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„Er ist in Gefahr“: Kremlgegner Nawalny gilt als vermisst

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 14.06.2022

Der russische Oppositionelle soll laut seiner Sprecherin in ein anderes Straflager verlegt worden sein. Seitdem fehle von Alexej Nawalny jede Spur.

Alexej Nawalny wird bei einem Gerichtsprozess am 07.06.2022 via Videoübertragung dazugeschaltet. © Foto: Vladimir Kondrashov/AP/dpa Alexej Nawalny wird bei einem Gerichtsprozess am 07.06.2022 via Videoübertragung dazugeschaltet.

Der gerade erst zu neun Jahren Haft verurteilte Kremlgegner Alexej Nawalny ist nach Angaben seines Anwalts und seiner Mitarbeiter nicht mehr in dem bisherigen Straflager.

„Alexej ist verschwunden, es gibt keine Angaben dazu, wo er sich befindet“, sagte seine Sprecherin Kira Jarmysch am Dienstagabend in der Youtube-Sendung „Populjarnaja Politika“ (Deutsch: Populäre Politik). Der Anwalt habe im Straflager in Pokrow keine Auskunft dazu bekommen, wohin der 46 Jahre alte Oppositionsführer verlegt wurde, hieß es.

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„Er ist in Gefahr“, sagte Jarmysch. Er könne in dem brutalen Straflagersystem getötet werden, meinte sie mit Blick auf den Giftanschlag auf Nawalny im August 2020. Nawalny, der nur knapp überlebte, macht den russischen Präsidenten Wladimir Putin für das Attentat verantwortlich.


Video: Nawalny wurde offenbar in eine andere Strafkolonie verlegt (AFP)

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Jarmysch kommentierte auch Medienberichte, nach denen Nawalny in das Straflager 6 in Melechowo nahe der Stadt Kowrow verlegt worden sein könnte. „Es gibt keine Bestätigung. Wir können das nicht glauben, bis der Anwalt ihn sieht“, sagte sie. Auch Nawalnys Frau Julia hat demnach keine Erkenntnisse. Das Lager mit besonders harten Haftbedingungen liegt rund 150 Kilometer weiter entfernt von der Strafkolonie Pokrow. Das sind etwa 260 Kilometer nordöstlich von der russischen Hauptstadt Moskau.

Der Machtapparat tue alles, um den Kontakt der Anwälte und der Familie zu Nawalny zu erschweren, sagte Jarmysch. Im Mai hatte ein Gericht die neunjährige Haftstrafe gegen Nawalny wegen angeblichen Betrugs bestätigt.

Damit wurde die Verlegung in ein Straflager mit härteren Haftregeln rechtskräftig. In russischen Haftanstalten für Schwerverbrecher dürfen die Insassen seltener Angehörige treffen, Päckchen und Briefe empfangen oder zum Ausgang an die frische Luft.

Ende Mai hatte Nawalny selbst über eine neue Anklage der russischen Justiz informiert. Diesmal gehe es um Extremismus und ein Strafmaß von möglichen weiteren 15 Jahren Haft.

Zuvor war in Russland seine Anti-Korruptions-Stiftung als extremistisch eingestuft worden. Mit seinen Enthüllungen über Korruption und Machtmissbrauch im russischen Staatsapparat hat er sich viele Feinde gemacht. Bisher endete jede Anklage gegen den bekanntesten Gegner Putins mit einem Schuldspruch. (dpa)

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