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Hola Menorca! Warum die Insel gerade ein echtes Traumziel wird

Harper's BAZAAR-Logo Harper's BAZAAR 12.06.2020 Harper’s BAZAAR Redaktion
Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide Juliana Chyzhova © Juliana Chyzhova Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide Juliana Chyzhova

Berauschende Natur!“, schwärmte ein Freund euphorisch nach seinem letzten Wochenendausflug auf die kleine Baleareninsel Menorca. Er strahlte übers braungebrannte Gesicht und sprach vor lauter Aufregung nur noch in Schlagwörtern: „Das Essen: köstlich! Das Wasser: türkisblau! Und die Strände: menschenleer! Demnächst auch noch: Kunst-Hotspot!“

Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide © Juliana Chyzhova Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide

Wieso ein Urlaub auf Menorca pure Entspannung bedeutet

Seine Begeisterung machte mich neugierig. Zumal er nicht der Einzige ist, der von diesem bisher oft übersehenen Eiland namens Menorca schwärmt. Seit einiger Zeit geistert der Name, der übrigens „die Kleinere“ bedeutet, immer häufiger durch Gespräche. Man flüstert ihn sich zu, ganz leise, wie ein Geheimnis, gibt kaum Empfehlungen, so als handle es sich um einen Schatz, den jeder für sich selbst entdecken muss. Denn Menorca ist anders als die Schwestern, anders als Mallorca, „die Größere“, und Ibiza, „die Laute“, diskret und geheimnisvoll. Sie mag keinen Krach, kein Bling-Bling, und wenn Stars wie Rachel Weisz hier mal Urlaub machen, dann erfährt das meist kaum einer. Weil es niemanden interessiert. Menorca ist kein Ort des Sehens und Gesehenwerdens, die wenigen Besucher begegnen sich hier lieber als Gleichgesinnte.

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Es ist diese Unaufgeregtheit, die auch die Schweizer Galeristen Manuela Hauser und Iwan Wirth begeisterte: „Manuela und ich kommen seit Jahren hierher, wir haben uns sofort in die wilde Schönheit der Natur und die einfache Gastfreundschaft der Bewohner verliebt“, erzählt Wirth. Vor Kurzem gaben sie bekannt, dass „Hauser & Wirth“ eine Galerie in einen über tausend Quadratmeter großen Kunstraum im ehemaligen Marine-Krankenhaus der winzigen Isla del Rey direkt im Hafen der Hauptstadt Mahón eröffnen werden. In diesem Sommer werden bereits einzelne Events stattfinden, final wird die Galerie vermutlich dann 2021 eröffnen. Warum ausgerechnet hier, so weit weg von allem? „Gerade deshalb“, sagt Wirth. „Der Wille der Menorquiner, ihre Insel und ihre Kultur zu bewahren, hat uns schon immer beeindruckt und inspiriert. Wir wollen sie mit unserem Projekt unterstützen.“

Ein Ausflug in die unberührte Natur von Menorca


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Guillaume Foucher und Frédéric Biousse, die beiden Köpfe hinter dem im vergangenen Juli eröffneten „Fontenille Menorca“, ging das ähnlich, auch sie sind der Ruhe und dem Traditionsbewusstsein der Insel verfallen. Ihre Liebe zu ihr entfachte durch Zufall: Sie hatten gerade die Umbauarbeiten für ihr Weingut in der Provence abgeschlossen, als Freunde sie zum Ausruhen in ihr Haus auf Menorca einluden. Es habe nur wenige Stunden eines kurzen Spaziergangs über den Fischmarkt von Mahón und einer Fahrt durch die Landschaft bedurft, um sie zu überzeugen, sagt Foucher heute: „Die Natur hat uns sofort verzaubert. Sie ist unberührt und vielseitig. Teilweise hat man das Gefühl, man sei in Irland, dann wiederum sieht es aus wie in der Bretagne, die Dörfer erinnern mich an Griechenland.“ Sie suchten sofort ein Haus und fanden zwei: den rot leuchtenden Palast Santa Ponsa aus dem 18. Jahrhundert, der inmitten einer Oase aus Palmen, Orangen-, Zitronen- und Granatapfel- Bäumen liegt, und die schlichtere, von Weizenfeldern und Olivenbäumen umgebene Finca Torre Villa.

Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide Tobias Kebernik © Tobias Kebernik Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide Tobias Kebernik Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide Tobias Kebernik © Tobias Kebernik Reisen: Urlaub auf Menorca, Travel-Guide Tobias Kebernik

Von ihr aus gelangt man über ein Feld mit aromatischen Pflanzen bis zu weißen Kalkwänden, die sich dramatisch ins Mittelmeer stürzen. „Im Sommer kann man hier auf einer eigens dafür angebrachten Plattform Yoga mit Blick auf den Horizont und die Wellen machen“, sagt Foucher und haucht ein verträumtes: „Einmalig!“ Einmalig ist es tatsächlich, denn so einfach kommt man auf Menorca nicht an die Küsten heran. Die einzige Schnellstraße führt hier einmal quer durch die Mitte, von der malerischen Hafenstadt Ciutadella im Westen nach Mahón im Osten, an der Küste entlang verläuft nichts. Oder besser gesagt nichts außer einem jahrhundertealten Wander- und Reitweg, dem berühmten Camí de Cavalls. Auf 185 Kilometern Insel-Umrundung begegnet dem Wanderer hier kaum etwas Naturfremdes, kein Zeichen der modernen Zivilisation: keine Straßen, keine Hotelkomplexe, keine Beachbars. Nichts als Himmel, Felder, Wälder, ein paar Menorquiner-Pferde und blau glitzerndes Meer.

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Zu den meisten der 120 Strände muss der Besucher vom Parkplatz aus mindestens zwanzig Minuten durch Pinienwälder, an Klippen und kleinen Buchten vorbeilaufen, was erst einmal mühsam klingt, sich aber lohnt: Am Ende des Weges liegt meist eine unberührte Bucht mit feinem weißem Sand, türkisfarbenem Wasser und ein paar Palmen, die hinter prächtigen Felsen wachsen. Würde man einem sagen, er sei der erste Mensch, der sie betritt, man würde es in den meisten Fällen glauben. „Dass so etwas in Europa noch möglich ist, ganz allein an einem paradiesischen Strand zu sitzen, das wirkte auf uns damals im besten Sinne des Wortes wie aus der Zeit gefallen“, so Foucher.

Wieso sich die Geschichte Menorcas heute auszahlt

„Aus der Zeit gefallen“, „wild“, „unberührt“ sind Begriffe, die in Bezug auf Menorca oft fallen und zutreffen. Wenn man nachmittags durch die kleinen Dörfer Es Mercadal oder San Luis fährt, in denen bunte Fähnchen-Girlanden über den Straßen wedeln und die Bauten ockergelb im warmen Licht leuchten, wenn man durch die winzigen Hafenorte Es Grau oder das orientalisch anmutende Fornells schlendert und sieht, wie ein paar alte Männer bei Pomada, dem einheimischen Gin-mit- Zitrone-Cocktail, rumsitzen und quatschen, dann hat man tatsächlich oft den Eindruck, diese Insel sei vom Fortschreiten der Zeit einfach vergessen worden.

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Das liege am gekränkten Ego eines Diktators, erklärt der Kellner im „Sa Llagosta“, einem kleinen Fischrestaurant in Fornells, in dem angeblich auch der spanische König am liebsten seinen Hummer verspeist. „Menorca war die einzige Baleareninseln, die sich gegen Franco gestellt hat. Zur Strafe wurden wir nicht berücksichtigt, als Spanien seinen Tourismus ausbaute“, erzählt er, während er uns die rotorangene Hummersuppe, die Spezialität des Hauses, in die Teller gießt. Vor uns fahren die letzten Segelboote in die Bucht ein, die Palmen wiegen sich gemütlich im Wind und man kann nicht anders als zu denken: Wie gut der Widerstand, der gegen Franco damals, der gegen den Massentourismus heute, dieser Insel, Menorca, der Kleineren, steht.

Text: Annabelle Hirsch

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