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Smartphone-Markt: Wie das Coronavirus die wichtigste Mobilfunkmesse des Jahres killt

stern-Logo stern 13.02.2020 Malte Mansholt
Der MWC lockt jedes Jahr Hunderttausende Besucher © Picture Alliance/Lian Zhen/ Der MWC lockt jedes Jahr Hunderttausende Besucher

Auf dem Mobile Worlds Congress in Barcelona enthüllen die Smartphone-Hersteller ihre wichtigsten Geräte. Dieses Jahr wird die Messe zum Trauerspiel: Nachdem Dutzende Firmen wegen des Coronavirus absagten, droht nun sogar die Messe an sich abgeblasen zu werden.

Es ist das Mekka für Mobilfunkfans: Auf Tausenden Ständen zeigen Smartphone-Hersteller, Zulieferer, Mobilfunk-Anbieter und Netzwerk-Unternehmen auf dem Mobile World Congress (MWC) ihre Produkte, erlauben Blicke hinter die Kulissen und präsentieren Weltneuheiten. Doch das Coronavirus macht der wichtigsten Mobilfunkmesse des Jahres nun einen Strich durch die Rechnung.

Bereits mit dem Anfang der Krise gab es vorsichtige Meldungen von Unternehmen, zusätzliche Maßnahmen ergreifen zu wollen. Seitdem ist die Lage in China weiter eskaliert – und immer mehr Firmen scheinen kalte Füsse zu bekommen. Wichtige Unternehmen wie LG, Sony, Nokia Amazon, Telekom, Ericson und Intel haben die Teilnahme bereits ganz abgesagt, viele weitere wie ZTE oder TCL verzichten auf eine Pressekonferenz und wollen nur einen Stand anbieten. LG begründete den Schritt damit, man wolle sich an die Empfehlung halten, unnötige Fernreisen zu vermeiden. Samsung kündigte an, mit weniger Mitarbeitern anreisen zu wollen. 

Online-Präsentation statt Messepräsenz

Statt sich vor Ort zu präsentieren, suchen sich die Unternehmen ihr Publikum lieber selbst. Sony kündigte etwa an, die neuen Produkte live über den eigenen Youtube-Kanal den Konsumenten zu zeigen. Nokia plant stattdessen Live-Veranstaltungen, bei denen man direkt zu den potenziellen Kunden kommen wolle. Das könnte etwa im Rahmen von Pop-up-Events in Einkaufszentren und Fußgängerzonen umgesetzt werden.

In der Folge der zahlreichen Absagen steht nun sogar eine komplettes Aussetzen der für Ende Februar angesetzten Messe im Raum. Die Mobilfunk-Vereinigung GSMA plane, bei einer regulären Gremium-Sitzung diese Option anzusprechen, berichtet die spanische Zeitung "La Vanguardia". Bis zum Freitag wolle man eine Entscheidung treffen. Die GSMA wollte den Bericht auf Nachfrage der Deutschen Presseagentur nicht kommentieren.

Harter Einschnitt

Die Angst vor dem Virus trifft die Messe hart. Die GSMA erwartete zu der Messe in diesem Jahr wieder über 2800 Aussteller und mehr als 100.000 Besucher. Ob die auch zu einer so stark abgespeckten Version der Messe auftauchen werden, darf bezweifelt werden. Für Barcelona ist die Messe ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Effekt für das Gastgewerbe und andere Branchen wird von der GSMA auf nahezu eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Kein Wunder, dass die Betreiber ihre Messe bereits mit Versprechen von besonders intensiven Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen sowie einer Blockade von Reisenden aus der besonders stark betroffenen chinesischen Region Wuhan retten wollten.

Auch einige der Unternehmen setzen viel daran, ihr Messeprogramm aufrecht zu erhalten. Vor allem die beiden chinesischen Größen Huawei und Xiaomi bekräftigten gerade noch einmal, die Messe wie geplant durchziehen zu wollen. Allerdings mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Chinesische Mitarbeiter sind nur zugelassen, wenn sie seit mehr als zwei Wochen nicht in China waren. Die chinesischen Unternehmen erklärten daher bereits, die Mitarbeiter in einer Art freiwilliger Quarantäne einzeln in ihren Hotelzimmern ausharren zu lassen. So will man garantieren, dass sie nicht mit dem Virus infiziert sind und sich auch nicht gegenseitig anstecken. Corona ist bereits übertragbar, wenn der Betroffene noch keine Symptome der Krankheit zeigt.

Ist das er Anfang vom Ende?

Für die GSMA steht viel auf dem Spiel. So dürften die Messebetreiber nicht nur bei einer Absage auf hohen Kosten sitzen bleiben. Als viel gefährlicher könnte sich erweisen, dass die Hersteller ihre Pressekonferenzen digital statt auf der Messe abhalten. Sollten sie damit bei Presse und Publikum eine ähnlich hohe Reichweite für die eigenen Neuvorstellungen erreichen, dürften es sie sich im nächsten Jahr zweimal überlegen, ob eine Präsenz auf dem MWC die hohen Kosten und den Personalaufwand wert sind. Das Coronavirus könnte so die Messe auch auf Dauer gefährden.

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