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Eine Million Tonnen aus havariertem Akw: Japan will radioaktives Wasser aus Fukushima ins Meer leiten

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 16.10.2020

Das kontaminierte Wasser wird aufwändig gefiltert. Die Internationale Atomenergie-Organisation hat keine Bedenken, aber Fischer und Bauern protestieren.

Japans Premier Yoshihide Suga besucht das im März 2011 zerstörte Akw. © Foto: kyodo/dpa Japans Premier Yoshihide Suga besucht das im März 2011 zerstörte Akw.

Trotz Protesten von Fischern will Japans Regierung gefiltertes Kühlwasser aus der Atomruine Fukushima ins Meer ableiten. Grund ist, dass allmählich kein Platz mehr zur Lagerung des Wassers auf dem Gelände des 2011 in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zerstörten Atomkraftwerks ist.

Wie japanische Medien am Freitag berichteten, könnte nach siebenjähriger Debatte darüber, was mit dem in riesigen Tanks gelagerten Wasser geschehen soll, noch in diesem Monat eine Entscheidung fallen. Doch da für ein Ableiten des Wassers ins Meer Baumaßnahmen nötig seien und zunächst eine Einschätzung der Atomaufsicht erfolgen müsste, könne es etwa zwei Jahre dauern, bevor mit dem Ableiten begonnen werden kann, hieß es in den Berichten.

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Fast zehn Jahre sind vergangen, seit an jenem 11. März 2011 ein schweres Erdbeben und ein gewaltiger Tsunami den Nordosten des Inselreiches heimsuchten. Rund 18.500 Menschen starben damals in den Fluten. Zum Sinnbild der Katastrophe aber wurde der Super-Gau im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, auch wenn dadurch niemand direkt ums Leben kam. Wegen der radioaktiven Strahlung von Kernschmelzen in drei der Reaktoren mussten rund 160.000 Anwohner damals fliehen.

Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit dem Unfall in Tschernobyl 1986. Inzwischen gilt die Lage in der Atomruine Fukushima als stabil. Doch werden die enormen Mengen verstrahlten Wassers zunehmend zum Problem.

Das derzeit in rund tausend Tanks gelagerte Wasser wird einem umfangreichen Filterungsprozess unterzogen, um seinen radioaktiven Gehalt zu reduzieren. Am Ende soll es nach Angaben der Behörden nur noch Tritium enthalten, das sich mit den vorhandenen Technologien nicht herausfiltern lässt.

Experten zufolge ist Tritium für den Menschen nur in sehr hohen Dosen schädlich. Die Internationale Atomenergie-Organisation argumentiert, dass ordnungsgemäß gefiltertes Wasser sicher in den Ozean geleitet werden könne, ohne Umweltprobleme zu verursachen.

Doch musste der Akw-Betreiber Tepco die Reinigungsprozesse jüngst erst wiederholen, da die Radioaktivität laut Medien teils noch über den Grenzwerten lag.

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Jeden Tag kommen rund 170 Tonnen Wasser hinzu, das zwischengelagert werden muss. Spätestens im Sommer 2022 gehe jedoch der Platz aus, hieß es. Daher hält die Regierung ein Ableiten des Wassers ins Meer für eine realistische Option.

Auch der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, hatte bei einem Besuch der Atomruine im Februar laut japanischen Medien erklärt, die Ableitung kontaminierten Wassers ins Meer entspreche globalen Standards und sei übliche Praxis auch bei Atomkraftwerken, die ganz normal arbeiteten.

Fischer und Anwohner in Fukushima lehnen eine solche Maßnahme jedoch ab. Der Chef eines Fischereiverbandes drückte diese Woche bei einem Treffen mit einem Sprecher der Regierung seinen Widerstand gegen ein Ableiten des Wassers aus der Atomruine Fukushima ins Meer aus.

Auch Südkorea, dass gegenwärtig Importe von Meeresfrüchten aus der Region verbietet, hat sich wiederholt besorgt über die Folgen für die Umwelt geäußert. Der neue Regierungschef Yoshihide Suga erklärte, er wolle „so bald wie möglich“ eine Entscheidung zu der Wasser-Problematik treffen. (dpa, AFP)

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