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Terroranschlag in Hanau: Attentäter spähte Shisha-Bar aus – Vater rückt in den Fokus

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 22.02.2020 Jörg Köpke
Erleuchtet ist der Schriftzug Arena Bar und Cafe, eine der beiden Shisha-Bars, in der bei einem mutmaßlich rassistischen Anschlag ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau mehrere Menschen erschossen hatte. © picture alliance/dpa Erleuchtet ist der Schriftzug Arena Bar und Cafe, eine der beiden Shisha-Bars, in der bei einem mutmaßlich rassistischen Anschlag ein 43-jähriger Deutscher im hessischen Hanau mehrere Menschen erschossen hatte.

Zum Terroranschlag von Hanau werden immer mehr Details bekannt. Offenbar besuchte der mutmaßliche Todesschütze nur wenige Tage vor seinem Angriff auf Shisha-Bars und einen Kiosk einen der Tatorte, an denen er später mehrere Menschen erschoss. Das erfuhr das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Ermittlerkreisen.

So soll eine Überwachungskamera einen Mann in grüner Jacke und dunkler Mütze in einer der Shisha-Bars zeigen, in denen der mutmaßliche Täter Tobias R. später mehrere Menschen erschoss. Ein Bild der Szene kursiert mittlerweile im Internet. Die Person, die auf dem Video zu sehen ist, soll ähnlich gekleidet sein wie Tobias R. in einem der Videos, die er auf seiner Homepage veröffentlichte. Auch das Gesicht der Person in der Aufnahme sei dem des Tatverdächtigen sehr ähnlich.

Die türkische Agentur Anadalu schreibt, es würde sich um Tobias R. handeln. Das Video stamme aus der Arena Bar in Hanau, wo Tobias R. am Abend des 19. Februars mutmaßlich drei Menschen erschoss. Tobias R. soll nur wenige hundert Meter von der Bar entfernt gewohnt haben. Später starben bei dem Anschlag noch sechs weitere Opfer sowie die Mutter des Tatverdächtigen. Letzterer beging anschließend Selbstmord.

Während der Terrorfahrt durch Hanau soll Tobias R. zwei seiner Opfer in ihren Autos erschossen haben. Das sagten Behördenvertreter am Freitag in einer Telefonkonferenz Mitgliedern des Innenausschusses des Bundestages, wie mehrere Teilnehmer der Konferenz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) übereinstimmend berichteten. Nicht beantwortet worden sei hingegen die Frage, wann am Mittwochabend der erste Notruf bei der Polizei eingegangen sei und wie lange es gedauert habe, bis erste Einsatzkräfte vor Ort gewesen seien.

Mutmaßlicher Täter soll auch in München in einem Schützenverein gewesen sein

Wie die Abgeordneten laut Teilnehmern der Besprechung erfuhren, hatte der Attentäter bis 2018 in München zur Untermiete gewohnt. Auch dort soll er in einem Schützenverein Mitglied gewesen sein. Den Abgeordneten wurde den Angaben zufolge weiter mitgeteilt, Tobias R. sei zuletzt arbeitslos gewesen, habe wenig soziale Kontakte gehabt und bei seinen Eltern gewohnt. Dort sollen zwei Schusswaffen gefunden worden sein, eine Sig Sauer und eine Walther-Kleinkaliberwaffe.

Als möglicher Mitwisser der Tat soll der Vater des mutmaßlichen Schützen in den Fokus rücken. Das berichtete die „Bild”. Die Ermittler sollen den 72-Jährigen als Beschuldigten führen, obwohl sie nicht davon ausgehen, dass Hans-Gerd R. direkt an den Morden beteiligt war.

Vater von Tobias R. rückt in den Fokus

Es werde jedoch geprüft, ob der Vater „tatbegünstigend” gewirkt haben soll. Der 72-Jährige soll wegen falscher Verdächtigung, übler Nachrede, Falschaussage und Erpressung der Polizei bekannt sein. Ein früherer Freund von Tobias R. habe berichtet, dass er dem Sohn zu Schulzeiten verboten habe, sich mit Migranten anzufreunden.

Der schleswig-holsteinische SPD-Politiker Ralf Stegner hat mit Blick auf den Anschlag von Hanau gefordert, AfD-Mitglieder aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen. „AfD-Funktionäre haben im öffentlichen Dienst nichts zu suchen”, sagte Stegner dem „Handelsblatt”. Wer der Partei angehöre, identifiziere sich mit einer völkischen, nationalistischen, rechtsextremen Politik, die mit ihrer rassistischen Hetze „maßgebliche Mitverantwortung für den Rechtsterrorismus in Deutschland” trage, sagte Stegner. (RND)

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