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Der Inhalt dieses Lochs stammt von jahrzehntealten Atomtests — und könnte nun an die Oberfläche dringen

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland vor 6 Tagen Joshua Fritz
© Bereitgestellt von Business Insider Inc bikini atoll nuclear bomb © Wikimedia/US Navy bikini atoll nuclear bomb

Auch noch 30 Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs, finden sich immer noch Relikte aus finsteren Zeiten, in denen die Gefahr eines Atomkriegs alltäglich war. Ein solches Relikt sind die Marshallinseln, die zwischen Hawaii und Australien liegen. 

Von 1946 bis 1958 wurden vor allem auf dem Enewetak Atoll und Bikini Atoll 67 Atomwaffentests durchgeführt, wie das US-Onlinemagazin „Ranker“ berichtet. Erst 1980 konnten die Einheimischen wieder auf Teile der Inseln zurückkehren — doch noch heute leiden sie unter der Radioaktivität: zunehmende Krankheiten, vergifteter Fisch und unfruchtbares Land.

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Als die Atombombentests der US-Amerikaner abgeschlossen waren, war massig radioaktiver Müll angefallen: 85.000 Kubikmeter lebensgefährlicher Atommüll. Nach zehnjährigen Säuberungsaktionen entschied der US-Kongress, das er die Wiederherstellung der Inseln nicht weiter finanzieren will. Daraufhin wollte die US-Armee den Müll zuerst im Ozean entsorgen, doch internationale Abkommen verhinderten dies.

Der Atommüll wurde unter einer Betonkuppel in einem Atomkrater verstaut

Die Lösung des Problems sollte ein durch eine Atombombe entstandener, zehn Meter tiefer Krater auf der Runit-Insel sein. Die US-Armee sollte den Krater mit Atommüll auffüllen und eine Betonkuppel darüber bauen, um die Außenwelt vor der Strahlung abzuschirmen — es entstand der sogenannte „Runit Dome“.

Kein radioaktives Material sollte in den Ozean dringen, weshalb die mit Plutonium verseuchte Erde unter 358 Betonplatten begraben wurde, wie ihr unten sehen könnt.

Im Runit Dome auf dem Runit-Atoll der Marshallinseln wird Atommüll gelagert. © Wikimedia/US Defense Special Weapons Agency Im Runit Dome auf dem Runit-Atoll der Marshallinseln wird Atommüll gelagert.

Doch eine Inspektion von 2013 kam zu dem Ergebnis, dass die Kuppel langsam zerfällt, so Ranker. Das Grundwasser darunter ist bereits radioaktiv verseucht und Sand ist in das „ewige“ Grab eingedrungen.

Pflanzen bahnen sich bereits ihren Weg in die vielen Risse in der Kuppel — und Radioaktivität gelangt nach draußen. Doch das US-Energieministerium glaubt, dass ein Einsturz oder ähnlich verheerende Ereignisse die Lage nicht verschlimmern würden. „Ein katastrophales Versagen der Betonkuppel und ein sofortiges Freiwerden seines Inhalts in die Lagune wird nicht unbedingt zu einer signifikanten Veränderung in der Strahlungsdosis führen, der die einheimische Population ausgesetzt ist“, ließ das Ministerium verlauten.

USA haben die Einheimischen angelogen, meint ein Experte

Bernd Franke, wissenschaftlicher Direktor des Institutes für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg meinte gegenüber dem Urlaubsmagazin „Travelbook“, die USA hätten Daten zur Strahlenbelastung manipuliert: „Die Bewohner der Inseln wurden über das wahre Ausmaß der Strahlenbelastung belogen. Die Berechnungen der zuständigen US-Behörde, des Department of Energy, waren bewusst manipuliert, ja gefälscht.“

Zwar wurde das Endlager mit einer dicken Betonschicht verschlossen, aber der Inselboden darunter wurde nicht entsprechend gesichert. Nun ist der Boden rund um die Kuppel ist schon mehr verseucht als der Atommüll unter der Kuppel. Dabei sollte der 218 Millionen US-Dollar (192 Millionen Euro) teure Runit Dome eigentlich nur eine Übergangslösung sein, doch zu einer langfristigen Lösung kam es nie. 1983 erklärten die USA, sie seien nicht mehr für den Runit Dome zuständig.

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Seitdem liegt die Verantwortung bei der marshallesischen Regierung. Doch das kleine Land hat nicht die Mittel, um die sichere Lagerung des radioaktiven Mülls zu gewährleisten. Die Auswirkungen des Atom-Lecks zeigen sich schon heute: Im südchinesischen Meer wurden 2014 Spuren vom Plutonium der Marshallinseln gefunden. Die Bewohner der Marshallinseln, deren Lebensgrundlage der Fischfang ist, sind nun besonders bedroht.

Wie gefährlich ein Leck sein kann, erklärte der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil, Travelbook: „Die Hauptgefahr ist, dass die Strahlung über die Nahrungskette zu den Menschen gelangt. Im Wasser ist diese Kette deutlich länger, und mit jedem Schritt reichert sich die Anzahl der Radionuklide, also der Spaltstoffe, an. Am Ende kann sie dann um ein Tausendfaches höher sein.“

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