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Stimmung in den Parteizentralen: Jubel und Enttäuschung sind sich ganz nah – Eindrücke unserer Reporter von den Wahlpartys

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 26.09.2021 Delhaes, Daniel Krolle, Hannah Greive, Martin Kersting, Silke Wermke, Isabelle Stiens, Teresa
Das Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend – inklusive Schatten von Spitzenkandidat Armin Laschet. © dpa Das Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend – inklusive Schatten von Spitzenkandidat Armin Laschet.

Bedrückende Stille bei der Union, erst Jubel, dann Anspannung bei SPD und Grünen, Vorfreude bei der FDP: Kaum eine Partei kann ausgelassen feiern. Die Reaktionen der Partygäste sind vielsagend.

Auch mehrere Stunden nachdem die Wahllokale geschlossen haben, ist die Bundestagswahl 2021 noch nicht entschieden. Die Stimmung in den Parteien hat fast mehr Aussagekraft als die nackten, vorläufigen Zahlen. Kaum ein Laut bei der Union, die Sozialdemokraten schwanken zwischen Jubel und Anspannung, die Grünen trösten sich mit dem Achtungserfolg im Abgeordnetenhaus der Hauptstadt. Ein Blick in die Berliner Parteizentralen.

CDU: Die Macht entgleitet

So still ist es im Konrad-Adenauer-Haus für gewöhnlich nur an Wochenenden oder in der Ferienzeit. An diesem historischen Abend aber, an dem die CDU das Ende der Ära Angela Merkel mit dem neuen Aufbruch unter Armin Laschet feiern wollte, stehen sie im Atrium vor der Bühne und lehnen im ersten, zweiten und dritten Stock an den Balustraden und starren lautlos auf die Leinwand.

25 Prozent erreicht die Union bei dieser Bundestagswahl 2021, so wenig wie noch nie in ihrer Geschichte. Die SPD kommt ebenfalls auf 25 Prozent. Jubel, der sich anhört wie echte Freude und Erleichterung, kommt erst auf, als die Prognosen der ARD zeigen, dass es für Rot-Rot-Grün nicht reicht.

Zu denen, die lange applaudierten, gehört Astrid Hamker. Die Chefin des Wirtschaftsrats der CDU, sieht nicht die Niederlage. Sie hält es wie CSU-Generalsekretär Markus Blume: „Linksrutsch verhindern, dieses Ziel ist erreicht“, verkündet er gleich nach der ersten Prognose. Er zeigt sich sogar zu dem bereit, auf das Hamker und der gesamte Wirtschaftsflügel der Union setzt: einem „bürgerlichen Bündnis“, ganz gleich ob die Union Platz eins oder zwei belegt.

Vor der CDU-Zentrale in Berlins Mitte am Tag des zweiten Abschieds von Angela Merkel stehen Übertragungswagen wie auf einer Perlenkette gereiht. Übergroß prangt das finale Wahlplakat am Konrad-Adenauer-Haus: Das Konterfei von ebenjenem ersten deutschen Kanzler der Union, vom Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, von Angela Merkel – und von Armin Laschet.

Das Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend – inklusive Schatten von Spitzenkandidat Armin Laschet. © dpa Das Konrad-Adenauer-Haus am Wahlabend – inklusive Schatten von Spitzenkandidat Armin Laschet.

Merkels erster Abschied fand im Dezember 2018 statt, als sie den Parteivorsitz an Annegret Kramp-Karrenbauer abgab. Nun hat Armin Laschet das Wahlergebnis zu verantworten. Der dritte Abschied soll der werden, an dem Armin Laschet vor dem Deutschen Bundestag als nächster Kanzler vereidigt wird.

Zwei Stunden bevor die erste offizielle Prognose im TV verkündet wird, laufen viele Menschen an der Parteizentrale entlang. Sie alle tragen eine Plakette um den Hals und eine Startnummer: Es sind die erfolgreichen Erschöpften, die sich vom Berlin-Marathon auf den Heimweg machen.

Auch Laschet hat da schon seinen Marathon hinter sich – er kennt bereits die ersten Nachwahlbefragungen, die nichts Gutes verheißen: Die SPD liegt auf Platz eins, die Union auf zwei. So schlecht haben CDU und CSU noch nie abgeschnitten. Allein eine gute Botschaft bleibt, über die die Gremien der Partei seit 16 Uhr beraten, hier in der Zentrale wie auch in den Landesvorständen: Für Rot-Rot-Grün reicht es hochwahrscheinlich nicht. Laschet könnte trotz Silbermedaille noch als Sieger den Wahlmarathon beenden. Er berät sich mit seinen Präsidiumsmitgliedern. Auch die Absprache mit der CSU steht schnell fest. „Wir sind bereit zu verhandeln“, sagt auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Dann die erste Hochrechnung: Die SPD liegt nun hauchdünn vor der Union, 24,9 haben die anderen, 24,7 Prozent Laschet und die CDU in der Hochrechnung. Rot-Rot-Grün bleibt immer noch außer Reichweite. Es ist die Zeit für Armin Laschet, auf die Bühne zu treten. Mit dabei sind Angela Merkel und 14 weitere führende Köpfe der CDU, Präsidiumsmitglieder und Vorstände, die ihrem Parteichef und Kanzlerkandidaten den Rücken stärken wollen.

„Das ist ein ganz besonderer Wahlabend“, beginnt er und dankt zunächst Kanzlerin Merkel. Es sei klar gewesen, dass es ein enges Ergebnis werde. „Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein“, räumt er ein. Nun gelte es, ein Dreierbündnis „unter Führung der Union zu bilden“.

Er will eine „Zukunftskoalition“ schmieden, die das Land modernisiere. „Dafür werde ich ab heute arbeiten“, kündigte er an. Dabei war er gleich zu Zugeständnissen bereit. „Jeder Partner muss sich mit seinen Schwerpunkten wiederfinden“, sagte er. „Bundeskanzler wird der, dem es gelingt, Gegensätze zu verbinden.“ Und: Dieser Bundeskanzler müsse ein Projekt entwickeln, das länger trägt als ein paar Wochen. Er müsse für alle da sein, die in Deutschland leben. „Zu dieser Aufgabe bin ich bereit“, sagte Laschet.

Danach sagte Karl-Josef Laumann, Präsidiumsmitglied, dem Handelsblatt: „Wenn man so viel verliert, wie wir verloren haben, ist es kein guter Abend für die CDU“, so der Chef des Arbeitnehmerflügels, der einst statt Laschet die CDU in Nordrhein-Westfalen anführen wollte. „Aber CDU und SPD liegen gleichauf, und jetzt wird derjenige in Deutschland Bundeskanzler, der unterschiedliche politische Standpunkte in einer Regierung zusammenführen kann. Und das ist eine Kernkompetenz meines Ministerpräsidenten Armin Laschet.“

In der Tat verschwinden Laschets Helfer gemeinsam wieder hinter der Bühne: dabei auch Jens Spahn, Paul Ziemiak, Silvia Breher und Monika Grütters. Laschet wird mit seinem Freund Cem Özdemir von den Grünen reden und auch mit seinem Freund Christian Lindner.

Er kann hoffen, dass es zu einem Jamaika-Bündnis kommt. Bernd Buchholz (FDP), Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, sagt zumindest an diesem Abend: „Bei uns in Schleswig-Holstein funktioniert Jamaika. Bevor es bei uns zu Koalitionsverhandlungen kam, haben FDP und Grüne miteinander gesprochen. Das war gut, und das würde ich auch für den Bund empfehlen“, sagte er dem Handelsblatt. Auf diesem Weg lasse sich vertrauensvoll vorab klären, wo die Gemeinsamkeiten liegen. „Wir wollen die Klimakrise überwinden, aber nicht mit einer rot-rot-grünen Regierung.“

Die Nacht legt sich über Berlin, während weiter offen bleibt, wer nun die Nase vorn haben wird. Und auch die Frage, ob die Linke womöglich noch am Sprung über die Fünfprozenthürde scheitert, bleibt ungeklärt. Es wäre ein Punktsieg mehr für die Union, um die Macht zu halten, die sie unter Angela Merkel 16 Jahre innehatte.

Nach den ersten Freudenschreien dominierte die Anspannung bei den Genossen. © dpa Nach den ersten Freudenschreien dominierte die Anspannung bei den Genossen.

SPD – Die Hoffnung auf Kanzler Scholz lebt

Als Olaf Scholz um kurz vor 19 Uhr auf die Bühne in der SPD-Parteizentrale tritt, ist der Jubel groß. „Olaf, Olaf“, hallt es durchs Willy-Brandt-Haus, SPD-Fahnen werden geschwenkt. Scholz wird von seiner Frau Britta Ernst auf die Bühne begleitet, einmal kurz greift er ihre Hand. Dann sagt er, die Bürger würden „nicht bereuen, dass sie ihr Kreuz bei der SPD gemacht haben“.

Etwas weiter entfernt stehen auch die beiden SPD-Parteichefs, Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Scholz winkt in die Menge, überbordend freut er sich aber nicht. Noch traut Scholz dem Sieg nicht, noch ist das Rennen zu knapp. „Too close to call“, wie die Amerikaner sagen.

Das Wahlergebnis der SPD sei „ein großer Erfolg“, sagt Scholz. Die Wähler hätten SPD wegen ihrer Themen gewählt, wollten Gerechtigkeit und Klimaschutz, so Scholz. „Und auch weil sie wollen, dass der nächste Kanzler dieser Republik Olaf Scholz heißt.“ Scholz sieht also den Regierungsauftrag klar bei der SPD.

Doch der Kanzlerkandidat mahnt angesichts des Kopf-an-Kopf-Rennens zur Zurückhaltung. Es werde noch „ein langer Wahlabend“. Als um 18 Uhr der rote Balken für die SPD in der ZDF-Prognose auf 26 Prozent schnellt, bricht an diesem Abend erstmals Jubel aus Ein langgezogenes „Jaaa“ geht durchs Atrium des Willy-Brandt-Hauses. Dann folgen die Prognosen für die Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Als für die SPD in Mecklenburg-Vorpommern der Balken erst bei 39 Prozent stehen bleibt, ist die Freude ebenfalls groß.


Video: Markus Söder gibt Stimme zur Bundestagswahl ab (glomex)

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Dann tritt als erster Spitzengenosse Lars Klingbeil vor die im Willy-Brandt-Haus aufgebauten Kameras. Der SPD-Generalsekretär gilt als ein zentraler Architekt des Wahlerfolgs. „Die SPD ist wieder da“, freut sich Klingbeil. „Wir wussten immer, dass es ein enges Rennen wird.“ Für ihn sei aber klar, „die SPD hat den Regierungsauftrag“.

Doch schnell mischt sich in die Freude der Genossen wieder Anspannung. Denn ob die SPD die Wahl wirklich gewonnen hat, ist am frühen Abend offen. Anders als die ZDF-Umfrage sieht die der ARD Union und SPD zunächst gleichauf.

Und selbst wenn die SPD vorn läge, ist hier allen klar: Es wäre ein Wahlsieg ohne Kanzlergarantie. Laut den ersten Prognosen schrammt ein Linksbündnis knapp an einer Mehrheit vorbei. Ob die Linke überhaupt in den Bundestag einzieht, ist unsicher.

Als die entsprechenden Werte dazu auf den Bildschirmen angezeigt werden, geht ein Raunen durch die Menge. Nun ginge es nur noch darum, ob eine Ampel-Koalition unter Führung der SPD oder ein Jamaika-Bündnis mit einem CDU-Kanzler gebildet wird. Alles ist offen.

Aus SPD-Kreisen hieß es am Abend, jetzt werde man schnell Verhandlungen für eine Ampel-Koalition aufnehmen. Die Taktik, mit der Scholz dabei vorgehen will, zeichnete sich bereits ab – selbst für den Fall, dass die SPD am Ende noch hinter der Union liegen sollte.

Scholz will eine Koalition der „Gewinner“ schmieden. SPD, Grüne und FDP hätten alle jeweils klar zugelegt. Die Union habe dagegen einen historischen Absturz hingelegt. Daraus ergebe sich ein Regierungsauftrag für die SPD und eine Ampel, während die Wähler gleichzeitig klar zum Ausdruck gebracht hätten, sich eine Regierung ohne die Union zu wünschen.

Chem Özdemir und Antje Kapek (2.v.r.) freuen sich über die Ergebnisse der Grünen – doch der Jubel hat Grenzen. © dpa Chem Özdemir und Antje Kapek (2.v.r.) freuen sich über die Ergebnisse der Grünen – doch der Jubel hat Grenzen.

Grüne – Große Gewinne und doch verloren

Die Grünen gingen an diesem Abend durch ein Wechselbad der Gefühle. Natürlich wurde um kurz nach 18 Uhr ordentlich geklatscht, als die erste Prognose die Bundespartei bei 15 Prozent sah, fast eine Verdoppelung im Vergleich zur Bundestagswahl 2017, als die Grünen bei 8,9 Prozent gelandet waren.

Echte Begeisterung zeigte sich aber, als deutlich wurde, dass die Grünen in Berlin vor der SPD lagen und womöglich das Rote Rathaus in der Hauptstadt erobern könnten. Dass sich die Berliner Spitzenkandidatin Bettina Jarasch vor Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und Co-Parteichef Robert Habeck in der Columbiahalle äußerte, war da fast nur folgerichtig. „Berlin hat gewählt“, ruft sie. Der Saal kann sich vor Begeisterung kaum zurückhalten. „Es sind Prognosen, die zeigen, dass wir eine Aufholjagd ohnegleichen hingelegt haben“, sagte Jarasch.

Baerbock und Habeck dagegen ließen ihre Parteifreunde warten. 40 Minuten nach den ersten Prognosen waren sie noch immer nicht auf der Bühne. Freude über das Ergebnis sieht anders aus. Seit Wochen mussten die Bundesgrünen mit einem eher mageren Ergebnis rechnen, aber die Enttäuschung ist dennoch groß.

„Wir haben das Ergebnis fast verdoppelt, das ist super“, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Ricarda Lang dem Handelsblatt. Aber ja, man habe sich mehr erhofft. Es sei quasi ein „Etappensieg“, sagte Lang weiter.

Die Enttäuschung ist verständlich. Die Grünen hatten Großes vor. Über Monate erreichten sie stabile Umfragewerte um 20 Prozent, bei der Europawahl 2019 holten sie 20,5 Prozent der Stimmen. Im April, nachdem Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin ausgerufen worden war und sich die Union im Streit um den eigenen Kanzlerkandidaten verstrickte, lagen die Grünen mit 28 Prozent sogar vor CDU/CSU. Die SPD war damals noch weit abgeschlagen.

Doch Kraft und Ressourcen reichten nicht, um den Vorsprung zu halten. Ein holpriger Wahlkampf, selbst verschuldete Fehler, dazu Skepsis an den Qualifikationen der Spitzenpolitikerin und eine Bevölkerung, die vielleicht doch eher dem Status quo zugeneigt ist als zu großen Veränderungen, die sie von den Grünen erwarten. Genaue Gründe dafür werden in den nächsten Stunden und Tagen zu analysieren sein.

Eine Rolle spielt womöglich auch, dass bei der Bundestagswahl 2021 weniger Menschen unter 30 Jahren wahlberechtigt waren als noch 2017 – dafür gab es mehr Wahlberechtigte im Alter von 60 bis 69 Jahren. Der Anteil der Erstwähler lag bei 4,6 Prozent. Dass die Grünen besonders viel Zuspruch bei den Jüngeren bekommen, hatte gerade die U18-Wahl gezeigt: Bei der ab 20. September an Schulen durchgeführten Wahl bei Jugendlichen unter 18 Jahren lagen die Grünen auf Platz eins, vor SPD und Union.

In den letzten vier Jahren waren die Grünen kleinste Fraktion im Bundestag. Jetzt können sie davon ausgehen, im Bund wieder mitregieren zu können. Zuletzt hatten sie zwischen 1998 und 2005 zusammen mit der SPD regiert.

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner freut sich über die Zuwächse an Stimmen. Die Erwartungen seien dennoch größer gewesen. „Wir haben eigene Fehler gemacht. Es gibt jedoch schon einen Auftrag, eine Regierung zu bilden, und wir wollen regieren – wir wollen, dass in Deutschland etwas geschieht.“ Auch Ex-Landwirtschaftsministerin Renate Künast sagte: „Jedes Prozent mehr, das wir errungen haben, ist ein Prozent mehr für den Klimaschutz. Die jungen Leute werden weiter drängen, und auch wir werden auf mehr Klimaschutz bestehen.“

Rund eine Dreiviertelstunde nach den ersten Prognosen traten Baerbock und Habeck auf die Bühne. „Vielen Dank euch allen“, rief Baerbock. Man habe einen Wahlkampf wie noch nie in der Parteiengeschichte geführt, das historisch beste Ergebnis erzielt. „Wir haben gespürt: Hier spricht eine junge Generation, die ihre Zukunft gestalten will, die dieses Land weiter bauen will.“

Heute Abend könne man jedoch nicht nur jubeln, so Baerbock. Schließlich sei man angetreten, dieses Land zu führen. „Wir wollten mehr – das konnten wir nicht erreichen.“ Dazu hätten auch eigene Fehler beigetragen. „Dieses Mal habe es noch nicht gereicht“, so Baerbock, „aber wir haben einen Auftrag für die Zukunft.“

Habeck lobte Baerbock als „Kämpferherz“. Der Wahlkampf habe teils unmenschliche Kräfte gefordert. Baerbock habe das bestanden. Der Auftrag für die nächsten Wochen laute nun, so Habeck, eine Klimaregierung zu bilden „wie sie Deutschland noch nicht hatte“. „Heute Abend feiern wir“, so Habeck. „In den nächsten Wochen verändern wir die Wirklichkeit.“

FDP – vor dem Sprung in die Regierung

Bei der FDP gab es an diesem Abend vierfachen Grund zur – etwas gedeckelten – Freude. Als die Hochrechnungen der Bundestagswahl auf den Bildschirmen erschienen, gab es soliden Applaus für die prognostizierten 11 Prozent – kein überragendes, aber ein gutes Ergebnis für die FDP auf Bundesebene.

Der zweite, kleinere Jubel brach aus, als klar wurde, dass es für ein Linksbündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei nicht reichen würde – eine rot-rot-grüne Koalition zu verhindern, war ein erklärtes Ziel der Liberalen und Parteichef Christian Lindner. „Die FDP hat auf Bundesebene eines der besten Wahlergebnisse ihrer Geschichte erzielt“, sagte Lindner bei seiner Rede im Hans-Dietrich-Genscher-Haus. Das Ergebnis habe gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger eine Regierungsbildung aus der Mitte heraus bevorzugten.

Der FDP selbst käme darin eine „besondere Verantwortung“ zu, so Lindner. „Wir unterschätzen die Dimension nicht und sind bereit, unseren Beitrag zu leisten.“ Ohne eine Große Koalition wird die FDP sich wohl an der Regierung beteiligen.

Auch das Wahlergebnis der Grünen lobte Lindner als „bemerkenswert“ – FDP und Grüne hätten gemeinsam, dass sie einen eigenständigen Wahlkampf gegen die große Koalition geführt hätten.

Auch die beiden Ergebnisse der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und dem Landtag in Schwerin sorgten für Applaus. In Mecklenburg-Vorpommern ziehen die Liberalen wohl nach zehn Jahren Abwesenheit wieder ins Parlament ein und auch in Berlin kann die FDP ihr Ergebnis im Vergleich zu 2016 mit acht Prozent leicht verbessern.

„Heute Abend feiern wir erstmals in der Geschichte zweimal hintereinander ein zweistelliges Ergebnis“, fasste Wolfgang Kubicki das Resultat seiner Partei in der ARD zusammen. Für Generalsekretär Volker Wissing war es eine „Rückenstärkung“ der Bevölkerung. Er versprach, man werde „verantwortungsvoll mit dem Wahlergebnis umgehen“. Was genau das heißt, darauf wollte sich am Sonntag noch niemand festlegen. „Am Wahlabend selbst führen wir keine Gespräche“, sagte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehemalige Bundesjustizministerin auf der FDP-Wahlparty.

FDP-Urgestein Hermann Otto Solms sieht Zeichen, dass die Zeit traditioneller Volksparteien zu Ende gehe. Parteien müssten sich von jetzt an „von Wahl zu Wahl bewähren“, so Solms - das seien „gute Nachrichten für die Demokratie“.

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