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"Russland steht unter Schock": Russen fliehen vor Putins Krieg

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 23.09.2022 Viktoria Bräuner
Seit Mittwoch befindet sich auch Russland offiziell im Kriegszustand: Putin ordnete eine Teilmobilmachung an und lässt 300.000 zusätzliche Soldaten einziehen. © KIRILL KUDRYAVTSEV Seit Mittwoch befindet sich auch Russland offiziell im Kriegszustand: Putin ordnete eine Teilmobilmachung an und lässt 300.000 zusätzliche Soldaten einziehen.
Seit Mittwoch befindet sich auch Russland offiziell im Kriegszustand: Putin ordnete eine Teilmobilmachung an und lässt 300.000 zusätzliche Soldaten einziehen.

Mit seiner Fernsehansprache läutete Wladimir Putin am Mittwoch eine neue Phase des Krieges ein: Der Kemlchef befahl die Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte. Demnach sollen 300.000 Reservisten in den Krieg in die Ukraine geschickt werden. Darunter vor allem Männer, deren Militärdienst noch nicht lange zurückliegt. Beobachter werten diesen Schritt als Reaktion Putins auf die dramatischen Niederlagen imn Osten der Ukraine.

"Russland steht unter Schock. Der gestrige Tag, der 21. September, war für die Bevölkerung vergleichbar erschütternd wie der 24. Februar, als die Ukraine überfallen wurde”, sagte Alexey Yusupov, Leiter des Russland-Programms der Friedrich-Ebert-Stiftung, im Gespräch mit Business Insider. Es herrsche Panik - viele Menschen würden nun versuchen, das Land zu verlassen. 

Flüge ins Ausland waren offenbar in kürzester Zeit ausgebucht. Wie die "Welt" berichtet, waren bevorzugte Ziele Istanbul und Eriwan in Armenien. In beide Länder können Russinnen und Russen ohne Visum einreisen. Außerdem stiegen die Ticketpreise rasant: Am günstigsten seien noch die Flüge von Moskau nach Dubai, die bei umgerechnet 5.000 Euro liegen. Das entspräche dem Fünffachen des durchschnittlichen russischen Monatslohns, berichtet die Zeitung.

Auch die Ausreise mit dem Auto scheint sich schwierig zu gestalten. In den sozialen Netzwerken kursieren zahlreiche Videos überfüllter Straße an den Grenzübergängen zu Russlands Nachbarländern. „Die Menschen wollen nach Finnland fliehen, sodass die finnische Regierung aus Sorge vor einem Massenansturm bereits an einer vollständigen Einreisesperre arbeitet, die Grenzübergänge in Richtung Mongolei sind überfüllt, auch Georgien, Armenien und Kasachstan erwarten einen massenhaften Anstieg an fliehenden Russen”, sagte Yusupov Business Insider.

Dass die Teilmobilmachung nur der Anfang sein und eine Generalmobilmachung drohen könnte, schließt Yusupov nicht aus. Allerdings wäre das nur dann eine realistische Option, wenn die 300.000 Reservisten nicht ausreichen und sich Russland entscheiden würde, noch stärker in den Krieg einzugreifen.

Aber: "Wenn Russland wirklich voll in den Krieg einsteigen will, brauchen sie einen größeren Anlass, möglicherweise auch einen selbst inszenierten, um die Bevölkerung hinter sich 'zur Verteidigung' des Landes zu vereinen. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich das aber noch nicht”, sagte Yusupov.

Wie sich die Proteste gegen die Teilmobilisierung auswirken und ob sie der Beginn größerer, sozialer Unruhen sein könnten, könne man nach der Einschätzung des Russland-Experten bisher auch noch nicht sagen. Die Proteste am Mittwoch seien noch klein und die Repressionen hoch gewesen. Trotzdem greift Putins Regime hart durch und versucht die Proteste im Keim zu ersticken. Yusupov: "Besonders perfide ist, dass es gestern unter den Demonstranten etwa 1.000 Männer gab, die verhaftet wurden und in Haft ihren Front-Bescheid ausgestellt bekommen haben.”

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