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USA: 15-jährige Schwarze durch Polizeischüsse getötet - Augenblicke vor George Floyd-Schuldspruch

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 21.04.2021 Anna-Sophie Schneider

Der Schuldspruch gegen Ex-Polizist Chauvin im Fall George Floyd sorgt in den USA für Jubel. Überschattet wird das Urteil jedoch von einer anderen Nachricht: In Ohio haben Polizisten eine schwarze Jugendliche erschossen.

© GAELEN MORSE / REUTERS

Alle US-Nachrichtensender haben die Entscheidung der Jury im Fall George Floyd übertragen. Der Ex-Polizist Derek Chauvin wurde in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen – landesweit sorgte das für Jubel. Nahezu zeitgleich hat sich jedoch noch eine andere Nachricht in den USA verbreitet: In Columbus im US-Bundesstaat Ohio wurde eine schwarze Jugendliche durch Polizeischüsse getötet. Die Schüsse fielen nur wenige Augenblicke vor der Verkündung des Schuldspruches gegen Chauvin.

Zuvor war bei der Polizei ein Notruf wegen einer Bedrohung mit einem Messer eingegangen. Als die Ermittler am Ort eintrafen, standen mehrere Menschen zwischen zwei Autos in einer Einfahrt, wie auf Aufnahmen einer Körperkamera zu sehen war, die die Polizei am Dienstagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz veröffentlichte.

Es handele sich dabei um die Körperkamera des ersten Polizisten, der am Ort eintraf und letztlich die Schüsse abfeuerte, sagte der Interims-Polizeichef der Stadt Columbus, Michael Woods. Das Video zeige ein junges Mädchen mit einem Messer, das versuche, zwei andere Menschen anzugreifen, bevor es von der Polizei erschossen werde. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang.

Kleinere Proteste in der Stadt

»Wir wissen, basierend auf diesen Aufnahmen, dass der Polizist Maßnahmen ergriffen hat, um ein anderes junges Mädchen in unserer Gemeinde zu schützen«, sagte der Bürgermeister der Stadt, Andrew Ginther. »Aber eine Familie trauert heute Abend, und dieses junge 15-jährige Mädchen wird nie wieder nach Hause kommen.« Zuvor hatte Ginther die Anwohner der Stadt per Twitter aufgefordert, Ruhe zu bewahren.

Es sei ungewöhnlich, dass die Polizei so kurz nach dem Vorfall die Aufnahmen der Körperkamera veröffentliche, schrieb die Zeitung »Columbus Dispatch«. Bürgermeister Ginther hatte bei der Pressekonferenz gesagt, es sei wichtig, das Material »unvollständig, wie es zu diesem Zeitpunkt ist«, öffentlich zu zeigen.

Eine Frau, die angab, eine Tante des Opfers zu sein, berichtete dem »Columbus Dispatch«, ihre Nichte habe in einer Pflegeeinrichtung gelebt und sei dort in eine Auseinandersetzung mit jemandem geraten. Sie habe ein Messer gehabt, dieses aber fallen gelassen, bevor sie von mehreren Schüssen der Polizei getroffen worden sei, berichtete Hazel Bryant weiter.

Die Zeitung berichtete über kleinere Proteste in der Stadt mit Schildern, auf denen unter anderem »Black Lives Matter« zu lesen war.

Der Anwalt von Floyds Familie, Ben Crump, reagierte auf Twitter mit den Worten: »Während wir heute gemeinsam aufatmen, spürt eine Gemeinde in Columbus den Stachel weiterer Polizeischüsse, die ein unbewaffnetes, 15 Jahre altes schwarzes Mädchen töteten.« In einigen Medienberichten hieß es, das Opfer sei 16 Jahre alt gewesen.

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