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Internationale Kritik an US-Zahlungsstopp für WHO in Corona-Krise

AFP-LogoAFP 15.04.2020 AFP
Die Einstellung der US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Corona-Krise ist international auf scharfe Kritik gestoßen. Die EU, Deutschland, China und Russland übten deutliche Kritik an US-Präsident Donald Trump. © MANDEL NGAN Die Einstellung der US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Corona-Krise ist international auf scharfe Kritik gestoßen. Die EU, Deutschland, China und Russland übten deutliche Kritik an US-Präsident Donald Trump.

Die Einstellung der US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) inmitten der Corona-Krise ist international auf scharfe Kritik gestoßen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell erklärte am Mittwoch, der Schritt sei durch nichts gerechtfertigt. China kritisierte, die Entscheidung der US-Regierung schwäche die WHO und untergrabe die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen die Pandemie. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) übte deutliche Kritik an der Haltung von US-Präsident Donald Trump: "Schuldzuweisungen helfen nicht", erklärte Maas.

Der US-Präsident hatte am Dienstag den Stopp der US-Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation verkündet. Er warf der WHO "Missmanagement" in der Corona-Krise und Einseitigkeit zugunsten Chinas vor. So habe die Organisation von Einreisesperren abgeraten und die tatsächliche Lage in China als Ursprungsort des Virus nicht ausreichend untersucht. "Tausende Menschenleben" hätten gerettet und schwerer wirtschaftlicher Schaden vermieden werden können, wenn die WHO besser gearbeitet hätte, sagte er.

Trump warf der WHO zudem vor, "viele falsche Informationen" zu den Übertragungswegen und der Sterblichkeit durch das Coronavirus verbreitet zu haben. Er habe seine Regierung daher angewiesen, die Zahlungen an die WHO einzustellen, während "überprüft" werde, welche Rolle die UN-Organisation bei der "schlechten Handhabung und Verschleierung der Ausbreitung des Coronavirus" gespielt habe.

"Hätte die WHO ihren Job gemacht und medizinische Experten nach China geschickt, um die Situation vor Ort objektiv zu beurteilen und (hätte sie) den chinesischen Mangel an Transparenz angeprangert, hätte der Ausbruch an seiner Quelle mit sehr wenigen Toten eingedämmt werden können", sagte Trump. 

Die USA sind der größte Beitragszahler der WHO. Im vergangenen Jahr flossen 400 Millionen Dollar US-Gelder an die UN-Organisation. Die USA würden nun beraten, was stattdessen "mit all dem Geld" getan werden könne, sagte der US-Präsident. 

Bereits vergangene Woche hatte Trump der WHO vorgeworfen "China-zentriert" zu sein. Dabei hatte der US-Präsident noch Wochen nach Beginn der Corona-Epidemie regelmäßig Chinas Bemühungen im Kampf gegen das Coronavirus gelobt.

UN-Generalsekretär António Guterres kritisierte Trumps Entscheidung. Er sei der Überzeugung, dass es im weltweiten "Krieg" gegen die Coronavirus-Pandemie "absolut notwendig" sei, die WHO zu unterstützen. Der Software-Milliardär Bill Gates, der den weltweiten Kampf gegen das Coronavirus finanziell unterstützt, erklärte: "Die Welt braucht die WHO mehr denn je."

Der EU-Außenbeauftragte Borrell betonte, die WHO trage entscheidend zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie bei. Die Krise sei "nur mit vereinten Kräften" zu überwinden. Maas forderte auf Twitter eine internationale Corona-Zusammenarbeit. Eine der besten Investitionen sei es dabei, die UNO und "allen voran die unterfinanzierte WHO zu stärken".

Peking zeigte sich "ernsthaft besorgt". Die WHO sei im Kampf gegen das Virus "unersetzlich", erklärte Außenministeriumssprecher Zhao Lijian. Moskau verurteilte das US-Vorgehen als "sehr egoistisch". Vize-Außenminister Sergej Ryabkow rief die US-Regierung laut Nachrichtenagentur Tass auf, jede weitere Attacke auf die WHO zu unterlassen. Eine Sprecherin seines Ministeriums sagte, Trump suche nur nach Schuldigen.

Kritiker Trumps sehen im Druck des Präsidenten auf die WHO einen Versuch, von seinen eigenen Versäumnissen in der Corona-Krise abzulenken. Dem US-Präsidenten wird vorgeworfen, die Virus-Gefahr lange kleingeredet zu haben. Wochenlang hatte er versichert, die Lage sei in den USA unter Kontrolle.

Inzwischen sind die USA das weltweite Zentrum der Corona-Pandemie. Am Dienstag meldete die Johns-Hopkins-Universität einen Rekordanstieg um mehr als 2200 Todesfällen binnen 24 Stunden. Landesweit starben inzwischen mehr als 25.700 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Mehr als 605.000 Menschen sind infiziert.

Trotzdem hält Trump eine baldige Rückkehr zur Normalität in Teilen des Landes für möglich: Weniger dicht besiedelte US-Bundesstaaten könnten "vor Ende des Monats" den Stillstand beenden.

gt/cp

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