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US-Diplomatengattin wegen tödlichen Autounfalls verurteilt

DER SPIEGEL 09.12.2022 Muriel Kalisch

Weil die Ehefrau eines Diplomaten auf der falschen Straßenseite fuhr, starb ein 19-jähriger Brite. Sie versuchte Immunität geltend zu machen. Damit kam die US-Amerikanerin vor Gericht nicht durch.

© James Manning / dpa

Im August 2019 fuhr Anne S. in der Nähe eines US-Luftwaffenstützpunkts in Südengland mit ihrem SUV auf der falschen Seite der Straße. Sie kollidierte mit dem 19-jährigen Motorradfahrer Harry Dunn, der den Folgen des Unfalls erlag.

Ein Gericht in London S., Ehefrau eines US-Diplomaten, am Donnerstag zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Anne S. war bei der Urteilsverkündung per Video zugeschaltet. S. hatte Großbritannien nach dem Unfall verlassen und als Familienangehörige ihres Mannes Immunität für sich reklamiert. Die USA lehnten eine Auslieferung ab, was zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Washington und London führte.

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Richterin Bobbie Cheema-Grubb sagte, S. Verhalten habe an »vorsätzliches gefährliches Fahren« gegrenzt. Bei der Urteilsfindung habe sie aber dem Umstand Rechnung getragen, dass S. zwei Kinder habe. Zudem habe sie sich schuldig bekannt und »aufrichtige Reue« gezeigt. Sie sei »zutiefst betrübt« über den Schmerz, den sie verursacht habe, versicherte S. in einer von ihren Anwälten verlesenen Erklärung im Vorfeld der Urteilsverkündung im Gericht Old Bailey.

Dunns Mutter Charlotte Charles, die drei Jahre lang dafür gekämpft hatte, dass S. zur Rechenschaft gezogen werden würde, lobte das Urteil und sagte: »Anne S. ist für den Rest ihres Lebens vorbestraft – das ist etwas, womit sie nie gerechnet hätte. Das ist etwas, womit die US-Regierung nie gerechnet hätte.«

Unterschiedliche Auffassungen bei Trump und Johnson

Der damalige US-Präsident Donald Trump nannte das Geschehene »einen schrecklichen Unfall« und kündigte an, dass die amerikanischen Behörden mit der Fahrerin sprechen würden. Die Frau sei auf der falschen Straßenseite gefahren, deshalb sei es zum Zusammenstoß gekommen. »Und so etwas kann passieren«, meinte Trump damals.

Das Büro des damaligen britischen Premierministers teilte damals mit, Boris Johnson habe mit Trump gesprochen. Der möge darauf hinwirken, dass die betreffende Person nach Großbritannien zurückkehre und mit der Polizei zusammenarbeite, damit »Harrys Familie Gerechtigkeit widerfahren kann«. Johnson war der Meinung, die diplomatische Immunität sei für solche Fälle nicht vorgesehen. Die Unfallfahrerin habe ihren Schutz vor Strafverfolgung zu Unrecht genutzt, um außer Landes zu gelangen.

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