif twitterte: „Verdächtig beschreibt nicht einmal annähernd, was sich wahrscheinlich heute morgen zutrug.“ Er verwies auf den zeitlichen Zusammenhang zwischen den „Berichten über Angriffe auf Tanker mit Japan-Bezug“ und einen Treffen zwischen dem japanischen Premierminister Shinzo Abe und Irans Ajathollah Ali Chamenei. Abe war in Teheran, um zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln.

Eine britische Schifffahrtsorganisation hatte zuvor zu „äußerster Vorsicht“ im Arabischen Meer geraten. Ausdrücklich wiesen die von der britischen Marine betriebenen United Kingdom Maritime Trade Operations auf die Spannungen zwischen dem Iran und den USA hin. Die britische UK MTO mit Sitz in Dubai koordiniert Informationen über den Verkehr von Handelsschiffen im Arabischen Meer; ursprünglich, um somalische Piraten zu bekämpfen.

Ein vom Rundfunk der Islamischen Republik Iran (IRIB News) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt, wie nach einem Angriff Rauch aus dem Öltanker "Front Altair" aufsteigt Quelle: dpa/- © dpa/- Ein vom Rundfunk der Islamischen Republik Iran (IRIB News) zur Verfügung gestelltes Foto zeigt, wie nach einem Angriff Rauch aus dem Öltanker "Front Altair" aufsteigt Quelle: dpa/-

Nach den früheren Angriffen hatte Saudi-Arabien den Iran und von ihm unterstützte Kräfte verantwortlich gemacht. US-Sicherheitsberater John Bolton sprach später von Angriffen mit Seeminen, für die „fast sicher“ der Iran verantwortlich sei. Beweise für seine Anschuldigung legte er nicht vor. Die Regierung in Teheran wies den Vorwurf zurück und sprach von „lächerlichen Behauptungen“.

Das norwegische Seefahrtsamt erhöhte seine Sicherheitsstufe für das betroffene Gebiet. „Wegen der Angriffe und der unklaren Umstände“ rate man unter norwegischer Flagge fahrenden Schiffen, sich von iranischen Territorialgewässern deutlich fernzuhalten, erklärte die Behörde am Donnerstag.

Die EU hat rief nach den schweren Zwischenfällen zu besonnenem Handeln auf. „Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen“, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini am Donnerstag in Brüssel. Äußerste Zurückhaltung und das Unterlassen jeglicher Provokationen seien nun angebracht.

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