Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Recycling: Forscher arbeiten an der Plastik-Revolution - doch es gibt große Hürden

stern-Logo stern 08.02.2020 Malte Mansholt
Plastik ist in unserem Alltag allgegenwärtig © Getty Images/Sner Plastik ist in unserem Alltag allgegenwärtig

Mit einer neuen Recycling-Methode wollen britische Forscher Plastik ohne Qualitätsverlust immer wieder nutzbar machen. Den größten Plastikproduzenten dürfte das gleich aus mehreren Gründen nicht gefallen.

Ob als Plastikflasche, als Verkleidung im Auto oder als Folie um die Bio-Gurke: Jeden Tag haben wir hundertfach mit Plastik zu tun. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein um die Probleme - Weichmacher, Microplastik und natürlich die Unmengen an Plastikmüll. Nun wollen Forscher mit einer neuen Methode das Recycling der Kunststoffe revolutionieren. 

Dass sich Plastik wiederverwerten lässt, ist an sich nichts Neues. Bisher werden die Kunststoff-Produkte dafür geschreddert, gereinigt und dann durch Schmelzen zu kleinen Pellets geformt, die dann neu verarbeitet werden können. Doch das hat einen großen Nachteil. "Wenn man Plastik einschmilzt, verändert man seine Eigenschaften und verringert die Qualität", erklärt Professor Matthew Jones, der Leiter des Zentrums für Nachhaltigkeit und Recycling an der Universität von Bath in einer Pressemitteilung. "Das verringert die Anzahl der Einsatzzwecke, für die es dann genutzt werden kann."

Chemie statt Mechanik

Sein Team verfolgt deshalb einen anderen Ansatz. Statt die Plastikteile mechanisch klein zu schneiden und einzuschmelzen, löst man sie in ihre Komponenten auf. "Unsere Methode chemischen Recyclings löst dieses Problem, indem sie Plastik-Polymere in ihre chemischen Bestandteile zerlegt. Die können dann als jungfräuliches Plastik ohne Qualitätsverlust immer wieder verwendet werden, ohne dabei ihre Eigenschaften zu verlieren", schwärmt der Professor.

Noch gilt es Hürden zu überwinden. Bisher können die Forscher nur in kleinen Mengen die Basisstoffe aus altem Plastik herstellen, sie arbeiten aktuell an einer Skalierung der Produktion. Viel schwerer wiegt aber ein anderer Faktor: Zuverlässig klappt das chemische Recycling bislang nur bei einer Plastikart, den Polyactiden, kurz PLA. Der in den letzten Jahren vermehrt etwa für Plastikfolien eingesetzte Kunststoff wird aus Milchsäure gewonnen und ist anders als viele andere Kunststoffarten biologisch abbaubar. Weil dafür aber spezielle Kompostieranlagen nötig sind und PLA oft im herkömmlichen Müll landet, wird es kaum recycelt. Die neue Methode könnte das ändern. Zusätzlich arbeiten die Forscher zudem daran, ihre Methode auch für das aus Plastikflaschen bekannte PET (Polyethylenterephthalat) nutzen zu können.

Globale Plastik-Plage

Neue Recycling-Methoden zu finden, wird immer wichtiger. Obwohl vor allem in den westlichen Staaten das Bewusstsein um die Müll-Problematik wächst, ist selbst hierzulande die Recycling-Quote bei Kunststoffen immer noch erschreckend gering. Gerade einmal 38 Prozent des Plastik-Mülls werde recycelt, der Rest verbrannt, berichtete etwa der Naturschutzbund BUND. Und: Als recycelt gelten Kunststoffabfälle in Deutschland selbst dann, wenn sie nur in ein anderes Land verfrachtet wurden. Auch das könnte bald zum Problem werden: China, wo besonders viel Plastikmüll hingeschifft wurde, geht seit Anfang des Jahres mit einem Verbot von Plastikmüll gegen sein Müllproblem vor. Malaysia entschied sich sogar zu einem drastischen Schritt - und schickte 4000 Tonnen Müll zurück in den Westen. 

Dass die Plastikflut bald abreißt, ist ohnehin nicht zu erwarten. Angesichts der niedrigen Ölpreise und der Konkurrenz durch Elektromotoren konzentrieren sich die Ölkonzerne verstärkt darauf, ihr Rohöl in Plastik statt Benzin zu verarbeiten. Zahlreiche große Konzerne wie Shell oder Saudi Aramco bauen oder planen verstärkt Kunststofffabriken, um die sinkende Öl-Nachfrage aufzufangen

Auch die Konsumenten wollten immer noch Plastik, berichtete etwa Coca Colas Nachhaltigkeitschefin Bea Perez im Januar. Der Konzern produziert alleine drei Millionen Tonnen Plastik im Jahr, 200.000 Flaschen sind es pro Minute. "Konsumenten mögen sie, weil sie wiederverschließbar und leicht sind", erläuterte Perez die Nachfrage nach den PET-Flaschen. Man arbeite aber daran, die Kunden auf einen nachhaltigeren Weg mitzunehmen. Dazu will Coca Cola auch die Quote an recyceltem Material immer weiter erhöhen.

"Es gibt keine einzelne Lösung, alle Plastik-Arten zu recyceln. Der Angang muss daher eine Kombination aus Müllvermeidung, Wiederbenutzung und Recycling sein", erklärt Paul McKeown, der ebenfalls an der Universität Bath forscht. "Unser Ansatz des chemischen Recyclings könnte es ermöglichen, die Kohlenstoffe unendlich oft wiederzubenutzen, statt sie immer wieder neu in Form von fossilen Brennstoffen aus dem Boden holen oder als Treibhausgas in die Atmosphäre entlassen zu müssen." 

Quelle: Science Daily

| Anzeige
| Anzeige

mehr von stern

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon