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Das Gen-Experiment gegen Mücken

WELT-Logo WELT 11.05.2022 Pia Heinemann
In Florida und in Brasilien wurde genmanipulierte Mücken freigelassen Quelle: Getty Images/SCIENCE PHOTO LIBRARY/SEBASTIAN KAULITZKI, Claudius Pflug © Getty Images/SCIENCE PHOTO LIBRARY/SEBASTIAN KAULITZKI, Claudius Pflug In Florida und in Brasilien wurde genmanipulierte Mücken freigelassen Quelle: Getty Images/SCIENCE PHOTO LIBRARY/SEBASTIAN KAULITZKI, Claudius Pflug

Während der vergangenen Pandemiejahre schien das Leben oft still zu stehen. Man ließ die Zeit verstreichen und hoffte, einer Coronainfektion zu entgehen. Fast völlig unbemerkt fanden in dieser Zeit Experimente statt, die die Welt einen großen Schritt weiterbringen, sie virensicherer machen sollen: Auf den Florida Keys und in Brasilien haben Mitarbeiter der Firma Oxitec Millionen genmanipulierte Mücken freigelassen, um herauszufinden, ob sie künftig Dengue- oder Zika-Ausbrüche unterbinden können.

Erste Ergebnisse hat das Unternehmen nun präsentiert, der Versuch war ein voller Erfolg: Die nicht stechenden Mückenmännchen (Aedes aegypti) trugen ein Gen in sich, das all ihre weiblichen Nachkommen vor der Geschlechtsreife sterben lässt. Sie paarten sich mit wildlebenden Weibchen und tatsächlich trugen die Tochtermücken das für sie tödliche Gen.

Ließe man das Experiment eine Zeit lang laufen, gäbe es keine fruchtbaren Weibchen mehr im Untersuchungsgebiet – und die Population würde zusammenbrechen. Zudem gäbe es keine stechenden Mücken mehr, denn nur die Weibchen saugen Blut. Es käme also auch nicht mehr zur Übertragung von Krankheitserregern.

Die Forscher erklärten in einer nicht unabhängig begutachteten Onlinepräsentation zudem, dass die tödlichen Gene in der Population für drei Generationen bestehen blieben (die wild geborenen männlichen Nachfahren gaben es also ebenfalls an ihre Töchter weiter). Das Gen wurde aber nicht weiter als 400 Meter von dem Ort, an dem die Männchen ausgesetzt wurden, gefunden. Das soll beweisen, dass die Methode insofern sicher ist, als das Gen nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangt. Und es soll auch beweisen, dass das Potenzial vorhanden ist, um lokale Ausbrüche von Dengue- oder Chikungunya-Fieber schnell einzudämmen.


Video: Gelberfiebermücke: Genetisch veränderte DNA soll weibliche Mücken ausrotten (Bit Projects)

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In einigen Ländern der Welt werden bereits in ähnlichen Versuchen Mückenmännchen (Aedes albopictus) ausgesetzt, die mit speziellen Bakterien (Wolbachia) infiziert sind. Nach einer Paarung mit wildlebenden Weibchen sorgen diese Bakterien dafür, dass die Eier sich nicht entwickeln. Auch hier gibt es Erfolgsmeldungen, allerdings wird kritisiert, dass sich die Ausbreitung der Wolbachia-Bakterien nicht gut genug kontrollieren lässt.

Noch ist nicht bewiesen, dass das Ausbringen von genetisch oder biologisch manipulierten Mückenmännchen die Zahl der Dengue-, Zika-, Chikungunya oder Gelbfieberfälle weltweit drastisch drückt. Es ist auch nicht bewiesen, dass solche Eingriffe in die Natur für die Ökosysteme keine unerwünschten Folgen haben können.

Das alles muss geprüft werden – und in den USA steht der nächste Freilassungsversuch bereits kurz bevor. In Kalifornien will Oxitec zeigen, dass die Mückenmännchen auch in trockenerem Klima als den sumpfigen Florida Keys ihre tödlichen Gene weitergeben.

Doch genau jetzt ist ein guter Zeitpunkt für ein wenig Optimismus. Derzeit infizieren sich Jahr für Jahr mehr als 100 Millionen Menschen weltweit mit den von Mücken übertragenen Fieber-Viren, viele sterben. Aber vielleicht gibt es bald eine sichere Waffe, um diese Viren zurückzuschlagen.

Dieser Artikel wurde erstmals im April 2022 veröffenlticht.

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