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Wie gefährlich ist es, Tschernobyl zu besuchen? Wir haben eine Nuklearexpertin gefragt, die an den Aufräumarbeiten beteiligt war

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 18.06.2019 Aria Bendix
© SERGEI SUPINSKY/AFP/Getty Images  

Die HBO-Serie „Chernobyl“ hat das Interesse an der verheerendsten Atomkatastrophe der Welt wieder aufleben lassen. 

In letzter Zeit sind Touristen immer häufiger dafür kritisiert worden, dass sie den Unfallort mit waghalsigen und leichtsinnigen Fotos auf Instagram nicht achten — was den Autor der Serie dazu veranlasste, mehr Respekt von den Besuchern einzufordern. 

„Wenn ihr den Ort besucht, denkt bitte daran, dass dort eine schreckliche Tragödie passiert ist“, sagte Serienmacher Craig Mazin am Mittwoch in einem Tweet. Diese Tragödie ereignete sich vor mehr als drei Jahrzehnten, aber ihre Auswirkungen sind nach wie vor spürbar. 

Strahlenbelastung um Tschernobyl sehr gering

Am 26. April 1986 explodierte der Kern eines Reaktors im Kernkraftwerk Tschernobyl und schleuderte radioaktive Stoffe in die Luft um Prypjat, eine ukrainische Stadt, die einst Teil der Sowjetunion war. Die Arbeiter versuchen nun, das noch nicht vollständig dekontaminierte Unglücksgebiet zu reinigen.

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Wir haben Claire Corkhill, eine Forscherin für Nuklearabfälle an der University of Sheffield, die bei den Aufräumarbeiten von Tschernobyl geholfen hat, gefragt, ob das Gebiet für Besucher sicher ist. 

Corkhill sagte, dass die Besucher mit einer „sehr geringen“ radioaktiven Belastung rechnen können, aber sie gab uns auch einige zusätzliche Tipps für die Sicherheit in der Sperrzone.

Seid euch der Risiken bewusst, aber macht euch nicht zu viele Sorgen um eine mögliche Strahlenvergiftung.

 

Nach der Katastrophe errichteten die sowjetischen Behörden eine Sperrzone von 30 Kilometern um die Unglücksstelle, die nur eingeschränkten Zugang ermöglichte. Arbeiter dekontaminierten die Umgebung, indem sie Gebäude abwuschen und die oberen fünf Zentimeter der Erde entfernten, sagte Corkhill. Sie bauten auch eine massive Hülle um den Reaktor herum, die mittlerweile zusätzlich von einem Behälter aus Stahl bedeckt ist. 

Heute ist die Sperrzone — die auf etwa 2.500 Quadratkilometer ausgeweitet wurde — nicht mehr vollkommen unzugänglich. Ein paar Familien leben dort und alle, die älter als 18 sind, dürfen die verlassenen Schulhöfe, Freizeitparks und Klassenzimmer besuchen. 

Doch ein großer Teil des Gebiets ist noch immer kontaminiert. Die Sperrzone „ist aus gutem Grund noch nicht aufgehoben“, sagte Corkhill. 

Bleibt auf den Hauptwegen

 

Touristen sind nur in den Gebieten erlaubt, die von der Regierung für sicher erklärt wurden. Als Wissenschaftlerin jedoch durfte Corkhill die Kühltürme von Reaktor Nummer fünf besuchen, die zur Zeit des Unfalls gerade gebaut wurden. 

„Wir hatten alle eigene Dosimeter dabei und plötzlich spielte mein Dosimeter völlig verrückt — es zeigte eine hohe Menge Strahlung“, sagte sie. 

Zu diesem Zeitpunkt war Corkhill mit einer Gruppe Doktoranden unterwegs. („Wir wollten keine zahlenden Studenten nehmen. Es gäbe zu viele Versicherungsansprüche“, scherzte sie.) Die Forscher wollten der Strahlungsquelle nachjagen, aber Corkhill wollte Vorsicht walten lassen.

„Ich dachte: ‚Nein, lasst uns einfach weitergehen’“, sagte sie. „Ich will nicht zu lange hier stehen.“

Geht auf keinen Fall in den Wald, wo die Bäume kontaminiert sind

 

Corkhill sagte, in der Sperrzone gebe es „ein riesiges bewaldetes Gebiet“, das nicht dekontaminiert wurde. „Es war nicht möglich, die Erde unter den Bäumen abzutragen“, sagte sie. 

Corkhill sagte, dass Touristen, die sich nur auf den Hauptwegen aufhielten, einer nicht so hohen Strahlendosis ausgesetzt wären, wie sie selbst es war.

„Wahrscheinlich bekommt ihr mehr Strahlung während des Flugs dorthin ab“, sagte sie. Das gilt vor allem für Touristen aus den USA. In 10.000 Kilometern Höhe, sagte sie, „ist man weniger geschützt vor Sonneneinstrahlung, kosmischer Strahlung und Partikeln.“

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