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Papageien: Keas verstehen Mathematik

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 05.03.2020 Marco Evers

Menschen und andere Primaten sind nicht die einzigen, die ein Talent für Mathe haben. Auch Papageien haben es drauf: Die Keas einer Forscherin aus Neuseeland beherrschen sogar statistische Analysen.

© Amalia Bastos

Der Kea ist ein gerissenes Federvieh. In seiner Heimat Neuseeland genießt er daher unter Farmern einen zweifelhaften Ruf, denn der fast 50 Zentimeter lange olivgrüne Bergpapagei tötet bisweilen Schafe auf grausame Weise: Er landet auf ihrem Rücken, schlitzt ihnen mit Schnabel und Krallen Fell und Haut auf und frisst ihnen bei lebendigen Leibe das Fett darunter weg. Manche Schafe überleben das nicht.

Was der Allesfresser-Kea noch auf dem Kasten hat, das hat eine Forscherin jetzt näher untersucht. Amalia Bastos, Doktorandin im Fachbereich Psychologie der University of Auckland, hat Intelligenzleistungen von sechs der Papageien im Labor getestet. Ihr Ergebnis verblüfft: Das winzige Vogelhirn des Keas ist eindeutig zu statistischer Analyse fähig, eine Fähigkeit, die ansonsten nur Menschen und Menschenaffen eigen ist.

Ein Leckerli für Blofeld

Und so ging Amalia Bastos vor: Sie brachte den Papageien namens Blofeld, Bruce, Loki, Neo, Plankton und Taz bei, dass sie ein Leckerli bekommen, wenn sie mit dem Schnabel ein schwarzes Stäbchen auswählen. Kein Leckerli gab es, wenn sie sich für die bereitgelegten orangefarbenen Stäbchen entschieden.

Dann zeigte Amalia Bastos ihren gefiederten Probanden Gläser, in denen die Häufigkeit der Stäbchen variierte. Manche hatten viele orangefarbene, wenige schwarze, bei anderen war es andersherum. Nun durften die Vögel auswählen, von welchem Glas sie naschen wollten.

Resultat: Die Keas entschieden sich in Dutzenden Tests mit nachdrücklicher Konsequenz für jene Gläser, in denen der Anteil schwarzer Stäbchen besonders hoch war. Die Vögel führten im Gehirn also eine Wahrscheinlichkeitsanalyse durch, welches Glas ihnen am ehesten zu einem Leckerli verhelfen würde.

Ihre Studie hat Amalia Bastos jetzt in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht. Für die Forscherin folgen aus dem Experiment eine Reihe von Schlüssen zur Evolution von intelligentem Verhalten. Die Fähigkeit zur Wahrscheinlichkeitsvermutung sei in der Geschichte der Biologie mehrfach entstanden und nicht abhängig von der Größe des Gehirns oder einer bestimmten Hirnarchitektur.

Ihre Ergebnisse, so glaubt die Wissenschaftlerin, könnten auch bedeutsam sein für das Forschungsfeld der künstlichen Intelligenz - denn dieses müsse sich nicht nur darauf beschränken, neuronale Prozesse und Strukturen von Säugetieren nachzuahmen, auch Vögel könnten künftig als Vorbild dienen.

Ihre Intelligenz nutzt den Keas im Alltag allerdings wenig. Sie sind akut vom Aussterben bedroht; ihre Bestandsgröße in Neuseeland wird auf unter 7000 Tiere geschätzt. Zum Verhängnis werden den lernbegierigen Bodenbrütern insbesondere freilaufende Katzen.

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