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Skandal in Spanien : Wegen Vergewaltigung angeklagt: Gericht spricht fünf Männer frei – weil das Opfer bewusstlos war

stern-Logo stern 01.11.2019 ivi
"Nein heißt Nein", steht auf den Plakaten der Demonstranten, die zur Unterstützung des Mädchens, das von fünf Männern vergewaltigt wurde, auf die Straße gehen © Picture Alliance/Jesus Merida "Nein heißt Nein", steht auf den Plakaten der Demonstranten, die zur Unterstützung des Mädchens, das von fünf Männern vergewaltigt wurde, auf die Straße gehen

Weil ein 14-jähriges Mädchen bewusstlos war und seinen Peinigern keinen Widerstand leisten konnte, sprach ein Gericht in Barcelona fünf Männer des Vorwurfs der Vergewaltigung frei. Stattdessen müssen sie sich nur wegen sexueller Belästigung verantworten. 

Ein Gericht in Barcelona hat fünf Männer des Vorwurfs freigesprochen, ein 14-jähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Weil das Opfer sich in einem "bewusstlosen Zustand" befunden habe, hätten die Angeklagten keine Gewalt anwenden müssen, um sich an der Minderjährigen zu vergehen, so die Begründung des Urteils, berichtet unter anderem BBC. Nach spanischem Recht könne man nur von sexuellem Missbrauch sprechen, wenn das Opfer körperlich oder psychisch dazu gezwungen wird, hieß es weiter. Das Opfer habe sich aufgrund von Alkohol- und Drogeneinfluss jedoch nicht gewehrt. 

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Statt die fünf Angeklagten wegen Vergewaltigung schuldig zu sprechen, verurteilten sie die Richter wegen sexueller Belästigung. Dafür bekamen die Männer Haftstrafen zwischen zehn und zwölf Jahren. Eine Verurteilung wegen Vergewaltigung hätte Freiheitsstrafen zwischen 15 und 20 Jahren bedeutet. 

"Du bist an der Reihe"

Der Übergriff ereignete sich im Oktober 2016 während einer Party in einer stillgelegten Fabrik in Manresa, einer Stadt im Nordosten Kataloniens. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die fünf Männer - zwei Spanier, zwei Kubaner und ein Argentinier - sich abwechselnd an dem bewusstlosen Mädchen vergangenen haben. "Du bist an der Reihe. Du hast 15 Minuten und keine Überziehungen", soll einer der Angeklagten den Beteiligten gesagt haben, berichteten die Staatsanwälte.

Das Mädchen selbst sagte aus, dass es sich nur an wenig aus dieser Nacht erinnere. Einer der Männer habe jedoch eine Waffe gehabt.

Das Gericht entschied daher, dass das Opfer "nicht wusste, was es tat und war folglich nicht in der Lage, den sexuellen Handlungen" zuzustimmen oder Widerstand zu leisten, zitiert die spanische Zeitung "El Pais" die Richter.

Empörung unter Bürgern und Politikern 

Das Urteil sorgt in Spanien für Empörung. Barcelonas Bürgermeisterin, Ada Colau, zeigte sich schockiert. "Ich bin keine Richterin, doch was ich weiß ist, dass es sich definitiv um eine Vergewaltigung handelt", twitterte sie. Frauenrechtsgruppen haben auf das Urteil ebenfalls mit Wut und Bestürzung reagiert. Unter den Hashtags #JusticiaPatriarcal (Patriarchalische Justiz) und #NoEsAbusoEsViolacion (Es ist keine Belästigung, sondern Vergewaltigung) äußern aufgebrachte Spanier ihren Unmut. 

Die Vorsitzende der Más-País-Partei, Íñigo Errejón, sagte, das Urteil sei "beschämend". Irene Montero, Sprecherin der Vereinigung der spanischen Linken Unidas Podemos, forderte unterdessen eine Gesetzesänderung, "damit wir stolz davon sprechen können, in einem feministischen Land zu leben". Aktivisten rufen nun zu Protesten gegen die Gerichtsentscheidung am kommenden Samstag auf. 

Ähnliche Tat in Pamplona 

Es ist nicht das erste Urteil dieser Art, das in Spanien eine Welle der Empörung auslöst. 2016 hatte in Pamplona eine Gruppe von fünf Männern eine 18-jährige Frau verschleppt und vergewaltigt. Da das Opfer sich laut des Polizeiberichts "passiv" verhalten hätte, urteilte ein Gericht, dass keine Gewalt oder Einschüchterung für die Tat benutzt worden sei und es sich deswegen lediglich um sexuelle Belästigung handele. Im vergangenen Juni hob der spanische Oberste Gerichtshof diese Entscheidung jedoch auf und verurteilte die Männer wegen Vergewaltigung. 

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