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Was gerade in einem türkischen Fußballverein passiert ist, könnte auf das Ende von Erdogans Herrschaft hindeuten

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 07.06.2018 Business Insider Deutschland

Recep Tayyip Erdogan wearing a suit and tie: Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan. © Getty Images Türkeis Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Der Präsident des türkischen Fußballklubs Fenerbahce Istanbul, Azis Yildirim, ist nach 20 Jahren im Amt abgewählt worden. Und der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan liegt in Umfragen nur noch hauchdünn vor seinem ärgsten politischen Konkurrenten.

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Der kürzlich abgewählte Yildirim, auf dessen Unterstützung sich Erdogan bisher immer verlassen konnte, wurde bei Fenerbahce von Ali Koc ersetzt, einem Mann, der der AKP-Regierung um Erdogan distanzierter gegenübersteht als sein Vorgänger. Erdogan gilt als glühender Fenerbahce-Anhänger. Ein schlechtes Omen für den türkischen Staatschef, der am 24. Juni bei den vorgezogenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wiedergewählt werden will

Erdogan-Dämmerung in der Türkei?

Erdogan-Kritiker sehen das jedenfalls so. Erdogan hatte sich zuvor für die Wiederwahl Yildirims stark gemacht, nannte ihn einen „erfahrenen“ Funktionär. Trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — entschieden sich die etwa 20.000 Vereinsmitglieder bei der Wahl für die Abwahl des Erdogan-Getreuen. Erdogans größter Konkurrent bei der anstehenden Wahl, CHP-Spitzenkandidat Muharrem Ince, sieht in der Entthronung Yildirims bereits erste Anzeichen für eine Erdogan-Dämmerung im Land. Die Fenerbahce-Familie habe sich für eine Wende entschieden, jetzt sei es auch an der Zeit für eine Wende im Land, schrieb Ince kürzlich bei Twitter. 

Koc hatte den Vereinsmitgliedern vor der Wahl mehr Transparenz versprochen, Yildirim galt hingegen als eine Art Alleinherrscher. Nicht wenige sehen in dem Fall Parallelen zu den Wahlen, bei denen Erdogan um seine Wiederwahl fürchten muss

Laut Meinungsforschern ist einer Mehrheit der türkischen Wähler derzeit die Aussicht auf wirtschaftliche Sicherheit wichtiger als — wie bisher — die Terrorabwehr. Die Wirtschaftslage in der Türkei ist derzeitig alles andere als rosig. Eine Inflation von zuletzt zwölf Prozent sowie ein Leistungsbilanzdefizit von 5,6 Prozent drücken die Stimmung bei vielen Wählern. 

Staatschef im Wirtschafts-Chaos

Laut Ulrich Leuchtmann, Volkswirt für Schwellenländer bei der Commerzbank, droht eine Leistungsbilanzkrise ähnlich der Asien-Krise Ende der 1980er Jahre. „Die Notenbank muss den Leitzins auf ihrer Sitzung an diesem Donnerstag noch einmal kräftig anheben. Und Erdogan muss spätestens nach der Wahl klarmachen, dass er die Einflussnahme auf die Geldpolitik unterlässt“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. 

Das sei notwendig, um Investoren nicht zu verschrecken und eine stabile Wirtschaft zu sichern. Erdogan hatte lange für zu niedrige Zinsen gesorgt und vermehrt in staatliche Konjunkturprogramme investiert, was schließlich, so die Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF), zu einer überhitzen Wirtschaft geführt habe.

Lest auch: Darum wird die türkische Währungskrise jetzt für ganz Europa zur Gefahr

Zu den Wirtschaftsproblemen kommt nun die Abwahl des Präsidenten des Lieblingsvereins Erdogans, auf dessen Unterstützung der Staatschef bisher stets zählen konnte. Während Erdogan die wirtschaftliche Talfahrt seines Landes nicht stoppen kann, scheint nun auch das Vertrauen in den Regierungschef zu schwinden. So sehen das jedenfalls seine Kritiker.

alh

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