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Ausmisten und Corona: Warum Sie jetzt nicht willkürlich aussortieren sollten

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 17.04.2020 Charlene Optensteinen

Flohmärkte abgesagt, Recyclinghöfe geschlossen, Sammelstellen überlastet - wohin nur mit den alten Sachen? Aufräum-Profis geben Tipps für Ordnung in ungeordneten Zeiten.

© Ibex.media/ Stocksy United

Fast jeder verbringt gerade so viel Zeit zu Hause wie wohl nie zuvor. Wer nicht arbeiten muss (oder kann), wer keine Kinder betreuen muss (oder darf), der verspürt vielleicht diesen Drang, produktiv sein zu müssen - und räumt seine Wohnung auf. Schließlich fällt der Lockdown mit dem Frühjahrsputz zusammen. Keine Ausrede mehr also für das Chaos in den Schubladen, das übervolle Bücherregal. Oder erst im Kleiderschrank.

Ausmisten befreit, doch verschenkt oder verkauft man die aussortierten Gegenstände - oder wirft man sie weg? Vor der Pandemie war das einfacher. Doch jetzt sind Recyclinghöfe geschlossen, Flohmärkte abgesagt, Sammelstellen überlastet.

Ordnungscoach Jennifer Fredeweß sagt, das könne vor allem bei entrümpelten Dachböden und Kellern zum Problem werden. Denn: Wertstoffe wie Farben und Lacke, Klebstoffe, Pflanzenschutzmittel und Haushaltschemikalien können nun nicht mehr so einfach entsorgt werden.

Wertstoffhöfe überlastet

"Viele Menschen nutzen die Zeit zu Hause und misten aus", sagt eine Sprecherin des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). "Die Folge: Wertstoffhöfe werden teilweise überrannt, so dass der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen den Kunden nicht eingehalten werden kann." Viele Kommunen hätten inzwischen ihre Notfallpläne aktiviert, damit das Wichtigste gewährleistet bleibe: die Entsorgung von medizinischem Abfall, Restabfall und Bioabfall. Einige Kommunen hätten deshalb zunächst Mitarbeiter von den Wertstoffhöfen abgezogen, damit sie zur Not später wieder einspringen können, falls es zu Ausfällen in der Belegschaft komme.

Die Kommunen gehen unterschiedlich mit der Schließung der Wertstoffhöfe um, zudem verändert sich die Lage ständig: "Am besten ist es, sich beim kommunalen Entsorger zu informieren, wie die Situation derzeit ist. Viele Wertstoffhöfe, die zeitweise geschlossen waren, öffnen derzeit wieder", sagt die VKU-Sprecherin.

Auch der Müll, der nicht zum Wertstoffhof transportiert werden muss, sollte nicht achtlos weggeworfen werden: "Jeder sollte sich im Sinne der gegenseitigen Rücksichtnahme fragen, ob die vielen Dinge, die schon seit Ewigkeiten in den eigenen vier Wänden herumliegen, unbedingt jetzt und zu diesem Zeitpunkt entsorgt werden müssen", sagt die Sprecherin.

Was grundsätzlich in den Restmüll darf, dürfe dort aber auch jetzt landen - mit Bedacht wohlgemerkt: "Wenn die Mülltonne voll ist, darf nichts daneben gestellt werden."

Aussortiertes zwischenlagern

Wer seinen Müll gerade nicht auf einem Recyclinghof entsorgen kann, der sollte ihn am besten zwischenlagern: Dazu rät Ordnungscoach Fredeweß, einen festen Platz im Haus oder in der Wohnung zu reservieren: "So sind die Dinge nicht überall verteilt und es entsteht kein neues Chaos." Ihr dringender Rat: Die Kisten bleiben geschlossen, denn entsorgt ist entsorgt. "Wenn einmal die Entscheidung getroffen wurde, sollte man auch dabeibleiben."

Doch nicht alles muss direkt in den Müll: Was gut erhalten ist, kann auch ohne Flohmarkt oder Secondhand-Laden weiterwandern. Auch das sollte vorab sortiert werden: "Dazu stellt man am besten Kisten auf oder teilt den Boden in Bereiche ein. Dann wird sortiert, was verkauft, was verschenkt und was gespendet werden soll", sagt Fredeweß. Es empfehlen sich sogar noch kleinteiligere Kategorien, zum Beispiel: Was soll bei Ebay landen?

Kleidung, Bücher und Elektrogeräte loswerden

Kleidung kann für gewöhnlich gespendet werden, jedoch gestaltet sich das vielerorts gerade als besonders schwierig: Viele Kleiderkammern sind aktuell geschlossen. Derzeit lande vermehrt gebrauchte Kleidung bei Altkleidercontainern, doch sei es nicht möglich, sie wieder in Umlauf zu bringen, heißt es vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Auch stünden viele Säcke neben den Containern - wenn es regnet, sei die Kleidung dann nicht mehr verwertbar. Das DRK teilt deswegen mit: "Auch wenn die aktuelle Lage das Ausmisten attraktiv macht, empfehlen wir, die aussortierte Kleidung zu einem späteren Zeitpunkt, bestenfalls nach Wiederöffnung der Kleidershops und Kleiderkammern, direkt dort abzugeben."

Kleidung kann abgesehen von Sammelstellen für gewöhnlich auch online gut den Besitzer wechseln: "Über Plattformen wie Ebay funktioniert das zum Beispiel jetzt noch gut - auch kontaktlos. Die Sachen können einfach vor die Tür gestellt werden und der Käufer kann das Geld in den Briefkasten werfen", sagt Ordnungscoach Fredeweß.

Auch Flohmarkt-Apps eignen sich gut, um die Sachen in der eigenen Region anzubieten. "Neben Shpock, Ebay Kleinanzeigen, Kleiderkreisel gibt es auch Tauschbörsen, wo die Ware gegen Coins abgegeben wird, die man wieder für andere Waren nutzen kann."

Aussortierte Bücher zum Beispiel finden in einem offenen Bücherregal Platz - auch im Tausch gegen etwas Neues. Wer sie lieber verkaufen möchte, der kann es etwa beim Ankaufportal Momox probieren. Willkommen sind dort auch CDs, DVDs, Spiele und Kleidung. Portale wie Wirkaufens oder Rebuy nehmen auch Elektrogeräte.

Ordnungscoach Fredeweß rät von diesen Portalen zwar nicht ab, weist aber darauf hin, dass man dort nicht unbedingt den Preis bekommt, den es im Privatverkauf dafür gäbe. Auch steht der Preis nicht unbedingt vorher schon fest: Manchmal prüft der Portal-Betreiber zunächst den Gegenstand. Sie sagt: "Ist es jemandem egal, wie viel er dafür bekommt, dann sind die Dinge über so ein Portal super einfach und schnell weg." Und: "Wenn man also etwas Geduld hat, wird man auch mit mehr Geld belohnt."

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