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Schülersprecher klagt an: „Wir sind Versuchskaninchen in der Virenbrutstätte“

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 19.04.2020 Stefanie Schmidt
© Timon Brombach

Timon Brombach ist Schülersprecher am Lise-Meitner-Gymnasium und Abiturient. In einem Statement für den „Leverkusener Anzeiger“ kommentiert er die geplante Schulöffnung für Abschlussklassen:

Jetzt ist es soweit - Der Schulbetrieb in NRW läuft wieder an. Ab Montag werden die Lehrerinnen und Lehrer wieder in der Schule sein und mit einer Art Vorbereitungsphase starten, in der sich zum Beispiel zeigen muss, wer überhaupt alles zur Verfügung steht oder wer zur Risikogruppe gehört, was für Material, wie beispielsweise Seifenspender, aufgerüstet werden muss und wie die räumliche Situation organisiert wird.

Es wird vergessen, dass es um Menschen geht

Der Unterricht für uns Abiturienten startet dann Donnerstag. Wir sind also dann die Versuchskaninchen eines Schutzkonzeptes, was quasi übers Wochenende entstanden ist. Ob das wohl die beste Lösung ist? Für Armin Laschet anscheinend schon, es scheint, als könne es ihm nicht schnell genug gehen. Meiner Meinung nach besteht die Gefahr, dass Schulen zu regelrechten Viren-Brutstätten werden und es zu einem Multiplikatoreffekt kommen könnte, der die, nach Merkel, „zerbrechlichen Erfolge“ der letzten Wochen, zu Nichte macht. Vor allem habe ich sorge davor, ob wirklich alle beim ersten Wiedersehen nach fünf Wochen Zwangspause die Abstandsregeln einhalten können. Es wird vergessen, dass es hier um Menschen geht.

30 Prozent der Lehrer fehlen

Der LehrerInnenverband selber hat ja sogar mindestens eine Woche Vorlauf gefordert, ich verstehe also nicht, warum man da nicht auf die Experten hört, die es dann umsetzen müssen. Solch ein Konzept kann definitiv nicht in zwei oder drei Arbeitstagen organisiert werden. Laschet selber hat ja sogar ein "Personalproblem" zugegeben, das macht die Entscheidung noch weniger verständlich. Schätzungen zufolge sollen ja 30 Prozent der Lehrkräfte zur Risikogruppe gehören. Auch vor dem Hintergrund wirkt alles leider, wenig bis gar nicht durchdacht und auch noch nicht richtig durch gerechnet.

Ich bin in erster Linie, erneut in dieser Thematik, sehr enttäuscht, dass es so viele widersprüchliche Aussagen gibt, sodass es Mittwochabend allgemein große Verwirrung gab. Ministerpräsident Laschet sagt eben, dass es schon am kommenden Montag losgeht. Frau Merkel und Herr Söder haben am Mittwoch gleichzeitig betont, dass die Schulen bundesweit einheitlich am 4. Mai öffnen. Und Yvonne Gebauer sagt eben Donnerstag in der kommenden Woche. Guckt man sich die anderen Bundesländer an, merkt man erst, was für ein schlechter Scherz Merkels Bewertung der Lage ist, dass das Maß an Einheitlichkeit was erreicht ist, im Maßstabe des Föderalismus schon an ein Wunder grenze.

Keine richtige Abiturvorbereitung

Jetzt müssen sich auch die letzten eingestehen, dass in diesem Jahr eben keine richtige Prüfungsvorbereitung möglich ist, da wir selbst mit Schulöffnung weit von einem normalen Schulbetrieb entfernt sind. Schon allein, weil lange nicht klar war, ob überhaupt Abschlussprüfungen stattfinden können. Da finde ich es einfach nur frech, uns gegenüber, dass in keiner der Reden nur einmal das Wort Durschnittsabi gefallen ist, sondern so getan wird, als würde die Debatte nicht mehr existieren.

Die Zeit ist also von viel Frust geprägt und es gilt jetzt einfach das Bestmögliche daraus zu machen. Ich freue mich natürlich trotzdem alle live und in Farbe wiederzusehen und hoffe einfach nur, dass die Schulöffnung niemanden in Gefahr bringt.

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