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Küsten-Urlaub in Deutschland: Nur mit der App geht's an den Strand

EXPRESS-Logo EXPRESS 12.06.2020 express
Fragebögen zur Selbstauskunft zur Corona-Aufzeichnungspflicht sind im Bistro am Strandabschnitt Buhne 16 bei Kampen auf Sylt an der Tagesordnung. © picture alliance/dpa Fragebögen zur Selbstauskunft zur Corona-Aufzeichnungspflicht sind im Bistro am Strandabschnitt Buhne 16 bei Kampen auf Sylt an der Tagesordnung.

Bei allem Sommer- und Sonnenspaß: Die Corona-Pandemie wird auch Spuren im Urlaub hinterlassen. Schleswig-Holstein setzt etwa auf eine Reservierungs-App für den Strandbesuch, die ostfriesischen Inseln erlassen ein Betretungsverbot für Tagesgäste. Das Ziel ist dabei dasselbe: in Corona-Zeiten einen sicheren Urlaub mit genug Abstand zu ermöglichen.

Riesen-Andrang auf Sylt

Solche Bilder sollen sich nicht wiederholen: Auch wenn die Pfingsttage überwiegend ruhig verliefen, machten Berichte von vollen Stränden auf Sylt und in Scharbeutz die Runde. Die Scharbeutzer Bürgermeisterin sah sich am Pfingstmontag gezwungen, den Ort an der Lübecker Bucht für Tagesgäste zu sperren. Zwei Tage zuvor standen auf Sylt Menschen in dreistelliger Zahl an einer Toilette am Kampener Strandübergang an.

Um die im Sommer erwarteten Ströme von Urlaubern und Tagesgästen zu lenken, lassen sich die Orte an Nord- und Ostsee einiges einfallen: von Parkleitsystemen, Bodenaufklebern mit Abstandsregeln, Einbahnstraßensystemen am Strand bis hin zu Strand-Apps.

Schleswig-Holstein: Hier muss man Strand buchen

Schleswig-Holstein setzt bei der Unterbindung größerer Menschenansammlungen in Ferienorten und an Stränden auch auf digitale Lösungen. An der Lübecker Bucht wird gerade eine sogenannte Strand-App entwickelt. Eine echte App wird die Anwendung zwar nicht, wie Doris Wilmer-Huperz, Pressesprecherin der Tourismus-Agentur Lübecker Bucht, sagt. Geplant sei eine Internetplattform, die im Prinzip so funktioniert wie die Onlinebuchung eines Theaterplatzes.

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Tagestouristen können einsehen, welcher Strandabschnitt schon voll ist und für welchen sie noch ein Ticket buchen können. Urlauber, die einen Aufenthalt in einem der Orte die mitmachen, gebucht haben, dürfen ebenso wie Einwohner und Zweitwohnungsbesitzer immer an den Strand. „Es ist ein Service für die Tagestouristen“, sagt die Sprecherin. Denn so vermeide man den Frust, morgens früh von zu Hause loszufahren und dann doch nicht an den Strand zu dürfen.

In Nordfriesland ist Platz genug, um sich aus dem Weg zu gehen

Die Strände an der Lübecker Bucht sind eher schmal und auch bei Tagesgästen populär – das Einhalten der Abstandsregeln fällt da schwerer als beispielsweise auf den nordfriesischen Inseln oder in Sankt Peter-Ording. Verantwortliche winken hier ab: Die Strände seien breit genug, um sich aus dem Weg zu gehen. Eine Strand-App soll es hier nicht geben. Auch Schleswig-Holsteins Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) betont, es gebe keine Pflicht, die App einzuführen.

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Auch auf Usedom in Mecklenburg-Vorpommern ist keine App geplant. Dabei sieht es auf Usedom fast aus wie vor Corona: Autoschlangen auf den Straßen, viele Spaziergänger auf den Promenaden und am Strand, Radfahrer, gut besetzte Straßencafés. „Unsere Strände sind voll“, sagt die Vorsitzende des Tourismusverbandes der Insel, Nadine Riethdorf.

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Zugangsbeschränkungen soll es aber nicht geben: „Der Strand ist Allgemeingut.“ Ihr sei es noch nicht passiert, dass ihr dort jemand auf 1,50 Meter „auf die Pelle gerückt“ sei.

Verbot von Tagestouristen auf ostfriesischen Inseln

Auch auf den ostfriesischen Inseln wie Norderney und Borkum sind weder Leitsysteme noch Strandreservierungen vorgesehen. „Wir haben nach wie vor ein Korrektiv: das Verbot von Tagestouristen“, sagt der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Ostfriesische Inseln. „Solange wir keine Tagestouristen haben, haben wir im Prinzip keine Übernutzung am Strand.“ Zumal die Strände groß genug seien, um Strandkörbe in ausreichendem Abstand aufzustellen.

Während auf den Inseln wie im übrigen Niedersachsen schrittweise Lockerungen erfolgt sind - zuerst durften Ferienwohnungen vermietet werden, dann Urlauber auch in Hotels - soll am Tagestourismusverbot zunächst festgehalten werden, erklärt der Bürgermeister der Stadt Norderney, Frank Ulrichs. „Bei schönem Wetter kommen sie ja zu Hunderten und Aberhunderten.“ Bis zu 10.000 sind es an manchen Wochenendtagen.

„Dass alle dicht an dicht wie in der Sardinenbüchse liegen, wird es bei uns nicht geben“, verspricht Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU).


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